Erfolgsgeschichte
Schutz der Ozonschicht: Internationales Umweltrecht mit Biss - auch für das Klima!
publiziert: Mittwoch, 16. Okt 2013 / 10:22 Uhr

In diesen Tagen werden in Stockholm wieder die Nobelpreise gesprochen. Grund genug, sich an zwei Preise im Bereich von Atmosphäre und Klima zu erinnern: 1995 für Chemie an Paul Crutzen, Mario Molina und Sherwood Rowland für ihre Arbeiten über die Ozonschicht; und 2007 der Friedensnobelpreis für die Klimaarbeiten von IPCC und Al Gore.

4 Meldungen im Zusammenhang
Beide Preise sind verbunden mit zwei grossen völkerrechtlich verbindlichen Verträgen des Umweltrechts: dem Montrealer Protokoll und seinen Folgeabkommen zum Schutz der Ozonschicht, und dem Kyoto-Protokoll zum Schutz des Klimas. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass das Montrealer Protokoll durch alle wichtigen Staaten weltweit ratifiziert wurde, und dass diese Staaten alljährlich zusammenkommen, um ihre Regulierungsmassnahmen an die weitere Entwicklung anzupassen. Hingegen war das Kyoto-Protokoll schon in seiner ersten Phase (2009 bis 2012) löchrig und hat in seiner zweiten Phase (2013 bis 2020) im Wesentlichen nur Europa und Australien als Teilnehmer. Gründe sind vielfältig und reichen von der Schwierigkeit, dass das CO2-Problem am energiepolitischen Rückgrat der modernen Gesellschaft sitzt, bis hin zu der irrigen Meinung, dass der Einzelne zwar durch den Hautkrebs gesundheitlich bedroht sei, aber nicht durch die Klimaveränderungen.

Montrealer Protokoll - eine Erfolgsgeschichte

Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) und die bromhaltigen «Halone» wurden ursprünglich bejubelt und für unzerstörbar gehalten. Tatsächlich aber setzen sie Chlor und Brom in der Stratosphäre frei, zerstören Ozon, führen zum Anstieg der schädlichen UV-Strahlung und können Krebs und andere Erkrankungen erzeugen. Das Montrealer Protokoll von 1987 war ein historischer Meilenstein bei der Bekämpfung dieses globalen Umweltproblems. Verstärkt durch Folgeabkommen (z.B. London 1990, Kopenhagen 1992) und kontinuierlich angetrieben durch die Arbeit hunderter Wissenschaftler weltweit entstand ein völkerverbindendes Abkommen, das die atmosphärischen Chlor- und Brom-Konzentrationen zum jetzigen Zeitpunkt gegenüber einer unkontrollierten Entwicklung ungefähr halbiert. Des Weiteren konnten der Ozonverlust gestoppt und geschätzte 100'000 Fälle an zusätzlichen Krebserkrankungen pro Jahr vermieden werden. Was uns noch vor zehn Jahren unklar war, ist das Ausmass, in dem unsere Arbeit den menschengemachten Treibhauseffekt verringert hat: denn FCKW und Halone sind starke Treibhausgase. Ihr Produktionsstopp ist nicht nur gut für die menschliche Gesundheit, sondern schützt auch das Klima.

Montreal weiter ausbauen, bis Kyoto endlich funktioniert!

Während wir mit dem Kyoto-Protokoll für die Periode 2008 bis 2012 ein Reduktionsziel von 2 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr erreichen wollten, entspricht die durch das Montrealer Protokoll tatsächlich erreichte äquivalente Reduktion gegenüber unbeschränkten FCKW- und Halon-Emissionen bei 10 bis 12 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr - ist also fünf- bis sechsmal so gross. Das ist ein wichtiger, aber fast unbemerkt vor sich gegangener Erfolg! Allerdings haben wir begonnen, Ersatzstoffe für die FCKW und Halone zu produzieren, die es ohne das Montrealer Protokoll nicht gäbe. Namentlich die FKW, also Fluor-Kohlenwasserstoffe ohne Chlor, die das Ozon nicht schädigen. Leider sind auch diese Ersatzstoffe Treibhausgase. Könnten wir auch sie eliminieren, liesse sich die vermiedene CO2-Menge sehr rasch um eine weitere Milliarde Tonne CO2 pro Jahr reduzieren, bis 2050 gar um 3 bis 9 Milliarden Tonnen. Folgerichtig wird versucht, FKW zum Gegenstand des Montrealer Protokolls zu machen. Wenngleich pragmatisch, ist dies politisch doch schwierig, weil FKW Ozon nicht zerstören und somit nichts mit dem ursprünglichen Ziel von Montreal zu tun haben. Umso mehr ist anzuerkennen, dass die Unterzeichnerstaaten des Montrealer Protokolls für ihre nächste Sitzung diesen Monat die FKW als Tagesordnungspunkt haben.

Sollte es gelingen, FKW als erste Stoffgruppe aus dem steckengebliebenen Kyoto-Prozess in das Montrealer Protokoll zu überführen, wäre das ein spektakulärer Meilenstein. Unser Augenmerk auf die Reduktion der CO2-Emissionen darf dies gleichwohl nicht vermindern.

(Prof. Thomas Peter/ETH-Zukunftsblog)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Kaum jemand hatte vom UN-Klimagipfel (COP 18) in Katar einen Durchbruch in der ... mehr lesen
Thomas Bernauer ist Professor für Politikwissenschaft an der ETH Zürich.
Weltklimagipfel in Doha
Doha - Fast 200 Staaten haben sich ... mehr lesen
New York - Das Ozonloch war 2012 so klein wie nur einmal zuvor in den vergangen ... mehr lesen
Das Ozonloch schrumpft schon seit Jahren.
Al Gore forderte eine entschlossene Mobilisierung.
Oslo - Der frühere US-Vizepräsident ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Mit Biogas betriebene Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) können fluktuierenden Solarstrom kompensieren und Gebäude beheizen.
Mit Biogas betriebene ...
Eine zentrale Herausforderung der Energiewende ist es, die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen auszugleichen. Eine Machbarkeitsstudie zeigt nun für drei Schweizer Kantone auf, wie ein Verbund von Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen kurzfristige Engpässe überbrücken und Gebäude mit Strom und Wärme versorgen kann. mehr lesen 
Vor rund hundert Jahren begann die Industrialisierung der Landwirtschaft - heute erleben wir den Beginn ihrer Digitalisierung. Damit die Big-Data-Welle den Bauer nicht vom Acker schwemmt, sondern ihn optimal unterstützt, gilt es, das Feld früh zu bestellen und Marken zu setzen, damit die digitale Landwirtschaft die richtigen Fragen adressiert. mehr lesen  
Die Schweizer Wasserkraft darbt. Die Ursache dafür sind letztlich Verzerrungen im europäischen Strommarkt. Nun diskutiert die Politik Subventionen für die ... mehr lesen  
Wie werden Wasserkraftwerke wieder rentabel?
Climate change has been communicated as a global concern affecting all of mankind; but this message doesn't seem to be getting through. If indeed the human brain responds better to experience than to analysis, then climate change must be told as a local and personal story - just as the Klimagarten 2085 exhibition is doing. mehr lesen  

Fakten und Meinungen zu Nachhaltigkeit

Der Zukunftsblog der ETH Zürich nimmt aktuelle Themen der Nachhaltigkeit auf. Er bietet eine Informations- und Meinungsplattform, auf der sich Expertinnen und Experten der ETH zu den Themenschwerpunkten Klimawandel, Energie, Zukunftsstädte, Welternährung und Natürliche Ressourcen äussern. Prominente Gäste aus Forschung, Politik und Gesellschaft tragen mit eigenen Beiträgen zur Diskussion bei.

Lesen Sie weitere Beiträge und diskutieren Sie mit auf: www.ethz.ch/zukunftsblog

.
Green Investment news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 7°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel recht sonnig
Basel 10°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
St. Gallen 13°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Bern 5°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Luzern 7°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Genf 6°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 12°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten