Schutz vor Allergien steckt im Heu
publiziert: Dienstag, 20. Jul 2010 / 23:16 Uhr
Bauernkinder, die seltener an Allergien leiden, atmen den Strohstaub von Geburt an ein.
Bauernkinder, die seltener an Allergien leiden, atmen den Strohstaub von Geburt an ein.

Bochum/Bonn - Bauernkinder haben nie Asthma oder Allergien. Warum das so ist, zeigen nun erstmals Bochumer Forscher im «Journal of Allergy and Clinical Immunology».

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Sie verabreichten Mäusen einen Zucker aus dem Heustaub von Kuhställen, und siehe da: Die Mäuse waren ihr Leben lang vor Allergien geschützt. «Sprays oder Nasentropfen werden auch Babys in einigen Jahren immun machen - vorausgesetzt, die Tests beim Menschen zeigen Erfolg», berichtet Marion Kauth, Co-Autorin der Studie, im Interview.

Heu gegen Heuschnupfen

Der Wunderstoff, den die Forscher im Heu fanden, heisst «Arabinogalaktan». «Das pflanzliche Zuckermolekül kommt in Gräsern vor, vor allem beim Futtermittel Wiesenfuchsschwanz», so Kauth. Im Körper dämpft das Molekül das Verhalten der dendritischen Zellen, die schädliche Eindringlinge sonst weiterleiten und eine Immunreaktion des Körpers auslösen. «Das verhindert, dass das Immunsystem übertrieben wachsam vor ungefährlichen Stoffen ist.» Welche Rezeptoren dabei beteiligt sind, muss noch geklärt werden.

Die Suche nach dem Zucker war für die Forscher sprichwörtlich wie jene nach der «Nadel im Heuhaufen». Sie liessen sich dazu Stallstaub aus Bauernhöfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bringen und analysierten ihn. «Der Vorteil von Bauernkindern ist, dass sie diesen Staub von Geburt an einatmen. Bei vielen Bauernhöfen wird ja das Heu oberhalb des Stalles gelagert, wobei sein Staub bei einer Umschichtung die Luft anreichert. Diese hohe, schützende Dosis wird bei bloss einem Spaziergang durch ein Feld nicht erreicht», sagt Kauth.

Prophylaxe für Babys denkbar

Die Mäuse, denen die Forscher nach der Geburt Arabinogalaktan verabreichten, waren später tatsächlich immun vor einer hohen Dosis verschiedener Allergene. Die Forscher hoffen nun, dass dieser Mechanismus auch dem Menschen hilft. «Mäuse und Menschen ähneln sich sehr in ihrer Immunreaktion. Der Stoff muss jedoch noch toxikologisch überprüft werden, bevor Tests beim Menschen starten», so Kauth. Das Endprodukt sei allerdings nicht eine Hilfe für Allergiker, sondern eine Allergieprophylaxe für Kinder im ersten Lebensjahr.

Warum die ersten Lebensmonate über die spätere Entwicklung von Allergien entscheiden, erklärt Heike Behrbohn von der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V.: «Das Immunsystem ist in dieser Zeit noch unreif und kann noch nicht zwischen schädlichen und unschädlichen Stoffen unterscheiden. Zudem ist die Darmschleimhaut noch durchlässig für grosse Moleküle.» Kinderärzte empfehlen in den ersten Monaten das Stillen, da Muttermilch frei von Fremdeiweissen ist.

Bauernhof trainiert das Immunsystem

Dass die meisten Bauernkinder kaum Probleme mit Allergien haben, bestätigt auch Behrbohn. «Die Hypothese ist, dass Babys, die in steriler Umgebung leben, eher gefährdet sind. Das Immunsystem muss trainieren und richtet sich dabei gegen harmlose Stoffe, die es in einem sauberen Umfeld vorfindet», so die Expertin. Das Immunsystem von Bauernkindern wird hingegen schon früh gefordert. «Es gibt Hinweise, dass auch Kinderkrippen die Allergiegefahr senken. Besser ist es, Babys nicht absichtlich und massiv Fremdstoffen auszusetzen.»

(fest/pte)

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