Schweiz: Niedrigste Abtreibungs-Quote Europas
publiziert: Donnerstag, 26. Aug 2004 / 16:29 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 26. Aug 2004 / 16:51 Uhr

Bern - Das Inkrafttreten der Fristenregelung 2002 hat in der Schweiz keinen Abtreibungsboom ausgelöst - im Gegenteil. 2003 sank die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche leicht. Mit 6,8 Abbrüchen auf 1000 Frauen wies die Schweiz die niedrigste Quote Europas auf.

Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz 10 500 Abtreibungen vorgenommen.
Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz 10 500 Abtreibungen vorgenommen.
Gemeinnützige internationale Hilfsorganisation
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Im vergangenen Jahr wurden 10 500 Abtreibungen vorgenommen, wie Schwangerschaftsabbruch Info mitteilte. Zwischen 1993 und 2001 bewegten sich die Zahlen jeweils zwischen 11 900 und 12 700. Mit 6,8 Abtreibungen auf 1000 Frauen zwischen 15 und 44 Jahren weist die Schweiz damit europaweit die geringste Quote aus.

Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Abtreibungs-Quote 7,6 Fälle auf 1000 Frauen, in Italien 10,7, Frankreich 16,2 und England 16,6. In Ländern des ehemaligen Ostblocks sind die Zahlen noch viel höher. Rumänien etwa weist eine Quote von 51,6 und Russland eine von 54,2 aus.

Am 1. Oktober 2002 trat die Fristenregelung mit dem straflosen Schwangerschaftsabbruch in den ersten zwölf Wochen in Kraft. Ende 1999 wurden Abtreibungspillen wie RU 486 zugelassen. Beide Entwicklungen schlugen sich nicht in einer höheren Zahl von Abtreibungen nieder, wie Schwangerschaftsabbruch Info konstatiert.

Mehr als zwei Fünftel der Abbrüche in der Schweiz wurden mittels Medikamenten in den ersten sieben Wochen der Schwangerschaft vorgenommen. Mehr als die Hälfte aller Abtreibungen liessen Migrantinnen vornehmen.

Die meist genannten Gründe für einen Schwangerschaftabbruch sind kriselnde Partnerschaft sowie eine durch ein Kind verunmöglichte Berufsausübung oder Ausbildung. Eine prekäre Finanzsituation wurde dagegen nur ausnahmsweise als Grund erwähnt, hiess es weiter.

Wegen der Fristenlösung verschwindet der Abtreibungstourismus, teilte die Infostelle mit. Die Zahl Abtreibungen in den vorher liberalen Kantonen Bern, Zürich, Basel, Waadt und Genf habe abgenommen, sagte die Verantwortliche Anne-Marie Rey. In Kantonen, die vor dem Oktober 2002 eine restriktive Praxis verfolgt hatten, nahmen im Gegenzug die Abtreibugen zu.

(bert/sda)

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Anthony Patt ist Professor für Mensch-Umwelt-Systeme an der ETH Zürich.
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