Schweiz Nummer 1 an der alpinen Ski-WM 2009Swiss-Ski ist mit sechs Medaillen das erfolgreichste Team an den alpinen Ski-Weltmeisterschaften. Eine WM-Bilanz ist immer eine Momentaufnahme, aber im Fall von Val d´Isère ist es mehr -- Bestätigung und Lohn für Geduld und kontinuierliche Aufbau-Arbeit.
(von Richard Hegglin, Val d´Isère/Si)

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Carlo Janka, Didier Cuche und Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann feiern vor dem House of Switzerland.
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Für die sechs Medaillen zeichneten zwar nur drei Fahrer verantwortlich, Didier Cuche (Gold und Silber), Carlo Janka (Gold und Bronze) sowie Lara Gut (zweimal Silber).
Gleichwohl, und trotz Lara Gut, dem Team im Team, war Swiss-Skieine Mannschaft, in dem die Gruppendynamik funktioniert.
Ein Team mit Substanz
Ohne den schwer verunglückten Daniel Albrecht, mit einem «halben» Marc Berthod, trotz Wettkampfpech von Lauberhorn- und Hahnenkammsieger Didier Défago, der Verunsicherung von Dominique Gisin und Fabienne Suter und dem Formtief von Nadia Styger und Fränzi Aufdenblatten hat das Schweizer Team zahlenmässig die Bilanz von Are 2007 egalisiert und substantiell klar übertroffen.
Sechs Medaillen sind kein Zufallsergebnis
Die sechs Medaillen sind kein Zufallsergebnis, sondern das Spiegelbild der ebenfalls sehr erfreulichen Weltcupsaison.
Nur vier Jahre nach der Nullnummer von Bormio sind die Schweizer Skirennfahrer wieder zu einer kampfstarken Mannschaft gewachsen, die auch für die nächsten Top-Events, die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver und die Weltmeisterschaften 2011 in Garmisch-Partenkirchen, zuversichtlich stimmt.
Als 1997 die Schweizer letztmals sechs Medaillen errangen, warnte der damalige Chef Theo Nadig: «Lasst euch davon nicht blenden. Uns fehlt die Basis.» Prompt war jener momentane Lichtblick der Anfang eines steten Niedergangs mit 2005 Bormio als Tiefpunkt.
Guter Mix zwischen jung und alt
Diese Gefahr besteht diesmal nicht. Der Mix zwischen alten und jungen Fahrern stimmt. Sie sind das Ergebnis von Kontinuität, solider Grundlagenarbeit und weitsichtiger Verbandsführung. Die Verbandsspitze mit Urs Lehmann und seinen Mitstreitern ist ein hochqualifiziertes Komptenzzentrum, das dem Leistungssport sehr nahe steht.
Deshalb lässt sich niemand von den Erfolgen in Val d´Isère blenden. Österreich bleibt trotz der durchzogenen WM die Skimacht Nummer 1. Aber die Schweiz braucht nicht mehr erfürchtig zu ihr aufzublicken.
In einer Zeit, in dem der Skisport immer internationaler wird, hat Swiss-Ski wieder seine Position gefunden. Zwölf Nationen teilten sich in die zehn Medaillensätze -- so viele wie noch nie. Der Nationencup, in dem die Schweiz mit einer weiteren Medaille gerechnet hatten, fiel aus.
Im Gegensatz zu Bormio 2005 (Miller, Kostelic, Pärson) oder Are 2007 (Pärson und Svindal) gab es in Val d´Isère keinen Athleten und keine Athletin, die alles überstrahlte. Lindsey Vonn, die auszog, wie einst Lasse Kjus fünf Medaillen zu gewinnen, musste sich mit zwei Goldmedaillen «begnügen».
Mehr prominente Verlierer als Sieger
Val d´Isère kreierte mehr prominente Verlierer als Sieger. Bode Miller, Doppelweltmeister von 2003 und 2005 und Weltcup-Gesamtsieger des letzten Jahres, war nur noch ein Schatten seiner selbst. Ein 8. und 12. Rang in den Speed-Disziplinen und drei Ausfälle bildeten seine frustrierende WM-Bilanz.
Auch eine Renate Götschl (mit 46 Siegen die erfolgreichste noch aktive Frau) oder Hermann Maier (mit 53 Siegen das Pendant bei den Männern) gingen in der Anonymität unter. Mit der günstigen Nr. 1 in der Abfahrt verschoss Maier sogar einen Penalty. Lokal-Hero «J.B.» Grange, Frankreichs populärster Skifahrer seit Luc Alphand, ging ebenfalls leer aus.
Die Stimmung an der ersten WM in Frankreich seit 47 Jahren hielt sich im Rahmen, einzig im Männer-Slalom mit den einheimischen Top-Stars Jean-Baptiste Grange und Julien Lizeroux überbordete die Begeisterung. Im Vergleich zur sonst tristen Weltcup-Atmosphäre machte Val d´Isère indessen einen Quantensprung. Und noch ein Detail am Rande: Bei der letzten WM in Frankreich 1962 in Chamonix erlebten die Schweizer eine Nullnummer. Auch dieser dunkle Fleck in der Chronik wäre ausradiert.
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