Schweiz und Russland - eine Freundschaft mit Rissen
publiziert: Freitag, 11. Jul 2003 / 11:37 Uhr / aktualisiert: Freitag, 11. Jul 2003 / 11:55 Uhr

Bern/Moskau - Pascal Couchepin schüttelt Wladimir Putin in Moskau die Hand. Dass diese Szene eines Tages stattfindet, daran haben Russland-Kenner gezweifelt - zu zerrissen waren die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland in den letzten Jahren.

Ohne Borodin wäre Putin nicht dort, wo er heute ist.
Ohne Borodin wäre Putin nicht dort, wo er heute ist.
Als am 1. Juli 2001 eine Frachtmaschine und ein Passagierflugzeug aus der russischen Teilrepublik Baschkirien zusammenstiessen, waren in Schweizer Medien die Schuldigen schnell gefunden: Die russischen Maschinen sind schlecht gewartet, deren Technik veraltet und die Piloten sprechen kein Englisch.

Dies stiess den Russen sauer auf, wie Russland-Kenner Karl Eckstein erklärte. Der Schweizer ist Wirtschaftsjurist und lehrt unter anderem an der Diplomatenschmiede des Aussenministeriums in Moskau.

Misstrauen

Russische Medienschaffende stehen der Schweiz skeptisch gegenüber: Die erste Frage russischer Journalisten an Bundespräsident Couchepin war stets, wann die Hinterbliebenen entschädigt werden.

Auch der von der Schweiz, Deutschland und der Flugsicherung Skyguide geäufnete Hinterbliebenen-Fonds stösst auf Misstrauen, wie Diplomaten in Russland erklären. Der Grund: Die Höhe der Summe ist nicht bekannt.

Deshalb mutmassen die Russen, dass die Schweizer billig davonkommen wollen. Sie fragen sich, ob ein toter Russe weniger wert ist als beispielsweise ein toter Amerikaner.

Der Fonds dürfte aber den Weg für ein Treffen zwischen Präsident Putin und Couchepin geebnet haben. Kaum eine Woche nach dessen Bekanntgabe kam das Einverständis aus dem Kreml für den Schweizer Besuch. Zuvor hatten die Schweizer lange Zeit vergeblich angeklopft.

Affäre Borodin

Putin hat auch einen persönlichen Grund, der Schweiz gram zu sein: Ausgerechnet den als Ziehvater Putins geltenden Pawel Borodin liess sie 2001 in den USA verhaften und ausliefern.

Der ehemals mächtige Kreml-Finanzchef sass eine Woche in einem Genfer Gefängnis.

Erst als Russland 5 Millionen Franken Kaution löhnte, liessen die Genfer Borodin laufen.

Er war im Zuge der Mabetex/Mercata-Affäre und der Millionenkommissionen, die bei der Kreml-Renovation geflossen waren, ins Fadenkreuz der Ermittler geraten.

Schliesslich zog die Genfer Justiz einen Schlussstrich: Borodin wurde zu einer Busse von 300 000 Franken verurteilt, weil er 23 Millionen Dollar gewaschen hatte.

Schon kurz nach Borodins Verhaftung hatte Putin diesen entmachtet und ihm den untergeordneten Posten eines Staatsministers zugewiesen.

Alte Seilschaften

Es war aber Borodin gewesen, der 1996 Putin nach Moskau geholt und ihn zu seinem Stellvertreter gemacht hatte.

Ohne Borodin wäre Putin nicht da, wo er heute ist, sagt Eckstein. Die Schweiz habe mit dessen Verhaftung "viel Geschirr zerschlagen".

Für den Chef von Präsenz Schweiz und Mitglied der Russland-Delegation, Johannes Matyassy, spielen auch unterschiedliche Staatsauffassungen eine Rolle: Die Russen verstünden nicht, warum die Schweizer Regierung die Justiz nicht gestoppt habe.

Tatsächlich haben die Russen die Sache anders erledigt: Zwar ermittelte Genf 1998 wegen eines Rechtshilfegesuchs des russischen Generalstaatsanwalts Juri Skuratow. ¨

Dieser wurde aber 1999 noch von Putins Amtvorgänger Boris Jelzin entlassen. Im Januar 2001 - Putin war bereits ein Jahr Präsident - wurde in Russland der Fall eingestellt.

(Daniela Karst/sda)

 
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