Schweizer Ärzteschaft: «Onkel Doktor» trotzt Feminisierung
publiziert: Montag, 5. Jan 2009 / 10:02 Uhr

Bern - «Onkel Doktor» statt «Tante Doktorin»: Obwohl Frauen heute im Medizinstudium in der Mehrheit sind, gibt es nach wie vor mehr Ärzte als Ärztinnen. Teilzeitstellen und eine Aufteilung der Professuren würden eine Besserung bringen, sagen Forscherinnen.

Die Ärztinnen sind immer noch in der Minderheit.
Die Ärztinnen sind immer noch in der Minderheit.
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Es ist noch nicht allzu lange her, da fielen Ärztinnen wie der sprichwörtliche bunte Hund auf: Im Jahr 1960 war lediglich ein einziges Prozent der praktizierenden Schweizer Ärzteschaft Frauen.

Dabei hatte die Schweiz ursprünglich eine Pionierrolle inne gehabt: Die Universität Zürich war die erste Hochschule Europas, die Frauen zum Medizinstudium zuliess.

1874 erste «Frau Doktor»

Hier promovierte 1867 die Russin Nadeschda Suslowa als erste Frau an einer deutschsprachigen medizinischen Fakultät. 1874 doktorierte die aus Bözen AG stammende Marie Heim-Vögtlin in Zürich als erste Schweizerin in Medizin.

Die «feminisierte Medizin»

Seither hat sich einiges getan: Die Medizinstudentinnen übernahmen im Laufe der Jahrzehnte in den Fakultäten der Schweizer Universitäten die Vorherrschaft. Ihr Anteil stieg zwischen 1980 und 2006 von 30 auf 57 Prozent.

«Feminisierierung der Medizin» wird das im Fachjargon genannt und auch schon mal die Befürchtung geäussert, die Löhne und das Ansehen des Arztberufs könnten sinken, wenn mehr und mehr Frauen in der Medizin tätig sind.

Karriere machen die Männer

Karriere machen indes immer noch in erster Linie die Männer, halten dem Anita Riecher, Ordinaria für Psychiatrie und Psychotherapie in Basel, Regine Landmann, Titularprofessorin für Experimentelle Medizin in Basel, und Anne von Gunten, Doktorandin an der Pädagogischen Hochschule Bern, entgegen.

Die drei Forscherinnen analysierten für das November-Bulletin der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) die Situation der Ärztinnen.

Immer noch mehr Männer

Sie kommen zum Schluss, dass sich trotz der «Feminisierung» der Medizin immer noch Gräben auftun. Schon der Anteil berufstätiger Ärztinnen war 2007 mit 32 Prozent deutlich tiefer als der Prozentsatz der Studentinnen. Auch ist der Frauenanteil in den verschiedenen Disziplinen sehr unterschiedlich: So kamen die Kinderärztinnen zwar 2007 auf einen Anteil von 47 Prozent. In der «Königsdisziplin» Chirurgie waren es dagegen lediglich 9 Prozent Frauen.

Chefärztinnen eine Ausnahme

Auch Chefärztinnen und Medizindozentinnen sind klar in der Minderheit: Am Basler Universitätsspital etwa waren laut den Forscherinnen 2008 55 Prozent der Assistenzärzte weiblich, aber nur 38 Prozent der Oberärzte und 17 Prozent der Leitenden Ärzte.

Dasselbe Bild an der Medizinischen Fakultät der Universität Basel: Ende 2007 waren 16 Prozent aller Privatdozenten weiblich, 14 Prozent aller Titular- und Assistenzprofessoren, 10 Prozent aller Extraordinariate und 6 Prozent (2 von 35) aller Ordinariate.

Traditionelle Werte

Die Forscherinnen sehen darin einerseits ein Abbild vorherrschender gesellschaftlicher Werte. Verschiedene Untersuchungen hätten gezeigt, dass Medizinstudentinnen schon kurz vor Studienabschluss der Familie den Vorrang gäben. Männer liessen sich dagegen in ihrer Karriereplanung weniger behindern.

Andererseits orten die Autorinnen strukturelle Hindernisse für Medizinstudentinnen: Allem voran fehle es auf sämtlichen hierarchischen Ebenen an Teilzeitstellen - sowohl in der Klinik wie in der Forschung.

Professuren aufteilen

Daneben schlagen die Forscherinnen eine Aufteilung der Professuren an den Medizinischen Fakultäten vor: Grosse klinische Professuren sollen in klinische und Forschungs- respektive Lehrprofessuren aufgeteilt werden.

Jungen Medizinern, die wegen ihrer Familie nicht eine Professur nach altem Muster anstrebten, könne so ein Karriereweg geöffnet werden. Kinderkrippen in den Institutionen oder Gleichstellungskommissionen seien weitere Massnahmen, die ergriffen werden müssten.

(sl/sda)

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