Nach Triumph der Frauen
Schweizer Curler unter Druck
publiziert: Samstag, 2. Apr 2016 / 09:35 Uhr / aktualisiert: Samstag, 2. Apr 2016 / 12:00 Uhr
Nach dem Glanzautritt der Schweizer Curlerinnen, sind als nächstes die Schweizer Herren gefordert.
Nach dem Glanzautritt der Schweizer Curlerinnen, sind als nächstes die Schweizer Herren gefordert.

Die Schweizer Curler um Skip Sven Michel starten mit hohen Erwartungen und in einem starken Feld in die Weltmeisterschaft in Basel. Erster Gegner am Samstagnachmittag ist Deutschland.

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In dem um 14 Uhr beginnenden WM-Auftaktspiel gegen die Deutschen um Skip Alexander Baumann in der St. Jakobshalle sind die Curler des CC Adelboden favorisiert, im Lauf der Woche werden die Europameister von 2013 jedoch auf zahlreiche hochkarätige Widersacher treffen, die ihnen den Einzug in die Playoffs der besten vier Teams streitig machen werden.

Knapp eine Woche nach dem grandiosen WM-Triumph des Flimser Frauenteams von Skip Binia Feltscher in Kanada sind die Erwartungen an Sven Michels Crew für die Heim-WM nicht geringer geworden. Es wäre jedoch vermessen zu erwarten, dass die Männer ebenfalls den Titel holen.

Leadspieler Simon Gempeler - er ist der einzige echte Adelbodner im Team -, Skip Sven Michel sowie die auf diese Saison zur Crew gestossenen Emmentaler Brüder Enrico und Marc Pfister werden es zumindest besser machen müssen als das GC-Team um Skip Jan Hauser, das vor vier Jahren bei der Basler WM-Premiere nur den 9. Platz unter den 12 Teams belegte. 2012 war für das Schweizer Männercurling eine Übergangszeit. Starke und erfolgreiche Spieler wie Andreas Schwaller, Ralph Stöckli und Markus Eggler hatten ihre Karrieren beendet, valable neue Spieler und valable neue Teams standen Swiss Curling damals gerade noch nicht zur Verfügung.

Das änderte sich bald. Die untereinander etwa gleichwertigen Formationen aus Adelboden und Genf (die Junioren-Weltmeister 2010 um Skip Peter De Cruz) arbeiteten sich an die Spitze empor. Sie bewiesen ihre Tauglichkeit unter anderem mit zahlreichen ausgezeichneten Ergebnissen an den freien internationalen Turnieren in Europa und Kanada. An den grossen Titelkämpfen (WM und EM) haben unterdessen beide Teams Medaillen gewonnen; Adelboden als Europameister 2013, Genf als WM-Dritter 2014 und EM-Finalist im letzten November.

Die Rivalität zwischen Adelboden und Genf tritt jeweils am deutlichsten an den internen Schweizer Ausscheidungen hervor. Letzten Oktober gewann Genf gegen Adelboden die Schweizer EM-Qualifikation mit 4:0 Siegen. An der Schweizer Meisterschaft im Februar in Flims jedoch, als es um die Teilnahme an der WM in Basel ging, siegten die Berner Oberländer gegen die Romands ebenfalls in allen vier Spielen. Dem Niveau im Schweizer Männercurling ist die Rivalität allemal sehr zuträglich.

Alle Koryphäen in Basel

Wie immer an Weltmeisterschaften, die zur Qualifikation für die Olympischen Spiele zählen, entsenden alle Nationen ihre stärksten Teams. Nach Papierform ist in den Playoffs der besten vier Teams nur ein Platz frei. Drei Plätze scheinen reserviert zu sein: für die kanadischen Meister um Skip Kevin Koe, den Weltmeister von 2010, sowie die Teams aus Schweden (Niklas Edin, Weltmeister 2013 und vor einem Jahr) und Norwegen (Thomas Ulsrud, Weltmeister 2014). Noch schwerer wird die Aufgabe für die Schweizer durch das Mittun des schottischen Skips Tom Brewster, der vor vier Jahren mit einer komplett anderen Formation ebenfalls in Basel im WM-Final stand und den favorisierten Kanadiern um Glenn Howard erst nach einem Zusatz-End unterlag.

«Der erste Favorit ist für mich Kanada», sagt Sven Michel. «Aber fast gleichauf sehe ich Norwegen und Schweden. Man kann sagen, dass es die üblichen Verdächtigen sind, gegen die wir spielen müssen. Es wird für uns auf keinen Fall einfach werden. Und doch ist klar, dass wir in die Playoffs kommen wollen.»

Die Voraussetzung bedeutet, dass das Adelbodner Quartett nicht nur gegen die vermeintlich schwächeren Teams Siege einfahren, sondern auch den einen oder anderen Grossen besiegen muss. Michel hat schon einmal bewiesen, dass er den Favoriten Paroli bieten kann. Auf dem Weg zum EM-Triumph im Dezember 2013 besiegte er nebst anderen den zweimaligen Weltmeister David Murdoch aus Schottland und im Final mit 6:4 Thomas Ulsrud.

Dass es in Basel auch um Olympia-Punkte geht, versucht Skip Michel auszublenden. «Ich glaube, dass es nichts bringt oder sogar schaden kann, wenn wir uns darüber die ganze Woche den Kopf zerbrechen. Wir wollen einfach in jedem Spiel unsere beste Leistung abrufen.»

Medaille wäre schöner Erfolg

Für die Schweizer wäre der Gewinn einer Medaille jeglicher Farbe ein voller Erfolg. Bevor Peter De Cruz' Genfer Team 2014 Bronze holte, waren die Schweizer Curler elf Jahre lang auf keinem WM-Podest gestanden. Seine erste und bisher einzige WM als Skip beendete Michel 2013 in Victoria (CAN) im 7. Rang. Der letzte von drei WM-Titeln für das Schweizer Männercurling liegt sogar 24 Jahre zurück. Damals triumphierte Markus Eggler mit dem Team von Biel Touring in Garmisch.

Sven Michel baut seine Zuversicht für das WM-Turnier in Basel auf die sehr gute Vorbereitung seines Teams. «Ich glaube nicht, dass wir in der Vorbereitung etwas besser hätten machen können. Wir freuen uns besonders, weil es eine Heim-WM ist. Eine solche Gelegenheit bekommt man wohl nur einmal im Leben. Wir sind ungeduldig, bis es endlich losgeht.»

 

(kjc/Si)

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