Schweizer Fluglotsen kontrollierten Unglücksmaschinen
publiziert: Dienstag, 2. Jul 2002 / 10:01 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 2. Jul 2002 / 11:39 Uhr

Zürich - Die Schweizer Flugsicherung Skyguide hatte zum Zeitpunkt des Absturzes der beiden Flugzeuge über deutschem Gebiet offiziell die Kontrolle über die Maschinen. Das bestätigte ein Skyguide-Sprecher am Dienstag im Schweizer Radio.

Das Problem sei gewesen, dass eines der Flugzeuge einen automatischen Sinkbefehl erhalten habe. Dadurch hätten beide Flugzeuge einen Sinkflug eingeleitet, erklärte der Sprecher. "Der konnte von unserem Kontroller nicht mehr kontrolliert werden".

Skyguide hat im süddeutschen Raum seit rund 40 Jahren die Flugüberwachung von den deutschen Behörden übertragen bekommen.

Mehr als 70 Tote

Beim dem Zusammenstoss 13'000 Meter über dem nordwestlichen Bodenseeufer sind am Montag gegen 23.40 Uhr mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. In der russischen Tupolew, die mit einer Frachtmaschine vom Typ Boeing 757 des Paketdienstes DHL kollidierte, befanden sich nach russischen Angaben 57 Passagiere und zwölf Besatzungsmitglieder.

Unter ihnen waren 47 Kinder von Ministern und ranghohen Beamten der Teilrepublik Baschkirien (Südural), die an die Costa Dorada nach Spanien reisen wollten. Das teilten die betroffene Fluggesellschaft Bashkirian Airlines sowie Behörden mit. In der Boeing sassen zwei Menschen. Bisher wurden nach Angaben der Polizei 15 Tote geborgen.

Der Kapitän der Tupolew war nach den bisherigen Erkenntnissen von der zuständigen Schweizer Flugsicherung Skyguide zur Kursänderung aufgefordert worden, weil er auf gleicher Höhe flog wie die Frachtmaschine. Diese habe offenbar noch versucht, eine Kollision zu verhindern. Der Flugschreiber der Tupolew wurde inzwischen gefunden.

Wrackteile und Opfer beider Maschinen sind im Umkreis von 35 Kilometern verstreut. Am Boden seien keine Todesopfer zu beklagen, sagte der baden-württembergische Verkehrsminister Ulrich Müller.

Nach Angaben von Bashkirian Airlines war die 1995 gebaute Tupolew in technisch einwandfreiem Zustand aus Moskau gestartet. Der Pilot sei äusserst erfahren gewesen und habe seit zehn Jahren internationale Ziele angeflogen. Zunächst gab es keine Angaben, ob die Tupolew mit einem Anti-Kollisions-Radar ausgerüstet war.

(bb/sda)

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