Schweizer Frauen-Trio mit Aussenseiter-ChancenAm Sonntag tragen die Frauen ihr olympisches Strassenrennen im Zentrum Athens über 188,8 km aus. Nicole Brändli, Barbara Heeb und Priska Doppmann sollen für die Schweiz mit einer offensiven Fahrweise ein Spitzenergebnis erzielen.
(von Toni Nötzli, Athen/Si)

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Um Nicole Brändli ist es in dieser Saison eher ruhig geblieben.
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Sie kamen, sahen und fuhren vorne. Diesem abgewandelten Motto wollen die Athletinnen, die von Hans Traxel gecoacht werden, nachleben. Erst gestern Freitag sind die Schweizerinnen in die Olympia-Stadt angereist. «Es hätte uns nicht viel gebracht, früher einzutreffen und dann die Zeit totschlagen zu müssen. Letztes Jahr, als die Europameisterschaft auf der Strasse in Athen ausgetragen wurde, sind wir ebenfalls kurzfristig angereist, und es hat funktioniert», erklärt Traxel.
Und die Angewöhnung an die Hitze? Der Urner winkt ab: «Letzten Sonntag haben wir an einem Strassenrennen in Bochum teilgenommen. Da war es ebenfalls sehr warm.» Beste Schweizerin auf Platz 7 wurde dort Annette Beutler. Die Walliserin gilt als spurtstark. Doch ihr bestes Weltcup-Ergebnis -- 8. der Flandern-Rundfahrt -- erzielte sie im falschen Rennen. Es zählte nicht zu den fünf Wettkämpfen, in denen das für die Selektion massgebende Resultat verlangt wurde.
«Aber zuerst muss es zu einem Spurt kommen», meint Hans Traxel, der in dieser Hinsicht Priska Doppmann als stärkste Waffe seines Trios betrachtet. All seine drei Fahrerinnen könnten offensiv auftreten, und dies werde auf der Rundstrecke im Zentrum der griechischen Hauptstadt wohl gefragt sein. Doppmann wartete heuer mit einem beachtlichen Comeback auf, nachdem sie letzte Saison wegen der Erkrankung am Pfeiffer´schen Drüsenfieber lange Zeit hatte kürzer treten müssen.
Sowohl um Barbara Heeb, die Weltmeisterin von 1996 in Lugano, wie auch um Nicole Brändli ist es in dieser Saison eher ruhig geblieben. Die Zürcherin hat sich in diesem Frühjahr zurückgehalten und ihr Pflichtprogramm durchgezogen, das ihr den Gesamtsieg in der Gracia-Tour (Tsch) brachte. Im Giro wurde Brändli das Mannschaftszeitfahren hinauf nach Leukerbad zum Verhängnis, in dem ihre Equipe zu wenig stark besetzt war.
Ein Diplomrang und mit Glück sogar eine Medaille sollen für die drei Schweizerinnen im Bereich des Möglichen liegen. Aber die Holländerinnen mit der Titelverteidigerin Leontien Zijlaard-Van Moorsel und Mirjam Melchers, die Amerikanerinnen mit Deirdre Demet-Barry und Kristian Armstrong sowie die Vertreterinnen Litauens mit Edita Pucinskaite und Diana Ziliute sind mannschaftlich stark. Der Favoritenkreis ist mit Judith Arndt (De), die aktuelle Weltmeisterin Susanne Ljungskog (Sd), Oenone Wood (Au) Joane Somarriba (Sp), Anita Valen (No) und Zulfia Zabirowa (Russ) zu erweitern.
All die genannten Fahrerinnen weisen ein Alter zwischen 24 und 32 Jahren auf. Doch auf den Strassen der griechischen Kapitale könnte es zu einer Auseinandersetzung der Generationen kommen. Die Rede ist von der erst 21 Lenze zählenden Nicole Cooke (Gb) und der 46 Jahre alten Jeannie Longo-Ciprelli.
Für die mehrfache Nachwuchs-Weltmeisterin Cooke handelt es sich um die erste Teilnahme an Olympischen Sommerspielen. Longo hingegen verfügt über die Erfahrung von vier Spielen. Seit 1992 Barcelona hat die erfolgreichste Sportlerin Frankreichs noch immer eine Medaille nach Hause gebracht; 1996 in Atlanta gewann sie das Strassenrennen.
Angesprochen auf Athen, nahm Jeannie Longo wie immer kein Blatt vor den Mund. Die Französin konzentriert sich zwar völlig auf das Strassenrennen. Aber die Strecke gefällt ihr ganz und gar nicht: «Ich habe mich auf einen schweren Wettkampf eingestellt. Aber es wird schlimmer als das. Alle Gegnerinnen wollen an der Spitze fahren. Das wird eine Schlacht von drei Stunden Dauer geben.» Mindestens von ihrem Willen her zählt Jeannie Longo noch nicht zum alten Eisen. Das olympische Strassenrennen von Athen hat sie mit Intervalltrainings am Col du Glandon oder hinauf nach L´Alpe-d´Huez vorbereitet.
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