Umsiedlungen in Burkina Faso
Schweizer Hilfswerke fordern mehr Kontrollen bei Goldabbau
publiziert: Montag, 15. Feb 2016 / 11:57 Uhr
Burkina Faso erlebt seit zehn Jahren einen regelrechten Goldboom. (Archivbild)
Burkina Faso erlebt seit zehn Jahren einen regelrechten Goldboom. (Archivbild)

Bern - Für den Abbau von Gold sind in Burkina Faso ganze Dörfer umgesiedelt worden - mit teils schlimmen Folgen. Eine Mitverantwortung trägt nach Ansicht von Hilfswerken auch eine Schweizer Raffinerie. Denn ein Grossteil des Goldes wird in der Schweiz verarbeitet.

Das westafrikanische Burkina Faso erlebt seit zehn Jahren einen regelrechten Goldboom. Während multinationale Konzerne damit Kasse machen, leidet die lokale Bevölkerung teilweise darunter, wie eine am Montag veröffentlichte Studie der Schweizer Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer aufzeigt.

Die Studie nimmt den Goldabbau in drei staatlich lizenzierten Minen in Burkina Faso unter die Lupe. Das Fazit: Rund um die Minen ist es zu Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden gekommen. Die Hilfswerke prangern insbesondere die Umsiedlungen an.

Keine Wasserquelle mehr

Bei zwei der untersuchten Minen seien seit 2009 rund 14'000 Menschen umgesiedelt worden, damit Minenunternehmen Zugang zum goldhaltigen Land erhielten. Vielen der Umgesiedelten stünde nun bedeutend weniger fruchtbares Land zur Verfügung, und für die Tiere gebe es zu wenig gutes Weideland.

Durch die Umsiedlung hat sich laut der Studie auch die Wasserversorgung verschlechtert. Manche Dörfer hätten seit der Umsiedlung keine eigene Wasserquelle mehr. Nicht zuletzt sei den Menschen die Möglichkeit des Goldwaschens als Zusatzverdienst verloren gegangen.

Die Studie kommt daher zum Schluss, durch die Umsiedlungen seien die Menschenrechte auf Nahrung, Wasser und Arbeit verletzt worden. Auch gegen das Recht auf eine angemessene Unterkunft und auf Selbstbestimmung sei verstossen worden.

Schweizer Raffinerie am Pranger

Eine grosse Mitverantwortung für die Situation vor Ort hat nach Ansicht der beiden Hilfswerke die Schweizer Raffinerie Metalor im Kanton Neuenburg. Diese bezog von allen drei untersuchten Minen als alleinige Abnehmerin Gold - und tut dies teilweise immer noch.

Metalor hat den Vorwurf, Gold zur raffinieren, das mit Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang steht, allerdings zurückgewiesen, wie es in der Studie heisst. Metalor argumentiere, dass sie zur Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen nur mit registrierten und lizenzierten Minen zusammenarbeite.

Die Schweiz ist bei der Verarbeitung von Gold führend: Schweizer Goldraffinerien verarbeiten gemäss der Studie 70 Prozent des weltweit produzierten Goldes und sogar 90 Prozent des Goldes aus Burkina Faso.

90 Prozent kommt in die Schweiz

Brot für alle und Fastenopfer üben auch Kritik an der Schweizerischen Gesetzgebung. Diese sei zu lasch, da sie nur auf Selbstkontrolle und Eigenverantwortung der Raffinerien setze. Der Bund überlasse die Sorgfaltsprüfung den Unternehmen - und verzichte darauf, sie zu kontrollieren.

Die beiden Hilfswerke fordern daher strengere gesetzliche Vorschriften. Schweizer Firmen müssten verpflichtet werden, sorgfältig zu prüfen, welche Auswirkungen ihre Tätigkeiten und die Aktivitäten ihrer Zulieferer auf die Menschenrechte haben.

Brot für alle und Fastenopfer rührten in diesem Zusammenhang erneut die Werbetrommel für die Konzernverantwortungsinitiative. Diese will globale Konzerne einem zwingenden Regelwerk unterstellen, wenn es um die Durchsetzung von Menschenrechten geht.

(arc/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Gemeinnützige internationale Hilfsorganisation
Plan Interntional ist ein unabhängiges Hilfswerk, das sich weltweit für ...
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 16
Die Fluchtroute auf der Seestrecke zwischen Nordafrika ...
Erschreckende Zahlven von der UNO  Berlin - Bei Bootsunglücken im zentralen Mittelmeer sind in der zurückliegenden Woche nach UNO-Angaben wahrscheinlich mindestens 880 Flüchtlinge umgekommen - und damit weit mehr als ohnehin schon befürchtet. mehr lesen 
Dutzende Flüchtlinge vermisst Rom - Bei einem erneuten Bootsunglück im Mittelmeer sind dutzende Flüchtlinge ums Leben gekommen. Die italienische Marine ... 2
Die italienische Marine hat 130 Flüchtlinge gerettet.
Amnesty International berichtet  Kabul - Die Zahl der Binnenflüchtlinge hat sich wegen des Kriegs in Afghanistan in nur drei Jahren mehr als ... mehr lesen  
Afghanische Binnenflüchtlinge vegetierten unter «abscheulichen Bedingungen gerade so am Rande des Überlebens dahin». (Symbolbild)
Weltweit mussten im vergangenen Jahr rund 8,6 Millionen Menschen innerhalb des eigenen Landes fliehen. (Symbolbild)
Binnenflüchtlinge vor allem im Nahen Osten London - Fast 41 Millionen Menschen sind weltweit vor Krieg und Gewalt im eigenen Land auf der Flucht. Alleine im vergangenen ... 1
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 17°C 24°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 17°C 25°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
St. Gallen 15°C 23°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 18°C 24°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 18°C 24°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Genf 17°C 26°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen freundlich
Lugano 19°C 30°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten