Marktdruck pflügt Kirschen-Landschaft um - Foliendach kommt
Schweizer Kirschenernte auf dem Höhepunkt:
publiziert: Freitag, 7. Jul 2000 / 13:52 Uhr / aktualisiert: Freitag, 7. Jul 2000 / 14:30 Uhr

Basel - Die Schweizer Kirschenernte ist jetzt auf dem Höhepunkt. Neben den zu hohen Mengen setzt auch internationale Konkurrenz den Markt unter Druck. Die Kirschbaumlandschaft wird umgepflügt: Hochstämmer verschwinden, Niederstämmer werden überdacht.

Die Kirsche, früheste Schweizer Frucht im Jahr, wird auch immer grösser und fester: Der Markt verlangt nach robusten Kirschen, und die Züchter liefern neue Sorten. Seit Jahren werden so alte hochstämmige Kirschbäume vernachlässigt oder gleich gefällt und durch Niederstammplantagen ersetzt. Die sind einfacher zu lesen.
Verschärft hat sich nun das Problem, Temporärpersonal für die Hochstämmer-Kirschenernte zu finden, wie Hansruedi Wirz, Präsident der Baselbieter Obstproduzenten und des Brennerverbandes «Distiswiss», gegenüber der Nachrichtenagentur sda ausführte. Der unfallträchtige Job sei unbeliebt, und derzeit seien auch keine Asylbewerber mehr interessiert.

Flexibilität
Für Wirz ist daher klar: «Der Hochstämmer hat keine Chance mehr». Er selbst hat auf seinem Hof innert acht Jahren bereits 90 Prozent der Kirschbäume ersetzt. Hochstämmer tragen 40 Jahre gut- sind also eine Generationeninvestition -, brauchen aber zehn Jahre bis zum Ertrag. Niederstämmer tragen bereits nach vier Jahren Früchte.
Neuere grossfruchtige Niederstamm-Sorten (ab 25mm) werden als Klasse «Extra» auch teurer verkauft: Der Produzent erhält aktuell 4,75 Franken pro Kilo; der Ladenpreis lag vor einer Woche bei acht Franken. Gegen 80 Prozent der Schweizer Kirschen werden über Grossverteiler verkauft; auch die teuren Sorten laufen sehr gut. Wenn jedoch die Bauern, wie im Baselbiet begonnen wurde, die Baumreihen vor der Ernte kostspielig mit Plastikfolien abdecken, rentieren die «Extra»-Kirschen erst ab fünf Franken pro Kilo. Die Folien erlauben volles Ausreifen auch bei unsicherem Wetter, und die Erntemengen und -termine sind besser planbar. Die Rechnung geht aber erst bei Grossernten auf.

Beim Kirsch brennts
Kritischer ist die Lage im Brennsektor, wo ein kontinentaler Preiskampf tobt. Da rentierten selbst LKW-Transporte aus Polen, weiss Josef Brägger von der Solothurner Zentralstelle für Obst- und Gemüsebau. Dort seien Kirschen ab etwa 60 Rappen pro Kilo zu haben. Laut Wirz kosten deutsche Brennkirschen derzeit 75 Pfennig (65 Rappen).
Schweizer Bauern bekommen heute für Brennkirschen - die 50 bis 60 Prozent der ganzen Ernte ausmachen - 93 Rappen pro Kilo. Industriekirschen (ab 17mm) sind 1,90 Franken wert. Für normale Tafelkirschen (»Klasse 1», ab 22mm) erhalten die Produzenten 3,60 Franken pro Kilo; die Preise werden wochenweise festgelegt.
Bei den Brennkirschen werden daher dringend neue Sorten gesucht, die statt einzeln von Hand mit Schütteln geerntet werden können, am besten mit Maschinen. Bei rund 500 Schweizer Kirschensorten kennt man laut Peter Dürr von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Wädenswil erst zehn geeignete.

Sparen mit Schütteln
Schüttelkirschen müssen reif vom Stiel fallen und wetterfest sein. Wirz hat so an zwei Bäumen von Hand in einer Stunde - alleine- 100 Kilo geerntet; mit der Maschine bräuchte er nur zehn Minuten. Die Handlese ergibt bestenfalls zehn Kilo pro Person und Stunde. Heute macht die Handarbeit rund 70 Prozent der Produktionskosten aus.
Zudem können Schweizer Brenner seit der Alkohol-Liberalisierung mit ausländischen Billigbränden nicht mehr mithalten; Qualität ist gefragt. Doch getrunken wird laut Wirz - der selbst brennt - nur etwa 40 Prozent des Kirschs, weit über die Hälfte geht in die Industrie.
Am interessantesten für die Brenner sind Top-Destillate, die indes keine zehn Prozent des Schweizer Kirsches ausmachen: So geben Liebhaber für sortenreinen Top-Kirsch dreistellige Literpreise aus. Doch die Spezialitäten schmecken auch eher Spezialisten und bleiben wohl Nischenprodukt, dämpft Wirz die Hoffnung, damit Hochstämmer zu retten.

(sda)

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