Beginnen die nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Sapporo für die Schweizer Langläufer mit einem Knalleffekt? Generell bilden Diplomränge das Ziel.

Erste Medaille seit 20 Jahren?
Bei einer Weltmeisterschaft gelten allerdings etwas andere Gesetze. Für Eigenmann kommt erschwerend hinzu, dass dieser WM-Sprint in der klassischen Technik ausgetragen wird, die ihm etwas weniger zusagt. «Wenn alles passt, kann ich aufs Podest laufen», gibt sich der 27-Jährige selbstbewusst. Es würde sich um den ersten Podesplatz im Schweizer Langlauf bei einem internationalen Titelkampf seit Evi Kratzers Bronze über 5 km 1987 in Oberstdorf (De) und Andy Grünenfelders Bronze bei den Winterspielen 1988 in Calgary (Ka) im 50-km-Marathon handeln.
Auch die Distanz-Athleten haben seit dem Triumph von Toni Livers in Davos und den weiteren Glanzresultaten durch Remo Fischer (5.) und Curdin Perl (10.) an Selbstvertrauen gewonnen. In Sapporo dürfte allerdings die schon vor Saisonbeginn von der neuen Disziplinchefin Barbara Broger geäusserte Zielsetzung von Diplomrängen das Mass aller Dinge bilden.
Nie richtig auf Touren kamen in dieser Saison hingegen die Schweizer Langläuferinnen. Insbesondere die mühselige Staffel-Qualifikation offenbarte die beträchtliche Lücke hinter den beiden Teamleaderinnen Seraina Mischol und Laurence Rochat. Möglicherweise bildet Sapporo die Initialzündung für einen neuen Aufschwung.
Knatsch bei den Schweden
Der Import von norwegischem Knowhow hat sich in Schweden wenig segensreich ausgewirkt. Der als Berater beigezogene, frühere Spitzenathlet Thomas Alsgaard hat seine Tätigkeit Anfang Januar aufgegeben. Alsgaad wie auch die Mehrzahl der Atleten kritisieren die Arbeit und das Chaos von Cheftrainer Inge Braaten. Die Misstimmigkeiten führten gar dazu, dass die Gebrüder Fredriksson sowie Peter und Mats Larsson das Höhentrainingslager auf der Seiseralm verliessen, um sich alleine daheim auf Sapporo vorzubereiten.
Die Medaillenanwärter sind deshalb eher im Lager der Deutschen, Norweger und der Russen sowie bei Einzelkämpfern wie Vincent Vittoz (Fr), Christian Hoffmann (Ö) oder Martin Koukal (Tsch) zu suchen. Bei den Italienern ist der Olympia-Enthusiasmus gründlich verflogen. Dank seines Sprint-Sieges in Rybinsk (Russ) belegt Renato Pasini als bestklassierter Athlet von Coach Marco Albarello im Weltcup den 23. Platz. Von den Distanz-Athleten ist Olympiasieger Pietro Piller Cottrer auf Rang 33 zu finden.
Kuitunen will sie alle
Die unbestrittenen Weltcup-Leader Virpi Kuitunen hat sich für die WM ein Mammutprogramm vorgenommen. Sie will an allen sechs Wettkämpfen an den Start gehen und nach Möglichkeit jedesmal auf den Podest stehen. Dass dies der Finnin gelingt, ist nicht ausgeschlossen. Nachdem die Verfolgungsweltmeisterin von 2001 wenig erfolgreich in diesen Winter gestartet war, musste sie in zehn Weltcuprennen keine schlechtere Klassierung als einen 5. Platz in Kauf nehmen.
Auf dem Papier heisst die erste Herausforderin Kuitunens Marit Björgen. Die Norwegerin ist aber in dieser Saison nie an ihre Leistungen vergangener Winter herangekommen. Zudem war sie bisher bei Weltmeisterschaften wenig von Glück begünstigt. Eher ist damit zu rechnen, dass die Russinnen wie schon vor zwei Jahren aus dem Nichts gross auftrmpfen. Sie haben sich wie vor zwei Jahren in ein WM-Trainingslager in Armenien zurückgezogen. Vor und während Oberstdorf hielt sich danach das Gerücht, dass WADA-Dopingkontrolleure an der Grenze daran gehindert wurden, bis zu den Athletinnen vozustossen un ihre Arbeit zu verrichten.
(von Toni Nötzli/Si)
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