Schweizer Schwimmer mit schlechter Bilanz
publiziert: Sonntag, 2. Aug 2009 / 15:34 Uhr

Die 17-köpfige Delegation von Swiss Swimming hat an den Weltmeisterschaften in Rom das Ziel klar verfehlt. Der grösste Schweizer Trumpf, Flori Lang, verpasste am Samstag über 50 m Rücken den direkten Final-Einzug um zwei Hundertstel.

Flori Lang verpasste über 50 m Rücken den direkten Final-Einzug um zwei Hundertstel.
Flori Lang verpasste über 50 m Rücken den direkten Final-Einzug um zwei Hundertstel.
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Lang, der die Welttitelkämpfe auf seiner Paradestrecke zum zweiten Mal hintereinander als Neunter beendete, ärgerte sich in der Mixed Zone masslos: «Ich war so nah dran, das tut weh». Er habe unbedingt in den Final kommen wollen. Das Ausscheiden war umso bitterer, als der EM-Zweite mit seiner Vorlauf-Zeit von 24,75, womit er seinen Schweizer Rekord um neun Hundertstelsekunden verbessert hatte, den Sprung in die Top 8 geschafft hätte.

Doch im Halbfinal blieb der 26-jährige Zürcher mit 24,78 knapp über dieser Zeit -- mit 24,77 hätte er ein «Swim-Off» bestreiten können. «Ich verstehe nicht, warum ich langsamer war. Ich bin gut geschwommen, kann mir keinen kapitalen Fehler vorwerfen», erklärte Lang. Er sei gut vorbereitet und aggressiv gewesen, habe Freude gehabt. Einzig beim Anschlag, bei dem er einen Zug mehr machte, war er sich nicht sicher, ob er den richtigen Entscheid getroffen hatte.

Nur zwei Halbfinal-Qualifikationen

Neben Lang überstand in Rom aus dem Schweizer Team einzig Dominik Meichtry die Vorläufe. Der 24-jährige, im kalifornischen Berkeley lebende St. Galler erreichte über 200 m Crawl ebenfalls den 9. Rang, allerdings blieb er in 1:46,13 über seinem nationalen Rekord (1:45,80) -- mit diesem wäre er in den Final gekommen.

Obwohl es den Captains der Nationalmannschaft nicht zu den angestrebten Top-8-Klassierungen reichte, erfüllten sie mehr oder weniger die Erwartungen. Es darf nicht vergessen werden, dass bei beiden nach den Olympischen Spielen in Peking das Studium Priorität hatte. Zudem halfen ihnen die High-Tech-Anzüge als technisch starke und eher leichtere Schwimmer weniger als vielen anderen.

Mit zwei Halbfinal-Qualifikationen blieb die Schweizer Equipe deutlich unter der Zielsetzung von Swiss Swimming, die drei Top-8-Plätze lautete. «Es war allerdings ein ambitiöses Ziel», stellte Teammanager Lorenz Liechti klar. Insbesondere die Hoffnungsträger Patrizia Humplik und Martina van Berkel enttäuschten.

Humplik kam mit dem ihr selbst auferlegten Druck nicht klar und schöpfte sowohl über 100 (48.) als auch über 200 m Brust (32.) ihr Potenzial bei Weitem nicht aus -- in letzterer Disziplin hatte sie im vergangenen Dezember an den Kurzbahn-EM in Rijeka Bronze gewonnen.

Van Berkel startete zwar mit einer nationalen Bestleistung über 100 m Delfin (34.) gut in ihre erste WM, danach baute sie aber stark ab. Auf der Paradestrecke 200 m Delfin (25.) und über 200 m Rücken (34.) blieb sie jeweils deutlich über ihrer Bestleistung.

Somit konnte die 20-jährige Zürcher Unterländerin keineswegs an die starken Leistungen an den Schweizer Meisterschaften im März in Zürich-Oerlikon anknüpfen; damals hatte van Berkel in allen fünf Einzeldisziplinen, in denen sie gestartet war, einen nationalen Rekord aufgestellt.

Tiefe Bestzeiten-Quote

Wie van Berkel ging es auch vielen anderen Athleten von Swiss Swimming. Die Bestzeiten-Quoten der Schweizer betrug inklusive Staffeln knapp 32 Prozent -- damit lagen sie weit unter dem WM-Schnitt. Insgesamt wurden acht nationale Rekorde (drei in Staffel-Wettbewerben) und vier weitere persönliche Bestmarken realisiert. «Dass sich die meisten gegenüber dem Frühling nicht steigern konnten, ist der Hauptkritikpunkt», erklärte Liechti, «das ist enttäuschend.»

Das Ziel jedes Schwimmers müsse sein, in seiner Spezialdisziplin eine persönliche Bestleistung zu erzielen. Allerdings seien viele schon mit der Qualifikation für die WM zufrieden gewesen.

Positiv hervorzuheben von den Schweizer Einzelschwimmern sind Marina Ribi und David Karasek. Ribi schwamm über 200 und 400 m Lagen jeweils nationalen Rekord, Karasek verbesserte über 200 und 400 m Crawl seine Bestmarken. Zudem vermochte beide in den Staffel-Einsätzen zu überzeugen.

Ein zu grosses Team?

Da einige Schweizer in Rom masslos überfordert waren, stellt sich die Frage, ob mit 17 Athletinnen und Athleten nicht ein zu grosses Team selektioniert wurde, zumal der Weltverband FINA nur für acht die Kosten übernahm und das ausgegebene Geld sinnvoller hätte eingesetzt werden können.

Denn die Equipe war nur deshalb so gross, weil bei den WM-Limiten die neuen Anzüge nicht berücksichtigt worden waren. Dies verteidigte Liechti jedoch: «Wir haben richtig gehandelt, weil wir damals nicht wussten, was erlaubt ist.» Ansonsten hätten sie die Limiten angepasst. Er gab aber zu, dass sie im Nachhinein ein kleineres Team berücksichtigt hätten.

(Sascha Fey, Rom/Si)

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