Schweizer Skisport auf wackligen Beinen
publiziert: Samstag, 25. Nov 2006 / 08:34 Uhr / aktualisiert: Samstag, 25. Nov 2006 / 08:52 Uhr

Trotz einer Rücktrittswelle wie noch nie bleibt im alpinen Skisport (fast) alles beim alten.

Dieses Wochenende geht es im alpinen Skisport los.
Dieses Wochenende geht es im alpinen Skisport los.
Weitgehend die gleichen Nationen und die verbliebenen Stars werden den Ton angeben. Und der Schweizer Skisport steht weiterhin auf wackligen Beinen.

Nach den beiden Slaloms in Levi (Fi), die anstelle der abgesagten Gletscherrennen von Sölden (Ö) den vorgezogenen Weltcup-Auftakt bildeten, geht es am Wochenende in Übersee richtig los.

In Lake Louise (Ka) bestreiten die Speedfahrer eine Abfahrt und einen Super-G, und in der US-Nobelstation Aspen wird für die Frauen ein Slalom und ein Riesenslalom organisiert.

Viermal in der Schweiz

Die ersten Rennen in Europa finden traditionsgemäss Anfang Dezember in Val d´Isère (Fr) statt.

Viermal macht der Weltcup in der Schweiz Halt, am 9./10. Dezember in St. Moritz (Abfahrt und Superkombinatioin Frauen), am 6./7. und 12.-14. Januar in Adelboden (Slalom und Riesenslalom) und Wengen (Superkombination, Abfahrt und Slalom) sowie vom 14.-18. März auf der Lenzerheide, wo zum zweiten Mal nach 2005 das Finale ausgetragen wird.

Unterbrochen wird der Weltcup Anfang Februar für zwei Wochen durch die WM in Are (Sd).

Das Warten auf bessere Zeiten

Über 20 hochkarätige Fahrerinnen und Fahrer sind Ende des letzten Winters zurückgetreten. Lasse Kjus (No), Kristian Ghedina (It), Daron Rahlves (USA), Pepi Strobl (Ö), Michaela Dorfmeister (Ö), Martina Ertl, Hilde Gerg (beide De), Isolde Kostner (It), Carole Montillet (Fr), Kristina Koznick (USA) sowie Paul Accola, Sonja Nef und Marlies Oester von Swiss-Ski sind die wichtigsten.

Zusammen haben sie fast 200 Weltcupsiege und über 600 Podestplätze auf dem Konto. Das würde für fast drei Winter ausreichen.

Solche Generationenwechsel zogen meist eine Wachtablösung nach sich mit völlig veränderten Stärkeverhältnissen. So endete zu Beginn der Neunzigerjahre nach den Rücktritten von Erika Hess, Pirmin Zurbriggen, Peter, Maria Walliser, Michela Figini die Vorherrschaft der Schweizer, die ein Jahrzehnt lang den Nationencup in Serie gewonnen hatten.

Seither siegen nur noch die Österreicher und sind die Schweizer weiter von ihnen weg denn je: Im letzten Winter konnte das Frauen-Team sich wenigstens wieder vom 10. auf den 6. Platz verbessern, dagegen rutschten die Männer auf Platz 5 ab -- so schlecht waren sie noch nie. Das Warten auf bessere Zeiten wird andauern.

Über 1000 Tage ohne Sieg

Die drei Olympiamedaillen in Turin (Martina Schild, Bruno Kernen, Ambrosi Hoffmann) haben im letzten Winter vieles überdeckt, vor allem bei den Männern. Martin Rufener, seit zwei Jahren Cheftrainer, wartet immer noch auf den ersten Erfolg. Den letzten Schweizer Sieg errang Didier Cuche am 30. Januar 2004 in der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen. Über 1000 Tage sind seither vergangen.

Auf welchem Niveau sich die Schweizer Teams zurzeit befinden, illustriert die Qualifikation um den letzten Platz im Frauen-Riesenslalomteam. Fabienne Suter, das Jahrzehnt-Talent, das nach dreijähriger Pause wegen einer Knieverletzung auf Platz 900 der FIS-Liste zurückgefallen ist, verlor das Duell gegen Jessica Pünchera, die Nummer 161 der Welt.

Pünchera wird in Aspen ihren ersten Weltcup-Riesenslalom bestreiten wie auch Aïta Camastral, die sich von einer Diskushernie einigermassen erholt hat. Allzu hoch können die Erwartungen nicht sein. Die Akzente müssen Nadia Styger und Fränzi Aufdenblatten setzen, die wie die halbe Nationalmannschaft einen Markenwechsel vollzogen haben.

Hoffnung auf die Superkombination

Gleichwohl ist in diesem Winter gewisse Zuversicht erlaubt. In den Speed-Disziplinen, insbesondere bei den Männern, aber auch bei den Frauen, die eine Woche später nach Lake Louise kommen, haben Bruno Kernen, Ambrosi Hoffmann, Didier Défago, Silvan Zurbriggen, Martina Schild, Nadia Styger und Fränzi Aufdenblatten das Potential, regelmässig in die Spitzenränge zu fahren.

Vor allem basieren die Hoffnungen auf der neuen Disziplin Superkombination, die auf mehrere Schweizer (Défago, Zurbriggen, aber auch Daniel Albrecht und Marc Berthod) zugeschnitten sein müsste. Défago schien im letzten Winter mit seinem Sieg in Val d´Isère den Bann der Erfolgslosigkeit gebrochen zu haben, ehe er wegen einer zu hohen Bindungsplatte disqualifiziert wurde.

Die Kombination ist ohnehin die Disziplin der Schweizer schlechthin. In keiner Sparte waren sie erfolgreicher, ehe die Kombination in den Neunzigerjahren im Weltcup auf ein Nebengeleise geriet.

Dank der Einführung der Superkombination, einer Wertung mit einer Speed-Disziplin und einer technischen Disziplinen in einem Lauf (es muss nicht immer Abfahrt/Slalom sein) hat Swiss-Ski auf einmal gleich mehrere Anwärter auf Podestplätze. Vier Wettkämpfe plus die WM stehen im Kalender, dazu noch eine konventionelle Kombination (in Kitzbühel).

An den Olympischen Spielen verpassten Daniel Albrecht und Marc Berthod als 4. und 7. eine Medaille nur um sechs respektive und 55 Hundertstelsekunden. Beide haben jetzt Atomic an den Füssen und sollten von der Ausrüstung her (im Speedbereich) keine Handicaps mehr haben. Und auch keine Entschuldigungen mehr.

Statistiken:

Die bisherigen Weltcup-Gesamtsieger
Männer Frauen
1967 Jean-Claude Killy (Fr) Nancy Greene (Ka) 1968 Jean-Claude Killy (Fr) Nancy Greene (Ka) 1969 Karl Schranz (Ö) Gertrud Gabl (Ö) 1970 Karl Schranz (Ö) Michèle Jacot (Fr) 1971 Gustav Thöni (It) Annemarie Pröll (Ö) 1972 Gustav Thöni (It) Annemarie Pröll (Ö) 1973 Gustav Thöni (It) Annemarie Pröll (Ö) 1974 Piero Gros (It) Annemarie Moser-Pröll (Ö) 1975 Gustav Thöni (It) Annemarie Moser-Pröll (Ö) 1976 Ingemar Stenmark (Sd) Rosi Mittermaier (De) 1977 Ingemar Stenmark (Sd) LISE-MARIE MOREROD (Sz) 1978 Ingemar Stenmark (Sd) Hanni Wenzel (Lie) 1979 PETER LÜSCHER (Sz) Annemarie Moser-Pröll (Ö) 1980 Andreas Wenzel (Lie) Hanni Wenzel (Lie) 1981 Phil Mahre (USA) MARIE-THERES NADIG (Sz) 1982 Phil Mahre (USA) ERIKA HESS (Sz) 1983 Phil Mahre (USA) Tamara McKinney (USA) 1984 PIRMIN ZURBRIGGEN (Sz) ERIKA HESS (Sz) 1985 Marc Girardelli (Lux) MICHELA FIGINI (Sz) 1986 Marc Girardelli (Lux) MARIA WALLISER (Sz) 1987 PIRMIN ZURBRIGGEN (Sz) MARIA WALLISER (Sz) 1988 PIRMIN ZURBRIGGEN (Sz) MICHELA FIGINI (Sz) 1989 Marc Girardelli (Lux) VRENI SCHNEIDER (Sz) 1990 PIRMIN ZURBRIGGEN (Sz) Petra Kronberger (Ö) 1991 Marc Girardelli (Lux) Petra Kronberger (Ö) 1992 PAUL ACCOLA (Sz) Petra Kronberger (Ö) 1993 Marc Girardelli (Lux) Anita Wachter (Ö) 1994 Kjetil André Aamodt (No) VRENI SCHNEIDER (Sz) 1995 Alberto Tomba (It) VRENI SCHNEIDER (Sz) 1996 Lasse Kjus (No) Katja Seizinger (De) 1997 Luc Alphand (Fr) Pernilla Wiberg (Sd) 1998 Hermann Maier (Ö) Katja Seizinger (De) 1999 Lasse Kjus (No) Alexandra Meissnitzer (Ö) 2000 Hermann Maier (Ö) Renate Götschl (Ö) 2001 Hermann Maier (Ö) Janica Kostelic (Kro) 2002 Stephan Eberharter (Ö) Michaela Dorfmeister (Ö) 2003 Stephan Eberharter (Ö) Janica Kostelic (Kro) 2004 Hermann Maier (Ö) Anja Pärson (Sd) 2005 Bode Miller (USA) Anja Pärson (Sd) 2006 Benjamin Raich (Ö) Janica Kostelic (Kro)

Die bisherigen Nationencup-Gewinner
27 Mal: Österreich (1969, 1973 - 1980, 1982, 1990 - 2006) 8 Mal: Schweiz (1981, 1983 - 1989) 5 Mal: Frankreich (1967, 1968, 1970 - 1972)

Die meisten Weltcupsiege (1967 - 2006 + Levi)
Männer Alle Disziplinen: 1. Ingemar Stenmark (Sd) 86 Siege 2. Hermann Maier (Ö) 53 3. Alberto Tomba (It) 50 4. Marc Girardelli (Lux) 46 5. PIRMIN ZURBRIGGEN (Sz) 40 6. Stephan Eberharter (Ö) 29 7. Phil Mahre (USA) 27 8. Franz Klammer (Ö) 26 9. PETER MÜLLER (Sz) Gustav Thöni (It) und Benjamin Raich (Ö) je 24 12. MICHAEL VON GRÜNIGEN (Sz) 23 13. Kjetil André Aamodt (No) und Bode Miller (USA) je 21 15. Jean-Claude Killy (Fr) und Lasse Kjus (No) je 18 17. FRANZ HEINZER (Sz) 17

Abfahrt: 1. Klammer 25. 2. MÜLLER 19. 3. Eberharter 18. 4. HEINZER und Maier, je 15. 6. Kristian Ghedina (It) 12. 7. u.a.: ZURBRIGGEN 10. -- Super-G: 1. Maier 23. 2. ZURBRIGGEN 10. 3. Girardelli 9. 4. Markus Wasmeier (De), Günther Mader (Ö) und Eberharter, je 6. -- Riesenslalom: 1. Stenmark 46. 2. VON GRÜNIGEN 23. 3. Tomba 15. 4. Maier 14. 5. Thöni 11. 6. Miller und Raich, je 9. 8. u.a.: ZURBRIGGEN 7. -- Slalom: 1. Stenmark 40. 2. Tomba 35. 3. Girardelli 16. 4. Jean-Nöel Augert (Fr) 13. 5. Giorgio Rocca (It) und Raich, je 11.

Frauen Alle Disziplinen: 1. Annemarie Moser-Pröll (Ö) 62 Siege 2. VRENI SCHNEIDER (Sz) 55 3. Renate Götschl (Ö) 38 4. Katja Seizinger (De) 36 5. Anja Pärson (Sd) 34 6. Hanni Wenzel (Lie) 33 7. ERIKA HESS (Sz) 31 8. Janica Kostelic (Kro) 30 9. MICHELA FIGINI (Sz) 26 10. MARIA WALLISER (Sz) und Michaela Dorfmeister (Ö) je 25 12. LISE-MARIE MOREROD (Sz), MARIE-THERES NADIG (Sz) und Pernilla Wiberg (Sd) je 24 15. Carole Merle (Fr) 22

Abfahrt: 1. Moser-Pröll 36. 2. Götschl 20. 3. FIGINI 17. 4. Seizinger 16. 5. WALLISER 14. 6. NADIG 13. Ferner: 9. u.a.: DORIS DE AGOSTINI (Sz) 8. -- Super-G: 1. Seizinger 16. 2. Götschl 13. 3. Merle 12. 4. Dorfmeister 10. 5. Hile Gerg (De) 8. 6. Alexandra Meissnitzer (Ö) 7. -- Riesenslalom: 1. SCHNEIDER 20. 2. Moser-Pröll 16. 3. MOREROD und Anita Wachter (Ö), je 14. 5. SONJA NEF (Sz) und Deborah Compagnoni (It), je 13. -- Slalom: 1. SCHNEIDER 34. 2. HESS 21. 3. Kostelic 20. 4. Pärson 18. 5. Perrine Pelen (Fr) 15. 6. Wiberg 14. Ferner: 8. MOREROD 10.

Weltcup-Schlussklassemente der Saison 2005/06
Männer. Gesamtwertung: 1. Benjamin Raich (Ö) 1410 Punkte. 2. Aksel Lund Svindal (No) 1006. 3. Bode Miller (USA) 928. 4. Daron Rahlves (USA) 903. 5. Michael Walchhofer (Ö) 855. 6. Hermann Maier (Ö) 818. 7. Kalle Palander (Fi) 801. 8. Kjetil André Aamodt (No) 707. 9. Ted Ligety (USA) 636. 10. Marco Büchel (Lie) 626. Ferner: 15. DIDIER DÉFAGO (Sz) 543.

Abfahrt: 1. Walchhofer 522. 2. Fritz Strobl (Ö) 491. 3. Rahlves 444. -- Super-G: 1. Svindal 284. 2. Maier 282. 3. Rahlves 269. -- Riesenslalom: 1. Raich 481. 2. Massimiliano Blardone (It) 442. 3. Fredrik Nyberg (Sd) 414. -- Slalom: 1. Giorgio Rocca (It) 547. 2. Palander 495. 3. Raich 410.

Frauen. Gesamtwertung: 1. Janica Kostelic (Kro) 1970. 2. Anja Pärson (Sd) 1662. 3. Michaela Dorfmeister (Ö) 1364. 4. Nicole Hosp (Ö) 1112. 5. Lindsey Kildow (USA) 1067. 6. Marlies Schild (Ö) 961. 7. Kathrin Zettel (Ö) 872. 8. Julia Mancuso (USA) 755. 9. Alexandra Meissnitzer (Ö) 753. 10. Elisabeth Görgl (Ö) 602. 11. NADIA STYGER (Sz) 594.

Abfahrt: 1. Dorfmeister 498. 2. Kildow 410. 3. Götschl 315. -- Super-G: 1. Dorfmeister 626. 2. Meissnitzer 437. 3. STYGER 360. -- Riesenslalom: 1. Pärson 586. 2. Maria José Rienda Contreras (Sp) 537. 3. Kostelic 464. -- Slalom: 1. Kostelic 740. 2. Schild 550. 3. Pärson 485.

Nationenwertung: 1. Österreich 15 449 (Männer 7501+Frauen 7948). 2. USA 6541 (3339+3202). 3. Italien 4892 (3089+1803). 4. Schweden 4722 (1424+3298). 5. SCHWEIZ 3951 (2233+1718). 6. Kanada 3260 (1884+1376).

Die Siegerlisten der Saison 2005/06:
Nationen Männer Frauen
1. Österreich 30 1. Raich 7 1. Kostelic 9 2. Kroatien 2. Rocca 5 2. Pärson 8 Schweden 3. Maier 3. Dormeister USA je 9 Rahlves Rienda C. je 4 5. Italien 8 Walchhofer je 3 5. Kildow 6. Spanien 4 6. Miller Schild je 3 7. SCHWEIZ Palander 7. STYGER Finnland Svindal je 2 Hosp je 2 Norwegen je 2 10. Frankreich Liechtenstein Slowenien je 1

(Richard Hegglin/Si)

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