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Schweizer Team mit Rücken zur Wand
publiziert: Freitag, 10. Feb 2012 / 21:08 Uhr / aktualisiert: Freitag, 10. Feb 2012 / 22:42 Uhr

Die grosse Schweizer Davis-Cup-Party sollte in Freiburg lanciert werden. Nach dem ersten Tag und dem 0:2-Rückstand gegen die USA droht nun aber der grosse Kater.

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Roger FedererRoger Federer
Als Stanislas Wawrinka (ATP 28) gegen Mardy Fish (ATP 8) nach 2:1-Satzführung noch verloren hatte (2:6, 6:4, 6:4, 1:6, 7:9), hatten die Amerikaner eigentlich nur die Pflicht erfüllt. Wenig später setzte dann aber John Isner zur Kür an. Der Aufschlag-Gigant, der noch nie vorher ein zählendes Davis-Cup-Einzel gewonnen hatte, trumpfte gegen Roger Federer gross auf und sorgte mit einem 4:6, 6:3, 7:6, 6:2-Erfolg für den aus US-Sicht sicher nicht erwarteten zweiten Punkt.

Federers Niederlage gegen Isner muss fast mit dem Prädikat «sensationell» versehen werden. Die 206 Zentimeter lange Nummer 2 der USA servierte nicht nur wie gewohnt hervorragend, sondern retournierte ab Mitte des zweiten Satzes auch überragend. Die Bälle schienen auf dem Sandplatz, auf dem viele Bälle versprangen, für ihn immer genau auf die richtige Höhe zu kommen und Isner übte so enormen Druck aus.

Nachdem er auch das zweite Tiebreak in seiner Karriere gegen Federer gewonnen hatte (nach dem US Open 2007) und mit 2:1 Sätzen führte, hatte Federer bei 2:2 noch einmal drei Breakchancen. Bei der Sequenz Ass, Servicewinner, Ass (mit 229 Stundenkilometern nach aussen!) war er aber absolut chancenlos, wenig später schaffte Isner das Break zum 4:2 und spielte die Partie danach wie auf Wolke sieben zu Ende. Federers Enttäuschung war zumindest gegen aussen nicht riesig: «Es war ein guter Match von uns beiden», sagte Federer, «und ich hatte viele Chancen. Er hat seine Möglichkeiten aber besser genutzt und spielte sehr stark, als es wichtig war.» Für Federer war es nach 15 Davis-Cup-Einzelsiegen in Serie die erste Niederlage - und dies nach rund 101 Monaten. 2003 war er im Halbfinal in Australien an Lleyton Hewitt gescheitert.

Isner war natürlich hochzufrieden: «Das ist der bisher wichtigste Sieg meiner Karriere.» Er erhielt grosses Lob von Captain Jim Courier: «Ich habe wohl noch nie jemanden gesehen, der eine Partie gegen Roger Federer so beendet hat. Wenn John jeden Tag in seiner verbleibenden Karriere so spielt, wird er enorm stark.»

Fishs starke Schlussphase

Federer war Zeuge der letzten 28 Minuten bei Wawrinkas Niederlage. Der Baselbieter hatte nach fast vier Stunden der Partie seines Kumpels die Vorbereitung unterbrochen und war beim Stande von 6:5 für Wawrinka wieder an den Platzrand gekommen. Dort erlebte er aber, wie Fish einen ausgesprochen starken Schlussspurt hinlegte und seinem Team den «Pflichtpunkt» schenkte. Den Matchball zu seinem siebten Sieg im 14. Davis-Cup-Einzel verwertete er mit einem unerreichbaren Vorhand-Stopvolley. «Stan auf seinem stärksten Belag auswärts im Davis Cup zu schlagen, gibt mir enorm viel Selbstvertrauen», sagte Fish.

Der fünfte Satz, in dem beide Spieler gleichzeitig sehr gut spielten, hätte auf beide Seiten kippen können. Wawrinka muss aber vor allem der Phase vorher nachtrauern. Nach einem enttäuschenden Startsatz, als er die Schwächen Fishs wegen vieler Eigenfehler zu wenig zu testen vermochte, hatte er sich deutlich gesteigert. Mit einer 2:1-Satzführung im Rücken, hatte er im dritten Game erneut drei Breakbälle, um seinem Gegner einen vielleicht vorentscheidenden Nackenschlag zu versetzen. Als er diese aber nicht nutzen konnte, riss temporär der Faden und der einzige derzeitige Top-Ten-Spieler aus den USA konnte rasch ausgleichen. «Das war eine ganz wichtige Phase der Partie», befand Fish anschliessend, «nachher hat das Momentum gekehrt.» Wawrinka schloss sich der Analyse seines Widersachers teilweise an: «Es wäre sicher einfacher gewesen, wenn ich jenes Break geschafft hätte. Insgesamt muss man aber sagen, hatte ich zu viele Höhen und Tiefen und er hat den Sieg verdient. Obwohl Sand nicht seine bevorzugte Unterlage ist, hat er eine sehr gute Partie gezeigt.»

Für Wawrinka war dies erst die zweite Davis-Cup-Niederlage auf Sand, nachdem er im März 2010 David Ferrer unterlegen war. Die anderen fünf Partien hatte er auf der langsamsten Unterlage allesamt zu seinen Gunsten entschieden.

«50:50 für das Doppel»

Ausgeglichen präsentiert sich die Ausgangslage für das Doppel. Die Gastgeber präsentieren mit «Fedrinka» die Olympiasieger von Peking, jedes Team mit Mike Bryan, der Weltnummer 1 im Doppel, ist aber per definitionem gefährlich. Das sieht auch Wawrinka so, der wie viele Experten nicht erwartet, dass Ryan Harrison zum Einsatz kommt: «Persönlich denke ich, dass Mike Bryan mit Mardy oder John spielen wird, für uns ist aber letztlich egal, gegen wen wir spielen. Ich würde sagen, die Chancen liegen bei 50:50.»

Auch Federer ist noch weitdavon entfernt, die Flinte ins Korn zu werfen: «Sie sind im Doppel vielleicht leicht favorisiert, aber wir haben ja auch schon super zusammen gespielt. Ich hoffe, wir können uns in den Sonntag retten und dann weiterschauen.»

 

(fest/Si)

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