EM in Bern
Schweizer Turner greifen nach einer Team-Medaille
publiziert: Donnerstag, 26. Mai 2016 / 08:48 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 26. Mai 2016 / 10:57 Uhr
Pablo Brägger liebäugelt mit drei Final-Teilnahmen.
Pablo Brägger liebäugelt mit drei Final-Teilnahmen.

Am Donnerstag beginnen die Turn-Europameisterschaften der Männer in Bern. Die Chance auf die erste Team-Medaille der EM-Geschichte ist intakt.

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Pablo Brägger, Christian Baumann, Benjamin Gischard, Oliver Hegi und Eddy Yusof heisst das Quintett, auf dem die Hoffnungen der Schweizer Turn-Fans in den nächsten Tagen ruhen. Auch wenn sich alle fünf Chancen auf den Einzug in einen Gerätefinal am Sonntag machen dürfen, der Tenor ist klar: Das Team steht im Fokus. Noch nie in der EM-Geschichte waren die Aussichten auf eine Schweizer Team-Medaille so gross wie in Bern.

Sowohl an den Weltmeisterschaften in Nanning 2014 (Rang 7) als auch an den Titelkämpfen im Herbst in Glasgow, als die Schweizer mit Rang 6 die beste WM-Klassierung seit 46 Jahren schafften und sich erstmals seit 1992 wieder für die Olympischen Spiele qualifizierten, waren sie das drittbeste europäische Team. Im Schatten von Giulia Steingruber, der Überturnerin des STV, baute Nationaltrainer Bernhard Fluck ein Team auf, das in die europäischen Spitze aufstieg, dessen Zenit aber noch lange nicht erreicht ist. Captain Pablo Brägger ist mit 23 Jahren der Älteste im Aufgebot für Bern.

Bewährte Technik

Von einer Team-Medaille will Fluck aber explizit nicht sprechen, auch wenn er sagt: «Unsere Ambitionen sind gross und wir wissen, dass wir gut sind.» Er und Felix Stingelin, der Chef Spitzensport des STV, stapeln tief. Es ist eine Taktik, die sich zuletzt bewährt hat. Platz 5 in der Teamwertung sowie eine Medaille plus drei zusätzliche Finalplätze an den Geräten lautet die offizielle Zielsetzung des STV für die Titelkämpfe, die zum zweiten Mal nach 1975 in Bern stattfinden.

Hinter Russland und Grossbritannien, den Favoriten auf Gold, zeichnet sich im Team-Final mit der Schweiz, Deutschland, der Ukraine und Frankreich ein Vierkampf um Bronze ab. Als tückisch präsentiert sich der Modus. Sowohl in der Qualifikation am Donnerstag als auch im Final am Samstag wird im Format 5-3-3 geturnt. An jedem der sechs Geräte stehen pro Nation drei Athleten im Einsatz, alle drei Noten kommen in die Wertung. Wieviel Risiko verträgt es, ohne dass die Stabilität darunter leidet? Bereits ein Sturz kann die Medaillenträume platzen lassen.

Mehrere Trümpfe

Im Kampf um den Einzug in die einzelnen Gerätefinals der Top 8 vom Sonntag haben die Schweizer gleich mehrere Trümpfe in der Hand. Teamleader Pablo Brägger liebäugelt mit drei Final-Teilnahmen, am Reck gehört er zu den Titelanwärtern. Im letzten Jahr in Montpellier gewann er am Königsgerät die Qualifikation, ehe er im Final stürzte, worüber er sich mit einer Bronzemedaille am Boden hinwegtröstete. Den Schwierigkeitsgrad seiner spektakulären Flugshow hat der Ostschweizer noch einmal erhöht.

Oliver Hegi wurde am Reck vor zwei Jahren in Sofia EM-Vierter und erreichte in Glasgow den WM-Final. Auch am Pauschenpferd rechnet sich der Aargauer etwas aus. Und Christian Baumann ist zuzutrauen, dass er seinen Coup vom letzten Jahr am Barren, als er Silber holte, wiederholen kann. Zumindest auf eine Final-Teilnahme schielen Eddy Yusof und Benjamin Gischard, der trotz einer leichten Fussverletzung im Vorfeld der Titelkämpfe mit einem Exploit am Sprung liebäugelt.

Namhafte Absenzen

Mit dem Deutschen Fabian Hambüchen, dem Holländer Epke Zonderland und dem Briten Max Whitlock fehlen in Bern mehrere Stars der Szene. Der sechsfache Europameister Hambüchen kämpft mit Schulterproblemen, die ihn auch von einer Teilnahme am olympischen Testevent in Rio de Janeiro im April abgehalten haben. Reck-Olympiasieger Zonderland, aufgrund seiner spektakulären Flugelemente «Flying Dutchman» genannt, konzentriert sich auf die Olympischen Spiele.

(bg/Si)

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