Michel Morganella muss nach Hause reisen
Schweizer «Twitter»-Skandal
publiziert: Montag, 30. Jul 2012 / 23:00 Uhr
Michel Morganella konnte im Spiel gegen Südkorea kein Akzente setzen.
Michel Morganella konnte im Spiel gegen Südkorea kein Akzente setzen.

Nach dem 1:2 gegen Südkorea hat sich der Schweizer U23-Spieler Michel Morganella zu einem unentschuldbaren «Twitter-Foul» hinreissen lassen. In seiner Frustbotschaft verunglimpfte er die Asiaten aufs Gröbste und wurde von den Olympischen Spielen ausgeschlossen.

9 Meldungen im Zusammenhang
Wenige Stunden, nachdem «20minutes» die abszöne Botschaft des Palermo-Profis online grossflächig verbreitet hatte, entzog Swiss Olympic in Absprache mit dem Schweizer Fussball-Verband dem Fehlbaren die Akkreditierung. «Das Verhalten des Spielers tolerieren wir in keinster Weise. Er hat gegen Ethik-Code verstossen und die olympischen Werte verletzt», verurteilte SFV-Direktor Peter Knäbel die Aktion scharf.

In der Verteidigung ist der 23-jährige Schweizer Stammspieler rechts aussen positioniert - politisch offenbar auch. Sinngemäss äusserte er sich auf seinem inzwischen lahmgelegten Account «@morgastoss» in vulgärster Art und Weise mit dem Slang eines französischen Banlieue-Gangsters: «Ich könnte alle Südkoreaner verprügeln. Geht euch abfackeln, Bande von geistig Behinderten.»

Missions-Chef Gilli: «Es gab keinen Kompromiss»

Mit dem «Twitter-Fall Morganella» beschäftigten sich in London innert Kürze die obersten Schweizer Olympia-Instanzen. Der Missions-Chef Gian Gilli äusserte sich mit unmissverständlichen Worten zum Eklat: «Er hat als Mitglied des Schweizer Olympia-Teams das südkoreanische Volk beleidigt, diskriminiert und in seiner Würde verletzt. In diesem gravierenden Fall gab es keinen Kompromiss.»

Er habe Kontakt zu seinem südkoreanischen Amtskollegen aufgenommen, so Gilli an einer Konferenz am Londoner Hauptsitz der Olympia-Berichterstatter. Swiss Olympic und der SFV hätten sich für das miserable Verhalten von Morganella beim südkoreanischen Olympia-Komitee in aller Form entschuldigt, so Gilli.

Nach dem Unsinn des Tages schlug die Stunde der Diplomaten. Entsprechend zurückhaltend (oder eigentlich gar nicht) äusserte sich Coach Pierluigi Tami zwei Tage vor dem entscheidenden Spiel gegen Mexiko zur erheblich gestörten Vorbereitung: «Wir sind noch immer an den Olympischen Spielen. Ab sofort müssen wir uns auf den Sport konzentrieren. Zeitungen sollten die Spieler in den nächsten zwei Tagen wohl besser keine lesen.» Mehr durfte er offenbar nicht sagen.

Hochgradig peinliche Affäre

Um den Streich eines unbedarften U23-Internationalen handelt es sich im «Fall Morganella» wohl eher nicht. Auf den Umgang und die Wirkung der sogenannten «Social Media» hatte der SFV seine Spieler während des Trainingslagers in Magglingen explizit vorbereitet. «Sie sind öffentliche Personen und wissen das», betonte Knäbel in Cardiff mit Nachdruck; dem Verband waren die Risiken offenbar bewusst. «Jeder hat zudem das Ethik-Papier unterschrieben.»

Dass nun ausgerechnet Morganella sich ins Zentrum einer hochgradig peinlichen Affäre manövrierte, kommt aber womöglich nicht ganz von ungefähr. Der Mann mit der auffälligen Irokesen-Frisur gefällt sich in der Rolles des Extravaganten. Er stellte seine von Tattoos übersäten Arme bei jeder Gelegenheit dar und glaubte allen Ernstes, er sei im Spiel gegen Südkorea wegen seiner äusserlichen Merkmale ausgepfiffen worden - dabei enervierte sich das Publikum ausschliesslich seiner Spielweise wegen: In England werden Schauspieleinlagen auf dem Platz nirgends goutiert.

(fest/Si)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Ottmar Hitzfeld setzt für den Test gegen Griechenland am nächsten Mittwoch auf zwei Rückkehrer. Erstmals seit seinem ... mehr lesen
Pirmin Schwegler darf wieder das Schweizer Kreuz auf der Brust tragen.
Einen Orden für wahre Treue zum Vaterland

bekommt Steve Guerdat.
Olympische Sommerspiele Noch bevor sie ganz zu Ende sind, haben sie Sommerspiele in London Höhe- und Tiefpunkte, Tops und Flops gebracht. Wir ... mehr lesen
Das Olympia-Out der Schweizer U23-Auswahl ist kein sportliches Drama. Gegen Südkorea und Mexiko sind schon bedeutendere ... mehr lesen
Admir Mehmedi und die Schweizer Auswahl haben es verpasst, das eigene Image zu pflegen.
Ricardo Rodriguez und seine Kollegen sind gefordert.
Die Schweizer Fussball-Auswahl steht vor dem Ausscheiden. Im letzten Gruppenspiel heute Mittwoch um 18 Uhr gegen Mexiko ... mehr lesen
Die unappetitliche «Twitter»-Attacke von Michel Morganella gegen das südkoreanische Team umrundet den ... mehr lesen
Ottmar Hitzfeld hat keine Lust mehr auf Morganella.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Heikler Umgang mit sozialen Medien wie Twitter.
Olympische Sommerspiele Eine Festnahme in England, Beleidigungen in Südkorea: Rund um die Olympischen Spiele in London werden quer durch die ... mehr lesen
Einige Schweizer verloren nach dem 1:2 gegen Südkorea die Nerven und den Anstand. Die allgemeine Unzufriedenheit nahm ... mehr lesen
Captain und Torhüter Diego Benaglio nimmt seine Verantwortung wahr.
Trainer Pierluigi Tami steht mit dem Rücken zur Wand.
Olympische Sommerspiele Die Schweizer Fussball-Auswahl hat sich ins olympische Offside manövriert. Das Team steht kurz vor dem Out. Michel Morganella ... mehr lesen
Olympische Sommerspiele Nach zwei Spieltagen steht die Schweizer Olympia-Auswahl vor dem Out. Das 1:2 gegen Südkorea ist am Mittwoch nur noch ... mehr lesen
Der enttäuschte Admir Mehmedi nach dem Spiel am Boden.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 19
Tiffany Géroudet fährt als einzige Schweizer Fechterin nach Rio.
Tiffany Géroudet fährt als einzige Schweizer Fechterin nach Rio.
Nationale und internationale Leistungskriterien erfüllt  Swiss Olympic selektioniert die Fechterin Tiffany Géroudet sowie das Männer-Quartett mit Peer Borsky, Max Heinzer, Fabian Kauter und Benjamin Steffen für die Olympischen Spiele in Rio. mehr lesen 
Wegen Zika-Risiko  Über 50 Gesundheitsexperten empfehlen in einem offenen Brief die zeitliche oder ... mehr lesen
Eine halbe Million Besucher der Spiele könnten in Rio de Janeiro angesteckt werden.
Ausserdem zwei Kanuten  Die Schweizer Delegation für Olympia 2016 wird grösser. mehr lesen  
Andrea Salvisberg ist an Olympia mit von der Partie.
Titel Forum Teaser
  • kurol aus Wiesendangen 4
    Das Richtige tun Hatten wir schon, talentierte Spieler wechselten zu Bayern und ... Mi, 01.06.16 12:01
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Zu dumm nur, dass der Jorian zu 100% aus chemischen Verbindungen besteht, er warnt ... Fr, 22.01.16 21:16
  • Pacino aus Brittnau 731
    Weltweit . . . . . . wird Hanf konsumiert. Zum Genuss aber auch als Arzneimittel. ... Fr, 22.01.16 08:58
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    1 : 0 Daesh (IS) vs. Freie Restwelt Es läuft aber immer noch die erst Halbzeit. Verlängerung und ... Di, 17.11.15 22:26
  • Bogoljubow aus Zug 350
    Wenn die Russen flächendeckend gedopt haben, dann muss man die Ergebnisse sehr genau ... Fr, 13.11.15 10:53
  • jorian aus Dulliken 1754
    5'000'000 zu 0 für die Verschwörungstheoretiker! Was heute um 20:15 schönes kommt! http://www.3sat.de/programm/ ... Do, 22.10.15 19:21
  • jorian aus Dulliken 1754
    Der Fussballgott! Der Name dieses Gottes wird im Hörspiel nicht genannt, dennoch weiss ... Fr, 16.10.15 18:51
  • Koelbi aus Graz 1
    Wir freuen uns... ...auf den Test gegen den Lieblingsnachbarn am 17. November. ... Mo, 12.10.15 03:31
 
Stellenmarkt.ch
OFT GELESEN
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 10°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Basel 12°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
St. Gallen 11°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Bern 10°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Luzern 14°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Genf 10°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Lugano 14°C 23°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten