Schweizer Zeitungen erwarten Richtungswahl bei der SP
publiziert: Samstag, 20. Dez 2003 / 08:38 Uhr

Bern - Nach dem Rücktritt von Christiane Brunner erwarten die Schweizer Zeitungskommentatoren eine Richtungswahl bei der SP. Wer die Nachfolge Brunners antrete, müsse die SP als Gegengewicht zu Blocher im Bundesrat etablieren oder in die Opposition führen.

Wie weiter ohne Brunner?
Wie weiter ohne Brunner?
In jedem Fall gefragt seien breite Schultern, meint die Aargauer Zeitung, denn sowohl partei-intern als auch innenpolitisch stünden harte Auseinandersetzungen bevor. Der Blick mahnt, als Gegengewicht zu den Rechtsbürgerlichen brauche die SP keine Phantasten, die von der Revolution träumen.

Die Thurgauer Zeitung glaubt, dass der Brunner-Rücktritt der SP die Chance gibt zu einer programmatischen Modernisierung. Ein Neuanfang, wie ihn die SP und auch die CVP wagten, stehe übrigens der FDP noch bevor, stellt die Neue Luzerner Zeitung fest.

Als SP-Präsidentin habe sich Christiane Brunner zweifellos verdient gemacht, stellen die Zeitungskommentatoren unisono fest. Sie hat eine heillos zerstrittene Partei befriedet, schreibt die Berner Zeitung.

Hinter den Kulissen habe sie pragmatische Arbeit geleistet, anerkennt auch die Südostschweiz. Die Neue Zürcher Zeitung ergänzt, Brunner habe zum Beispiel das SP-Ja zur sicherheitspolitischen Öffnung erreicht und die SP-Kehrtwende beim Elektrizitätsmarktgesetz eingefädelt.

Nach aussen sei die Ikone der Frauen und Linken aber zu wenig präsent gewesen, um ihre Partei in eine so schwierige Legislatur zu führen, findet der Tages-Anzeiger. Im Wahlherbst 2003 habe sie zudem Matchbälle wie die Rezession, die Abzockerskandale und den Hitzesommer nicht verwertet, bemängelt die Berner Zeitung.

Im Parlament habe Brunner in der vergangenen Legislatur zudem nur einen namhaften Erfolg verbucht, stellt die Tribune de Genève fest: Die Wahl von Micheline Calmy-Rey in den Bundesrat. Nach der Niederlage vom 10. Dezember mit der Blocher-Wahl sei Brunners Abgang folgerichtig, findet 24 heures.

Kaum Prognosen wagen die Kommentatoren zur Brunner-Nachfolge am Parteitag vom 6. März. Vizepräsident Hans-Jürg Fehr präsentiere sich als Kandidat, der Kontinuität gewährleiste, doch stehe der Parteibasis womöglich der Sinn nach einem profilitieren Präsidenten mit besserem Mundwerk, mutmasst Le Temps.

(rr/sda)

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