Er bestreitet die darlegung der Anklage
Schweizer Zeuge bringt Lockerbie-Prozess ins Wanken
publiziert: Donnerstag, 4. Mai 2000 / 11:13 Uhr

Bern/London - Die Anwälte der zwei libyschen Angeklagten im Lockerbie-Prozess wollen beweisen, dass die Urheber des Anschlags aus palästinensischen Kreisen stammen. Der als Zeuge vorgeladene Chef der Zürcher Firma Mebo, Edwin Bollier, bestreitet ebenfalls die Version der Anklage.

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Wenn es nach der Anklage geht, hat ein Timer der Zürcher Firma Mebo die Sprengladung an Bord der Pan-Am-Maschine über Lockerbie gezündet. Bollier bezweifelt hingegen gegenüber der Nachrichtenagentur sda, dass das in den Trümmern von Lockerbie gefundene Stück eines Mebo-Timers aus einer Lieferung seiner Firma an Libyen stammt.

Fragment nicht aus Lieferung an Libyen
Zwar hatte Mebo 1985 und 1986 20 Timer-Platinen an die libysche Armee geliefert. Das angebliche Fragment eines von der Mebo produzierten elektronischen Teils habe er letzten Herbst erstmals anschauen dürfen, sagt Bollier.
Das fragliche Stück stamme aber nicht aus der Lieferung an Libyen, bekräftigte er. Bereits 1990 wurde Bollier vom FBI ein Foto von besagtem Fragment vorgelegt. Doch schon damals habe er gesehen, dass etwas nicht stimme. Mehrere Versuche, das Original zu prüfen sei ihm jedoch wiederholt verwehrt worden.
Erst 1999 habe er das Fragment der Leiterplatte erstmals direkt anschauen können. Laut Bollier stimmen die Masse der Platine nicht mit jenen von Mebo-Produkten überein. Das ihm vorgelegte Stück müsse deshalb gefälscht sein. «Im grössten Kriminalfall der Welt wird mit einem falschen Beweisstück gearbeitet», glaubt deshalb Bollier.

Sprengsatz an Aussenwand des Flugzeuges
Ebenfalls in Zweifel zieht Bollier die Platzierung des Sprengsatzes, wie dies in der Anklageschrift dargelegt wird. Nach seinen Angaben befand sich der Sprengsatz gar nicht im Gepäckcontainer der Unglücksmaschine.
Laut der Anklageschrift, die auf dem Untersuchungsbericht von britischen und US-Stellen basiert, befand sich der Sprengsatz in einem von den libyschen Agenten präparierten Radio, der eingewickelt in Kleider in einem Schalenkoffer verpackt war. Dieser in Malta aufgebene Koffer wiederum lag im Metallcontainer mit der Bezeichnung «AVE 40/41» im Frachtraum, der durch eine Fiberglasschicht von der Aussenwand der Maschine getrennt ist.
Es sei unmöglich, dass der Semtex-Sprengsatz zuerst mehrere Schichten von Metall und Fiberglas durchschlagen habe, bevor er ein Loch in die Aussenwand des Flugzeuges riss, mutmasst Bollier. Das Loch in der Aussenwand des Jumbos soll etwa die Grösse eines Serviertablettes gehabt haben.

Zu viele Schichten
Alle diese Barrieren, die Luftschichten dazwischen sowie die Distanz zur Aussenwand lassen gemäss Mebo-Chef Zweifel an der Theorie der Anklage aufkommen. Bollier ist deshalb überzeugt, dass der Sprengsatz direkt an der Aussenwand platziert wurde.
Falls Bolliers Ausführungen zutreffen, dürfte es Zweifel an einer libyschen Urheberschaft am Anschlag vom 21. Dezember 1988 geben. Bei dem Absturz waren insgesamt 270 Menschen getötet worden.
Bollier wird vom gleichen Anwalt-Team betreut wie die libyschen Angeklagten. Diese Anwälte behaupteten zum Prozessauftakt, die Volksfront für die Befreiung Palästinas-Generalkommando (FPLP) von Achmad Dschibril stehe hinter dem Anschlag.
Auftraggeber könnte dann Iran sein, aus Rache für den Abschuss eines Airbus durch das US-Kriegsschiff «Vincennes» über dem Persischen Golf. Zu diesen Spekulationen wollte sich Bollier nicht äussern.

(klei/sda)

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