Schweizer gewinnen Spass-Nobelpreis
publiziert: Sonntag, 4. Okt 2009 / 09:07 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 4. Okt 2009 / 10:02 Uhr

Cambridge/Bern - Die seltsamsten Forschungsarbeiten der Welt wurden am Donnerstag an der Universität Harvard zum bisher 19. Mal mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet. Der Ig-Preis, der für «ignoble», zu deutsch «schmachvoll» steht, folgt dem Motto «erst zum Lachen, dann zum Denken bringen».

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Improbable Research

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In einer penibel inszenierten Zeremonie mit 1000 Besuchern hielt Benoit Mandelbrot, Pionier der fraktalen Geometrie, eine 60-Sekunden-Rede über die Risiken der Finanzmärkte, ehe echte Nobelpreisträger die Ig-Preise in zehn Kategorien überreichten.

Ausgewählt hatte man wie immer Forschungen, die in den wissenschaftlichen Publikationen des vergangenen Jahres als besonders unüblich oder unnütz aufgefallen waren.

Büstenhalter als Atemmaske

So ging der Physikerpreis etwa in die USA für die Erkenntnis, warum schwangere Frauen nicht umkippen. Eine US-Ärztin, die früher evakuierte Kinder nach dem Tschernobyl-Unglück behandelt hatte, wurde für die Entwicklung eines Büstenhaltes mit dem Preis für Gesundheitswesen ausgezeichnet. Die Erfindung kann im Notfall zu zwei Atemmasken umgebaut werden.

Als bester Ig-Chemiker darf sich der mexikanische Erfinder einer Diamantherstellung aus Tequila bezeichnen. Geehrt wurden auch die britischen Entdecker des Vorteils der Namensgebung von Kühen, denn ihren Erhebungen zufolge geben Kühe mit Namen jährlich um 250 Liter mehr Milch.

Der Medizinpreis ging an den Forscher, der in 60 Jahren Selbstversuch bewiesen hatte, dass Knöchelknacken keine Arthrose verursacht.

Das isländische Bankensystem wurde honoriert für den Nachweis, dass sich kleine Banken schnell in grosse verwandeln können und umgekehrt. Dem Direktor der Nationalbank Zimbabwes hielt man mathematische Verdienste zugute, da sein Land gleichzeitig Banknoten von einem Cent bis zu Hundert Billionen Dollar drucke, was der Bevölkerung hohe Fähigkeiten im Umgang mit Zahlen verleihe.

Friedenspreis für Berner Rechtsmediziner

Der Friedenspreis ging schliesslich an das Team um Stephan Bolliger vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern. Die Forensiker konnten zeigen, dass eine Halbliterflasche Bier ein stumpfes Schädeltrauma hervorrufen kann. «Sowohl volle als auch leere Bierflaschen können schwere Verletzungen bis hin zum Schädelbruch verursachen. Allerdings detoniert die volle Flasche schneller, was die leere noch gefährlicher macht», berichtet Michael Thali, Direktor des Instituts, im Interview.

Die Ausgangsfrage dieser Forschung sei im Gerichtssaal aufgetaucht, woraufhin die sachverständigen Forscher eine physikalische Überprüfung vornahmen. «Dies war wissenschaftlicher Ernst statt Jux der Forscher, zudem wurde die Studie in einem anerkannten Fachjournal publiziert und zuvor durch die Qualitätssicherung des Peer-reviews begutachtet.» Sonderlich gross sei der Beitrag der Ergebnisse zum Weltfrieden allerdings nicht, vermutet der Institutsleiter.

Kopfzerbrechen bereitete Thali bei Bekanntgabe der Auszeichnung die Frage, wie man als anerkanntes Universitätsinstitut mit ihr umgehen solle. «Ein echter Nobelpreis wäre uns zwar sicher lieber gewesen und einige werden über die Vergabe lachen, doch können wir uns keinen Vorwurf fehlender Korrektheit machen. Wir entschieden uns daher, die Studienautoren doch zur Zeremonie zu schicken.»

Wissenschaft werde oft ernst dargestellt, könne jedoch auch lustig sein, sobald man sie mit einer anderen Brille sehe. Der ulkige Beigeschmack des Preises gehe einerseits auf die damit verbundene Zeremonie, bei der echte Nobelpreisträger anwesend sind, zurück, sowie auf die verkürzte Darstellung der Forschungen in den Medien. «Die Forschungen werden stets aus dem Zusammenhang gerissen, was sie ins Lächerliche zieht.»

(bert/pte)

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