Schweizer spielen weissrussisches Roulette
publiziert: Samstag, 16. Jun 2007 / 16:26 Uhr

Ein 24:33-Debakel der Schweizer Handballer im Hinspiel des EM-Playoff in Weissrussland hatte kein Experte prognostiziert. Verschwindend klein ist nun die Gruppe, die dem SHV-Team am Sonntag in Sursee einen Sieg mit zehn Toren Differenz zutraut.

Wer glaubt noch an eine Wende gegen Weissrussland?
Wer glaubt noch an eine Wende gegen Weissrussland?
Genau genommen glauben nur noch die Schweizer Nationalmannschaft selber und ihr Trainerstab an die Wende - etwas überspitzt formuliert von Amtes wegen.

«Auf uns wettet doch keiner mehr einen Blumentopf», sagte Captain Iwan Ursic.

Die Teilnahme an der EM 2008 in Norwegen haben die Schweizer am vergangenen Samstag mit dem schwächsten Auftritt seit dem Debüt von Nationalcoach Dragan Djukic zu mindestens 85 Prozent verspielt.

Alles Möglich?

Es war rührend, wie der OK-Präsident der Partie beim offiziellen Medientermin den zwei anwesenden Spielern Ursic und Pascal Stauber Mut zusprach. Vor vollen Rängen und motivierten Zuschauern sei an einem speziellen Tag alles möglich. Die gut getimte Reklame fürs Rückspiel war nötig: Erst 2000 Tickets sind verkauft. Um die Halle zu füllen, müssen die Organisatoren weitere 500 Plätze absetzen.

Selbst der Vertreter von SF richtete einen persönlichen Appell ans Team. Die Liveübertragung sei ein wichtiges Schaufenster für die (Rand-)Sportart - oder, je nach Optik, auch die Bühne der Demaskierung. Intern kreierten die Schweizer den Leitsatz «Go for ten». Sollten sie im zweiten Duell mit Weissrussland nicht mit einem Vorsprung von zehn Treffern siegen, scheiden die Schweizer höchstwahrscheinlich aus. Eine 9er-Differenz genügt nur, wenn sie weniger als 24 Gegentore zulassen.

Mehr Mut gefordert

Die Ausgangslage ist klar. Das haben auch die Schweizer in ihrem Berufsoptimismus realisiert. Weshalb sie sich in eine solch ungemütliche Lage manövriert haben, ist aus der Analyse der Coaches mittlerweile ebenfalls hervorgegangen.

Assistent Marc Baumgartner fasste die wesentlichsten Defizite zusammen: «Wir haben in den gesamten 60 Minuten nur zwei Gegenstosstore geschossen. Von der gesunden Härte der Weissrussen liessen wir uns den Schneid abkaufen. Wir mussten ständig aus dem 6:6 kommen, und sie bestraften uns. Ausser Iwan (Ursic) zeigte keiner der Ausland-Profis eine normale Leistung.» Der Rekordtorschütze wünscht sich am Wochenende überdies eine wesentlich mutigere Darbietung.

Zwei Halbzeiten bleiben den Spielern von Djukic nun, um das wahre Gesicht zu zeigen. «Wenn ich das Spiel vom letzten Wochenende mit den anderen der letzten zwölf Monate vergleiche, könnte man fast meinen, es hätten zwei verschiedene Teams gespielt.» Ursics ehrlicher Rückblick auf das missratene Gastspiel im ungeliebten Osten deckt die Mängel schonungslos auf. In Brest war vom Tempohandball, der den Schweizern wesentlich besser liegt als langatmige Angriffszüge ohne Rückraum-Power, nichts zu spüren. Ob vor allem die Tagesform fehlte oder die Taktik und die Klasse der Weissrussen ausschlaggebend waren, wird sich nun endgültig weisen.

Schnelles Spiel und sichere Defensive

Wollen die Schweizer den selbstsicheren Kontrahenten noch vom EM-Kurs abbringen, ist eine detailgenaue Umsetzung der taktischen Vorgaben unabdingbar. Die Schwerarbeit ist in der Defensive zu verrichten. Zwei Drittel der Energie wird Djukics Equipe in das Spiel in der eigenen Zone investieren müssen. «20 Minuten sind wir im Angriff», skizzierte Baumgartner den Plan in der Theorie. Die Wende sei nicht schnell, aber nur mit schnellem Spiel zu schaffen, so die Beteiligten unisono.

Ein weissrussischer Journalist übermittelte Djukic den Fakt, dass in der EM-Qualifikation seit 1999 nie mehr ein Heimteam mit neun Toren Vorsprung gewonnen habe. Der Serbe beanwortete den statistischen Hinweis mit einem Lächeln: «Dann ist es an der Zeit, das zu ändern. Wir haben es in der Hand und speziell im Kopf. Das Herz allein genügt nicht. Wir müssen neben heissen Herzen vor allem kühle Köpfe haben. Die Konzentration ist entscheidend.»

(von Sven Schoch, Nottwil/Si)

 
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