Trotz sicherem Geleit
Schweizer verweigert Aussage im NSU-Prozess
publiziert: Donnerstag, 13. Nov 2014 / 12:55 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 13. Nov 2014 / 17:18 Uhr
Der Mann wird wohl nicht vor Gericht erscheinen. (Symbolbild)
Der Mann wird wohl nicht vor Gericht erscheinen. (Symbolbild)

München - Einer der mutmasslichen Waffenbeschaffer des «Nationalsozialistischen Untergrunds» hat erneut seine Vernehmung als Zeuge im NSU-Prozess gegen mutmassliche deutsche Rechtsterroristen abgesagt.

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Der Schweizer Staatsbürger soll die Mordwaffe vom Typ «Ceska» in der Schweiz gekauft und über Mittelsmänner in die Szene um den NSU in Jena im ostdeutschen Bundesland Thüringen geschmuggelt haben. Mit der Pistole waren neun der zehn Mordopfer erschossen worden.

Der Vorsitzende Richter am Münchner Oberlandesgericht Manfred Götzl sagte, er habe dem Mann sicheres Geleit und einen Rechtsanwalt als Zeugenbeistand zugesagt. Diese Bedingungen hatte der Schweizer gestellt. Dennoch sei jetzt seine Absage eingetroffen.

Waffenerwerbsscheine verkauft

Ein möglicher Mithelfer belastete den Mann jedoch. Das Oberlandesgericht verlas am Donnerstag ein Protokoll der Vernehmung des mutmasslichen Mithelfers durch einen Schweizer Staatsanwalt. Danach gab er zu, einem Freund 1996 zwei Waffenerwerbsscheine für mehrere hundert Franken verkauft zu haben. Er sei an Krebs erkrankt und habe dringend Geld gebraucht.

Was mit den Papieren passiert sei, habe er erst zehn Jahre später erfahren, als Polizisten vor seiner Tür standen. Sein Freund soll die Scheine für den Kauf der «Ceska» und weiterer Waffen verwendet haben. Der Freund habe ihm später erzählt, er habe die Pistole in Deutschland «für ein Bündel Bargeld» verkauft.

Ehemalige Lebensgefährtin sagt aus

Als Zeugin sagte auch die ehemalige Lebensgefährtin des Schweizers aus Apolda in Thüringen aus, wo der Mann Anfang der 1990er Jahre gelebt hatte. Auf den ersten Blick habe er sehr vertrauenerweckend gewirkt. Sein Schweizer Akzent sei im deutschen Osten «gross angekommen», schilderte die Frau.

Sie habe ihm geholfen, Autos aus der Schweiz in Thüringen zu verkaufen. Sie selbst habe eine Werbeagentur aufgebaut. Der Mann sei dann aber mit ihrer Angestellten in die Schweiz durchgebrannt. Er habe ihr Vertrauen missbraucht, sagte die Zeugin. Über seine Kontakte zur rechtsextremen Szene wisse sie nichts.

Rassistisch motivierte Morde

Der NSU hat nach Überzeugung der deutschen Bundesanwaltschaft zehn überwiegend rassistisch motivierte Morde, zwei Sprengstoffanschläge und rund 15 Raubüberfälle verübt. Der NSU bestand laut Bundesanwaltschaft nur aus drei Personen. Als einzige Überlebende steht Beate Zschäpe in München als Hauptangeklagte vor Gericht.

(bg/sda)

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