Schwerste Vorwürfe gegen Suter und Dosé
publiziert: Sonntag, 27. Apr 2008 / 17:53 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 27. Apr 2008 / 20:02 Uhr

Bern - Die Bundesanwaltschaft (BA) erhebt gegen Moritz Suter und André Dosé schwerste Vorwürfe wegen dem Absturz der Crossair-Maschine von 2001 in Bassersdorf ZH. Sie hätten auf Kosten der Flugsicherheit eine «Angstkultur» geprägt oder mitgetragen.

Moritz Suter soll die Firmenpolitik in Form einer «Angstkultur» geprägt und eine diktatorische Hirarchie eingeführt haben.
Moritz Suter soll die Firmenpolitik in Form einer «Angstkultur» geprägt und eine diktatorische Hirarchie eingeführt haben.
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Am 5. Mai beginnt in Bellinzona vor dem Bundesstrafgericht der Prozess im Zusammenhang mit dem Unglück des Crossair-Jumbolinos vom 24. November 2001 in Bassersdorf. Beim Absturz im Landeanflug auf den Flughafen Kloten waren 24 Menschen getötet und neun weitere zum Teil schwer verletzt worden.

Widerspruch unterbunden

Das Büro für Flugunfalluntersuchungen kam später zum Schluss, dass der Unfall zur Hauptsache auf Fehler des Piloten zurückzuführen sei. Die BA lastet insgesamt sechs Angeklagten fahrlässige Tötung und fahrlässige schwere Köperverletzung an.

In der nun veröffentlichten Anklageschrift der BA werden die schwersten Vorwürfe gegen Crossair-Gründer Moritz Suter erhoben. Er soll die Firmenpolitik in Form einer «Angstkultur» geprägt und eine diktatorische Hirarchie eingeführt haben, die jeden Widerspruch ihm gegenüber unterbunden habe.

Gefährdung der Sicherheit in Kauf genommen

Unter Inkaufnahme der Gefährdung der Flugsicherheit habe er eine aggressive Expansionspolitik gefordert. Von Piloten habe er wirtschaftliches Fliegen unter bewusster Abweichungen von vorgeschriebenen Verfahren verlangt und dies mit ausserordentlichen Beförderungen honoriert.

Weiter habe er sich damit gebrüstet, dass Crossair-Piloten vor allem drei Eigenschaften haben müssten: Lügen, Behaupten und Abstreiten. Piloten, die sich auf die Vorschriften gestützt und einen Fehlerrapport verfasst hätten, soll er laut Anklage die Entlassung angedroht haben.

Keine Lehren gezogen

In Bezug auf den Unglückspiloten habe Moritz Suter verhindert, dass dessen individuellen fliegerischen Unzulänglichkeiten erkannt und korrigiert worden seien. Dem späteren CEO André Dosé wird von der BA vorgeworfen, die von seinem Vorgänger Suter geprägte Angstkultur auf Kosten der Flugsicherheit mitgetragen zu haben.

Er habe es insbesondere nach dem Unfall von Nassenwil ZH unterlassen, die ihm und der gesamten Geschäftsleitung bekannten Mängel zu beheben und Sicherheitsempfehlungen oder Korrekturmassnahmen umzusetzen. Regelverstösse habe er weiterhin gefördert und toleriert.

Sicherheitsmechanismen vernachlässigt

Die fliegerischen Mängel des Unglückspiloten habe Dosé gekannt und es unterlassen, ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Er habe seine Lizenzierung nicht verhindert und alle in das System der Pilotenauslese, -ausbildung und -nachbildung eingebauten Sicherheitsmechanismen vernachlässigt.

Weiter angeklagt sind der Gesamtverantwortliche für den Flugbetrieb und die Personalplanung, ein früherer Chefpilot und Flottenchef, der Chef-Fluglehrer und der Flottenchef der Jumbolinos. Auch ihnen wird angelastet, dass sie das Unglück hätten voraussehen können und müssen. Der Prozess in Bellinzona ist auf zwei Wochen angesetzt.

(fest/sda)

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