Schwierige Integration psychisch Kranker
publiziert: Donnerstag, 16. Nov 2006 / 14:33 Uhr

Biel - Arbeitgeber sind grundsätzlich bereit, psychisch kranke Menschen zu beschäftigen - allerdings nur unter gewissen Bedingungen.

Viele Arbeitgeber schrecken vor der erschwerten Integrierbarkeit psychisch Kranker ins Arbeitsleben zurück.
Viele Arbeitgeber schrecken vor der erschwerten Integrierbarkeit psychisch Kranker ins Arbeitsleben zurück.
Den Betrieben fehlt es laut einer Studie insbesondere an Beratung und an Massnahmen zu Risikominimierung. Unterstützung und Beratung gewichteten die befragten KMU-Betriebe höher als finanzielle Anreize. Die emotionalen Hürden zur Anstellung psychisch Kranker sind ungleich höher als etwa bei einer Anstellung Körperbehinderter, wie weiter aus der im Rahmen einer Tagung der Schweizerischen Stiftung Pro Mente Sana vorgestellten Studie hervorgeht.

So schrecken viele Arbeitgeber vor der erschwerten Integrierbarkeit psychisch Kranker ins Arbeitsleben zurück. Auch die oft langen Behandlungen oder befürchtete Arbeitsausfälle sind Gründe für die Zurückhaltung.

Gerade im Hinblick auf die Umsetzung der in der Herbstsession der eidgenössischen Räte verabschiedeten 5. IV-Revision sei die berufliche Integration psychisch Kranker eminent wichtig, heisst es in einer Mitteilung von Pro Mente Sana weiter. Die 5. IV-Revision setze mit dem Motto «Arbeit vor Rente» stark auf die Wiedereingliederung ins Berufsleben.

Keine Verlagerung zur Sozialhilfe

Es bestehe jedoch die Gefahr, dass bei der IV-Revision nicht mittels Wiedereingliederung gespart werde, sondern hauptsächlich durch den erschwerten Zugang zu einer Rente. Wenn aber psychisch Kranken die Rente verweigert werde, verlagerten sich die Kosten unweigerlich auf die Sozialhilfe.

Gefragt sei nun insbesondere die tatkräftige Unterstützung durch die Arbeitgeber, die die nötigen Arbeitsplätze zur Verfügung stellen müssten. Viele Arbeitgeber seien jedoch in Bezug auf psychisch kranke Menschen verunsichert. Hier gelte es anzusetzen.

Heute werden nach Angaben von Pro Mente Sana 38 Prozent der neuen IV- Renten aus psychischen Gründen gesprochen. 1990 betrug dieser Anteil noch 22 Prozent.

(fest/sda)

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