«Schwiiz»-Bier und «Panini-Bildchen» sollen Fans einheizen
publiziert: Dienstag, 2. Mai 2006 / 13:06 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 2. Mai 2006 / 14:23 Uhr

Bern - In anderthalb Monaten wird das Eröffnungsspiel zur Fussball-WM in Deutschland angepfiffen. Echte Fans decken sich nun mit Fanartikeln ein.

Mit Fanartikeln werden Milliarden umgesetzt.
Mit Fanartikeln werden Milliarden umgesetzt.
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Die Palette reicht von traditionellen Trikots über Checkkarten und Spenden bis hin zu Fussball-Literatur.

Wahre Fans zeigen während der WM Flagge. Utensilien dazu bieten Sportgeschäfte, Warenhäuser und Grossverteiler an: Von Socken und Unterhosen über Pyjamas, vom T-Shirt bis zum Bikini gibt es alles, was das Fussballer-Herz erfreut. Spielsachen wie das Plüschtier Goleo oder der dreidimensionale Puzzle-Ball runden das Angebot ab.

«Ethische» Fussball-Leibchen

Seit Mitte April gibt es den Klassiker aller Fussball-Devotionalien, die Panini-Bildchen, bei Migros, Coop und an fast allen Kiosken. Die Boulevardzeitung «Blick» hat die Sammelwut in den vergangenen Wochen zusätzlich angeheizt.

Bei SportXX kann jeder Fan sein persönliches Nati-Trikot mit dem Aufdruck des Namens seines Lieblingsspielers kreiieren. Wer nicht nur ein schmuckes Kleidungsstück erwerben, sondern auch noch etwas Gutes tun will, kann beispielsweise ein Streetshirt erwerben. Gut zehn Prozent des Verkaufspreises gehen an SOS Kinderdörfer.

Die Erklärung von Bern nutzt die WM, um auf Missstände bei der Produktion von Trikots hinzuweisen. Von den WM-Trikots der Fussball-Nati, die für 100 Fr. verkauft werden, gingen direkt 35 Fr. an Puma, 45 Fr. an den Detailhandel und lediglich 30 Rappen an die Näherinnen.

Von der Fussball-WM wird auch Intersport mit dem Verkauf von Textilien, Bällen und Schuhen profitieren. Konzernchef Franz Julen rechnet im Fussball-Segment mit einer Umsatzsteigerung um 30 Prozent auf über 500 Mio. Euro.

Wem die Fussball-Wetten am Arbeitsplatz nicht ausreichen, kann beim M-Toto mitmachen. Preise im Wert von über 250 000 Fr. winken. Bereits jetzt kann für die Vorrundenspiele getippt oder das Fussball-Wissen im Duell mit anderen Spielern überprüft werden. Endlos ist die Reihe von Wettbewerben, Verlosungen sowie Events.

Fussball und Bier

Erwartungsgemäss dürfte während der WM der Bierabsatz stark steigen. Für Wirte, die Liveübertragungen planen, hat die Luzerner Brauerei Eichhof das Fussballbier «Schwiiz» kreiert. Schweizer Fussballer im Siegestaumel sind auf der rotweissen Etikette zu sehen. Auf der Rückseite der Flasche steht die erste Strophe der Nationalhymne.

Viele dürften aber das Pantoffelkino vorziehen. Davon profitieren können die Hersteller und Händler von TV-Geräten, da viele Zuschauer auf Breitbild-Schirme umgestiegen sind.

Sorgen um die richtige Stimmung macht sich Swisscom. Seit 2003 offizieller Sponsor der Nati sucht sie zusammen mit «SonntagsBlick» und «Radio DRS 3» einen offiziellen Fussball-Song für die Schweiz. An der «Nacht des Schweizer Fussballs» am 22. Mai soll der Song getauft werden.

Credit Suisse nicht im Abseits

Als langjähriger Hauptsponsor der Fussball-Nati hat Credit Suisse die Swiss Fussball Card lanciert. Von dieser Kreditkarte für Fussball-Begeisterte gehen 5 Fr. direkt an die Nachwuchsförderung des Verbandes.

In Deutschland versuchen Banken mit viel Kreativität, von der Fussballbegeisterung zu profitieren. Doch den meisten WM-Fonds,

Weltmeister-Zertifikaten oder Bonus-Zinsen geben Konsumentenschützer die gelbe oder sogar die rote Karte. Der Ratschlag lautet: Die Emotionen der Fussball-WM und das rationale Thema Geldanlage nicht vermischen. Auch Credit Suisse bietet neu ein Derivat an, das an die Kursentwicklung von Aktien von WM-Sponsoren gekoppelt ist. Erreicht die Nati-Elf das Viertelfinal, gibt es einen Bonus.

Fussballdichter und Sprücheklopfer

«Die besten Fussballersprüche» sind bei Bassermann nachzulesen. Pons bietet ein «Fussballwörterbuch Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch» an.

Der legendäre Schiedsrichter Pierluigi Collina gibt seine «Regeln des Spiels» preis. Sebastian von Dehnhardt wärmt einmal mehr «Das Wunder von Bern» auf. Und Peter Handkes Klassiker «Die Angst des Torwarts beim Elfmeter» wird wieder aktuell.

Wieviel Geld die WM für das Austragungsland Deutschland bringen wird, lässt sich nicht erechnen. Sicher ist nur, dass der Weltfussballverband Fifa rund 2,7 Mrd. Fr. für Fernseh- und Marketingrechte kassiert.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schätzt, dass von den möglichen zwei Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland 2006 rund ein Drittel auf das Konto Fussball-WM gehen dürfte.

Das Hamburger Welt-Wirtschafts-Institut hält aber einen Wachstumsschub für die deutsche Wirtschaft von einem halben Prozentpunkt, wie in verschiedenen Studien erwartet, für «masslos übertrieben». Laut der Bochumer Ruhr-Universität könnte das Turnier 10 Mrd. Euro Kapital nach Deutschland locken.

(Alexa Clemenz Berger/sda)

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