Seebeben - Parallelen zu Erdbeben vor 250 Jahren
publiziert: Dienstag, 11. Jan 2005 / 19:53 Uhr

Lissabon - Vor 250 Jahren wurden Portugal, weite Teile der Iberischen Halbinsel und Nordwestafrika von einer der folgenreichsten Naturkatastrophen der Neuzeit heimgesucht. Die Parallelen zum 26. Dezember 2004 sind unübersehbar.

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Das Erdbeben mit Epizentrum vor der portugiesischen Küste erreichte eine Stärke von 8 bis 9 auf der Richter-Skala. In Lissabon starben an diesem 1. November 1755 etwa 60 000 Menschen. Paläste, Kirchen und Klöster wurden zerstört, seismische Wogen (Tsunamis) rasten über den Atlantik und in Richtung Nordeuropa.

Vollkommen zerstört wurde der Königspalast nahe dem Tejo-Ufer. Vernichtet wurde auch etwa die Carmen-Kirche (Igreja do Carmen) am Osthang des Chiado-Hügels. Sie wurde nicht wiederaufgebaut - die Zerstörungen sind heute noch zu sehen.

Moderne Seismologen bewerten die Katastrophe als Weltbeben. Die Auswirkungen waren bis nach Afrika zu spüren. Schwere Schäden wurden aus den marokkanischen Städten Rabat und Fez gemeldet. In Portugal selbst gab es in 140 Städten und Orten Verwüstungen.

Phänomene in Westeuropa

Im damals österreichischen Mailand bebte die Erde, Fensterscheiben barsten. In vielen Teichen, Seen und Kanälen Europas, vor allem in Schottland und der Schweiz, kam es zu plötzlichem Ansteigen des Wasserspiegels und seine Rückkehr zum normalen Stand.

Tsunamis rasten über den ganzen Atlantik und richteten Schäden im Bereich der Azoren, Madeiras, in der Karibik, an den Küsten Spaniens, Frankreichs, Englands, Irlands, Hollands, ja sogar bis nach Skandinavien hinauf an. Erst nach Tagen erfuhr die Welt vom Schicksal Lissabons und vereinte die Phänomene zu einem Gesamtbild.

Geistige Grundlagen erschüttert

Dichter, Geistliche, Agnostiker und Völkerrechtler revidierten ihre philosophischen Systeme. Viele dachten wie die Katholische Kirche, die das Beben als göttliche Strafe für die Süden ansah.

Im ersten Schock gelobte der französische König Ludwig XV., seine Maitresse, die berühmte Marquise de Pompadour, davonzujagen. Viele fragten sich, ob das fromme katholische Lissabon vielleicht doch sündiger als zum Beispiel Paris gewesen sei.

Bordellstrasse blieb unversehrt

Bald kamen aber Zweifel an dieser Haltung auf, als sich herausstellte, dass in Lissabon zwar Kirchen und Klöster zerstört wurden, die Bordellstrasse aber unversehrt blieb. Unter den Gelehrten fand die Theorie vom göttlichen Strafgericht nur wenige Verteidiger.

Im Zeitalter der Aufklärung war es unmöglich, die riesigen Zerstörungen dem Wirken eines liebenden Gottes zuzuschreiben. Das seinerzeit neueste wissenschaftliche Erklärungsmodell sah die Ursache in unterirdischen Erdbewegungen.

(Harald Krachler, apa/news.ch mit Agenturen)

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