Segeln: Der wertvolle Input des Aussenstehenden
publiziert: Dienstag, 11. Feb 2003 / 13:32 Uhr

(Si) Nicht nur auf, sondern auch neben dem Wasser verfügt die Alinghi über Koryphäen. So zum Beispiel mit Jean-Pierre Egger, dem Leiter des Bereichs Fitness. Der ehemalige Trainer von Werner Günthör kümmert sich aber nicht nur um die Muskeln der Alinghi-Crew.

In der grosszügigen Alinghi-Lounge fällt Egger sofort auf. Erstens, weil er mit seiner hünenhaften Gestalt selbst im nicht von Kleinwüchsigen geprägten Seglermilieu eine markante Person ist, und zweitens, weil er die grau-rote "Uniform" des Syndikats nicht trägt. Seiner Kleidung entsprechend, sieht Egger denn auch seine Aufgabe als die eines Aussenstehenden: "Ich kann von aussen zusätzliche Impulse vermitteln und vielleicht Dinge sehen, die im Alltag verloren gehen, wenn man stets zusammen ist."

Egger ist seit März 2001 im Team. Der erste Kontakt war via Bekannte entstanden, die bei der Alinghi involviert waren. Dann meldete sich Sportdirektor Jochen Schümann: Anlässlich eines gemeinsamen Fondue-Essens stellten die beiden rasch eine gemeinsame Wellenlänge fest.

Von Anfang an war jedoch klar, dass Egger wegen verschiedener anderer Engagements nicht die ganze Zeit über in Ozeanien verbringen konnte. Er arbeitete je ein Konditions-Trainingskonzept für die Grinder (Maximalkraft, Schnellkraft) und für die übrigen Teammitglieder (Fitness, spezifisch auf Segeln ausgerichtet) aus, das er regelmässig überwachte. Die tägliche Umsetzung wird von Xavier Jolis, dem früheren Fitnesstrainer von Michael Schumacher, geleitet.

Volle Akzeptanz

Obwohl er mit dem Segeln vorher keine Erfahrungen gemacht hatte, genoss Egger sehr schnell das uneingeschränkte Vertrauen der Vollblutprofis Russell Coutts und Jochen Schümann -- eine Tatsache, die ihn sehr freut: "Es ist wirklich toll, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Sie haben Respekt vor dem, was ich gemacht habe. Sie verstehen meine Einstellung und Identifikation zum und mit dem Leistungssport." Tatsächlich hat der mittlerweile 59-Jährige einen beeindruckenden Rucksack: Er ist neunfacher Schweizer Meister im Kugelstossen und mit 20,25 m immer noch die Nummer 2 in der ewigen nationalen Bestenliste hinter "Kugel-Werni". Danach war er unter anderem an der Eidgenössischen Sportschule in Magglingen für die Trainerausbildung zuständig und kümmerte er sich um die Fussballer der Grasshoppers und von Olympique Marseille ("über diesen Verein könnte ich ein Buch schreiben). Zur Zeit ist Egger mit einem Mandat von rund 30 Prozent für Swiss Olympic tätig. Zusätzlich wird er ab dieser Saison auch als Headcoach im Leichtathletik-Verband amten und versuchen, im Hinblick auf Athen 2004 die Hoffnungen, die momentan fast exklusiv auf André Bucher ruhen, auf weitere Athleten auszuweiten.

Gefahr durch zu viel Erfolg

Aus seiner ursprünglichen Arbeit bei der Alinghi ist dank grosser Akzeptanz längst mehr geworden. Egger kümmert sich auch um den Mentalbereich und wird von Jochen Schümann als "unser Motivations-Guru" bezeichnet. Just heute Mittwoch wird er in dieser Beziehung noch einmal tätig: "Ich werde zum Thema ´Das Team in der Niederlage´ sprechen und aufzeigen, wie man auf einen solchen Fall reagiert, falls er eintreten sollte." Im bisherigen Wettkampfverlauf reichte der Konjunktiv. Die Alinghi segelte mit spielerischer Eleganz durch die Runden; nur 3 von 28 Regatten gingen auf dem Wasser verloren. Für Egger birgt diese Konstellation freilich auch Risiken: "Zu viel Erfolg kann auch schädlich sein -- dann, wenn man gar nicht mehr mit möglichen Niederlagen rechnet. Ich habe bei der Alinghi zwar bisher noch keinerlei solche Tendenzen ausgemacht, aber die Gefahr, dass sie im Unterbewusstsein vorhanden sind, ist nie auszuschliessen."

Wie einst Günthör im "Olimpico"?

Zudem stellt sich die Frage, wie die Alinghi-Crew mit der Ambiance zurecht kommt. Die Emotionen pro Team New Zealand und kontra Alinghi werden aller Voraussicht nach ab Samstag überschwappen. Die Schweizer müssen sich da auf einiges gefasst machen. Egger hat indes 16 Jahre Erfahrungen mit ähnlichen Hochdruck-Situationen: 1987 trat er mit Günthör zur WM in Italien an, im Heimatland des Erzrivalen Alessandro Andrei. Der sensible Riese Günthör hatte das gesamte Publikum gegen sich, notabene im Römer Hexenkessel "Olimpico", wo normalerweise die Gegner der AS Roma niedergesungen und jene Lazios niedergeschrien werden. Günthör blieb cool und liess sich nach einem Stoss auf 22,23 m die Goldmedaille umhängen. Andrei kam auf 21,88 und wurde Zweiter. Hoffentlich ist dies ein gutes Omen für die Alinghi.

(bert/sda)

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