Selbstmordattentat von Jerusalem war Botschaft an arabische Führer
publiziert: Sonntag, 14. Apr 2002 / 13:49 Uhr

Kairo - Die palästinensische Selbstmordattentäterin, die am Freitag in Jerusalem sechs Israelis mit in den Tod gerissen hatte, wollte mit ihrem Anschlag "eine Botschaft an die schwachen arabischen Führer senden".

Zudem habe sie die in Dschenin getöteten Palästinenser rächen wollen, erklärte die 20-jährige Andalib Chalil Taktaka nach Angaben der arabischen Zeitung "Al Hayat" in ihrem Abschiedsvideo. "Sie hat immer gesagt, dass niemand ausser den Palästinensern selbst jemals das Palästinenser-Problem lösen wird", sagte ihr Bruder Mahmud.

Zahl der Toten umstritten

Im Flüchtlingslager Dschenin gibt es indessen nach Angaben israelischer Medien keine Hinweise auf ein "Massaker" der Armee an zahlreichen unbewaffneten palästinensischen Zivilisten. Das berichteten die grossen Zeitungen nach einer Journalisten-Rundfahrt im Flüchtlingslager.

Auf den Strassen seien keine Leichen zu sehen, hiess es. Die Zerstörung vor Ort sei jedoch "gigantisch, kaum zu beschreiben", schrieb die Zeitung "Maariv". "Das Zentrum des Lagers sieht wie nach einem Erdbeben aus", schrieb "Jediot Achronot". Unter den Trümmern seien wahrscheinlich noch etwa 30 Leichen begraben.

Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser sprach am Sonntag von "Dutzenden, nicht Hunderten von Toten in Dschenin". Israels Armee habe keine Leichen in Massengräbern beigesetzt, betonte Ben-Elieser. Die Palästinenser hatten immer wieder von bis zu 500 Toten berichtet.

US-Aussenminister Colin Powell hat unterdessen seine Gespräche mit dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat begonnen. Zuvor hatte Arafat in einer offiziellen Erklärung "alle terroristischen Aktionen gegen Zivilisten" verurteilt. Dabei schloss er auch das Selbstmordattentat der jungen Palästinenserin in Jerusalem mit ein.

(bb/sda)

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