Aufatmen bei den Verantwortlichen im Schweizer Männer-Langlauf
Selektionen für Mächler und Burgermeister beinahe perfekt
publiziert: Sonntag, 25. Nov 2001 / 16:10 Uhr

Kuopio - Nach dem Wochenende können wenigstens die Verantwortlichen des Schweizer Männer-Langlaufs aufatmen. Nach dem enttäuschenden Auftakt am Samstag gelang am Sonntag über 10 km in der freien Technik Patrik Mächler (20.) die ganze und Reto Burgermeister (25.) die halbe Olympia-Qualifikation.

Bei den Langläuferinnen, den Springern und in der Kombination geht die Schweizer Jagd nach Resultaten weiter.

In der von ihnen weniger bevorzugten klassischen Lauftechnik herrschte bei den Schweizern dunkle Nacht. Sowohl bei den Männern über 15 km wie bei den Frauen über 10 km blieben die Ergebnisse weit unter den Erwartungen. Am Abend stellte sich in der Teambesprechung heraus, dass die Schweizer bei der Wahl des Materials wie bei dessen Präparation nicht die glücklichste Hand gehabt hatten.

Die Bestätigung dieser Erkenntnisse folgte am Sonntag. Mit seinem 20. Rang glückte Patrik Mächler das zweitbeste Weltcup- Ergebnis seiner Laufbahn. Am Holmenkollen in Oslo hatte er sogar einmal den 16. Platz erreicht. «Jetzt kann ich den weiteren Formaufbau in Ruhe angehen und mir sogar die Rennen aussuchen», freute sich der in Davos wohnende Ausserschwyzer, der im Sommer wegen einer Knöchelverletzung nicht das volle Trainingsprogramm hatte durchziehen können.

Am Samstag als 41. noch bester Schweizer, steigerte sich Reto Burgermeister im Skating auf den 25. Platz. Nachdem eine Klassierung unter den ersten 20 oder zwei Resultate unter den besten 35 das Ticket nach Salt Lake City eintragen, muss der Zürcher Oberländer mit einer weiteren, mindestens gleich guten Leistung aufwarten, damit seine Olympia-Teilnahme gesichert ist. Wilhelm Aschwanden (38.) scheiterte am ersten Schritt zur Qualifikation nur knapp.

Grosse Verunsicherung

Brigitte Albrecht (76. und 50.) ist stark verunsichert. Die Oberwalliserin hat, weil sie im Sommer erstmals seit vielen Jahren beschwerdefrei trainieren konnte, möglicherweise zu viel gemacht. So jedenfalls deutet sie ihre schwachen Ergebnisse, die sie in einen Teufelskreis bringen. Die Olympiaselektion und das Wissen um ihre frühere Leistungsfähigkeit korrespondieren schlecht mit der Geduld, die Albrecht Loretan aufbringen muss, um aus dem Tief herauszufinden.

Im Langlauf stand der Weltcup-Auftakt zur Hauptsache im Zeichen der Norweger. Am Samstag im von Anders Aukland gewonnen Rennen belegten sie gleich die ersten acht Ränge, was ein Novom darstellt. Bei der Revanche am Sonntag mit Per Elofsson (Sd) als Sieger überraschte der Biathlon-Olympiasieger und -Weltmister Ole-Einar Björndalen mit seinem 2. Platz. Bei den Frauen freute sich am Samstag Bente Skari (No) über den 22. Weltcup-Erfolg ihrer Laufbahn. Auf ihrer Spezialdistanz der 5 km setzte sich am Sonntag Katerina Neumannova (Tsch) durch.

Ohne Herz

Nach seinem 4. Rang auf der Grossschanze am Freitag hielt Risto Jussilainen dem grossen Druck vor heimischem Publikum stand und gewann die zweite Konkurrenz. Auf Rang 2 kam Adam Malysz, der nach dem Sieg zum Auftakt die Führung im Weltcup verteidigte. «Es ist phantastisch, wenn man in Finnland gewinnt», sagte Jussilainen nach dem zweiten Weltcupsieg seiner Laufbahn. «Obwohl ich gewonnen habe, bin ich noch nicht locker genug gesprungen. Im Training war es noch besser gegangen», erklärte der Sieger.

«Sie springen mit zu wenig Herz», sagte der Schweizer Nationaltrainer Berni Schödler zu den Leistungen seiner Schützlinge. Neben Küttel (44.) und Freiholz (48.) vermochten sich Simon Ammann und Marco Steinauer nicht für die Konkurrenz zu qualifizieren. Die Schweizer vermögen offensichtlich, wenn es ernst gilt, die Trainingsleistungen nicht umzusetzen. Das zeigt sich auch im Vergleich zu den aufstrebenden Amerikanern, die durch Alan Alborn und Clint Jones die Ränge 11 und 12 belegten. «In Kuusamo konnten wir mit ihnen oft mithalten», sagte Andreas Küttel.

Kein Lichtblick

Ronny Ackermann (De) siegte zweimal, die Schweizer sprangen und liefen zweimal weit hinterher -- so lässt sich Geschehen in der Nordischen Kombination zusammenfassen. Die intensivierten Vorbereitungen auf der Schanze haben sich bei Kurt Schaads Athleten noch nicht in zählbaren Ergebnissen niedergeschlagen. Ronny Heer 36., Ivan Rieder 37. und Andy Hartmann 42. -- solche Leistungen stossen dem neuen Disziplinchef Hippolyt Kempf sauer auf. Er hatte es vor 13 Jahren zum Olympiasieger gebracht.

(kil/sda)

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