Gut aussehen
Selfies im Stil von Starfotografen
publiziert: Dienstag, 3. Jun 2014 / 15:15 Uhr
Selfies sollen zukünftig noch besser aussehen. (Symbolbild)
Selfies sollen zukünftig noch besser aussehen. (Symbolbild)

Cambridge - Smartphone-Selfies liegen zwar voll im Trend, sehen aber oft nicht wirklich toll aus. Ein Team rund um den Informatik-Doktoranden YiChang Shih vom Massachusetts Institute of Technology verspricht dafür nun Abhilfe.

Denn es hat einen Algorithmus entwickelt, der einfachen Handy-Fotos den markanten Stil von Starfotografen wie Richardard Avedon, Diane Arbus oder Martin Schoeller verpasst. Dank dieser «Stilübertragung» braucht es kein Profi-Fotostudio mehr, um den Eindruck spektakulärer Beleuchtung zu erwecken. Zwar befindet sich die Lösung bisher noch im Forschungsstadium, doch Software für die breite Masse ist in Arbeit.

Erst die spezielle Beleuchtung verleiht den Bildern berühmter Portraitfotografen ihr markantes Aussehen. Der Deutsche Martin Schoeller beispielsweise nutzt für seine sehr detailreichen Nahaufnahmen weiches Neonlicht statt klassischem Blitzlicht. Eine Smartphone-Kamera jedoch gibt solche Profi-Tricks kaum her. Doch die Nachbearbeitung mit dem neuen Algorithmus verspricht spektakuläre Ergebnisse. «Man kann ein Foto mit sehr kontrastloser Beleuchtung hernehmen, professionelle Portrait-Beleuchtung herausholen und dabei auch die Spitzlichter verändern», beschreibt Robert Bailey von der Adobe Disruptive Innovation Group.

Häppchenweise Profistil

Möglich macht die nachträgliche Beleuchtungs-Magie die sogenannte Stilübertragung. Im Prinzip sind das Nachbearbeitungs-Algorithmen, wie sie beispielsweise auch Instagram für Effektfilter nutzt. Doch verändern existierende Methoden ein Bild in seiner Gesamtheit, beispielsweise durch Kontrastverstärkung. Das ist gerade für Portraits nicht optimal. «Unsere Augen sind so empfindlich bei Gesichtern. Wir ertragen einfach keine kleinen Fehler», so MIT-Doktorand Shih. Daher hat er mit Kollegen am MIT, bei Adobe und an der University of Virginia den Ansatz verfeinert. Die Bildbearbeitung erfolgt nun häppchenweise.

Dazu sucht eine handelsübliche Gesichtserkennung nach einem Portrait mit dem gewünschten Stil, das ähnliche Charakteristiken mit dem zu bearbeitenden Foto hat. «Wir finden dann enge Übereinstimmungen - wie Augen zu Augen, Bart zu Bart und Haut zu Haut», beschreibt Shih. Das ermöglicht es, Stilelemente lokal und somit exakter passend zu übertragen. Dabei berücksichtigt der Ansatz auch unterschiedliche Grössenstrukturen, von Details wie Poren und Haaren bis hin zur Nase oder der Gesamtbelichtung. Denn ohne einen vorsichtigen Abgleich würden die resultierenden Bilder irgendwie unnatürlich wirken.

Tricks für die breite Masse

Das Team wird genauere Details zu seiner Arbeit zwar erst im Sommer auf der Computergrafik-Konferenz SIGGRAPHH. «Wir befassen uns damit, eine Consumer-Anwendung zu schaffen, die diese Technologie nutzt», sagt aber Adobe-Mitarbeiter Bailey. Damit hätten dann wirklich Endanwender die Chance, beispielsweise Smartphone-Selfies in neuem, professionell anmutendem Licht erscheinen zu lassen.

Allerdings gibt es noch Detailherausforderungen. So kämpfen die Forscher damit, dass es zu Verfälschung der Augenfarbe kommen kann. Doch ortet das Team auch bei Videos grosses Potenzial. Hier bietet der neue Ansatz den Vorteil, dass er bei Lichtblitzen in Einzelbildern nicht so leicht überkompensiert wie bisherige Stilübertragungs-Methoden. Das ist beispielsweise nützlich, wenn ein Brillenträger den Kopf dreht und es dadurch in einem Frame plötzlich zu einer Lichtspiegelung kommt.

(ww/pte)

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