Sensation durch Marie-Gaïané Mikaelian
publiziert: Dienstag, 16. Okt 2001 / 20:57 Uhr

Kloten - Nach dem Hingis-Unfall und dem Schnyder-Debakel gab es an der Swisscom Challenge in Kloten doch noch einen Schweizer Exploit. Marie-Gaïané Mikaelian besiegte Jelena Dementjewa 6:2, 6:4 und tröstete die Fans über das Ausscheiden von Anna Kurnikowa hinweg.

Marie-Gaïané Mikaelian (WTA 105) zeigte gegen Jelena Dementjewa (WTA 13) eine sensationelle Leistung. Ihr gelang von Anfang an nahezu alles. Mikaelian dominierte gegen die Grundlinienstrategin die Ballwechsel. Im ersten Satz besass sie Breakmöglichkeiten zum 1:0 und 2:1 und schaffte die Breaks zum 3:2 und 5:2. Im zweiten Durchgang gelang ihr der Aufschlagdurchbruch zum 4:3, nachdem sie schon bei 1:1 eine Breakchance gehabt hatte. Dementjewa -- letztes Jahr Finalistin am US Open und an den Olympischen Spielen -- geriet beinahe bei jedem Servicegame in Not. Mikaelian dagegen brachte all ihre Aufschlagspiele souverän durch.

Wie ist eine derart gute Leistung möglich? Mikaelian: «Ich hoffe, dass ich noch besser spielen kann. Ich konzentrierte mich von Anfang an sehr gut und alles lief eigentlich optimal für mich.»

Mikaelians Premieren

Mikaelian spielte so gut, wie es ihr nicht viele zutrauten. Ein Blick in ihre Resultate zeigt aber, dass ein Exploit am ersten Tier- 1-Turnier nicht auszuschliessen war. Bei Premieren gelang Marie- Gaïané stets etwas Besonderes. In Taschkent qualifizierte sie sich im Sommer mit drei Siegen erstmals für ein WTA-Turnier. Daraufhin marschierte Mikaelian bis in die Halbfinals, in denen sie nur ganz knapp an der späteren Siegerin Bianka Lamade scheiterte. Ende Juli in Basel kam Mikaelian erstmals ohne den Umweg über die Qualifikation in ein Hauptfeld. Dort besiegte sie in der Startrunde die topgesetzte Silvia Farina Elia (die jetzt die Nummer 15 der Welt ist) und erreichte dann den Final. An der Swisscom Challenge überstand sie bereits zum fünften Mal in dieser Saison eine Qualifikation.

Was ist jetzt in Kloten noch möglich? Mikaelian: «Ich hoffe doch einiges. Vor eigenem Publikum zu spielen, ist für mich das Schönste. Das Publikum trägt mich von Schlag zu Schlag. Gegen Tatjana Panowa will ich die Leistung vom Dienstag bestätigen.» Panowa ist im Ranking die Nummer 39 und besiegte in der Startrunde die Slowakin Janette Husarova 6:4, 6:2.

Mikaelian wird auch gegen Panowa die frenetische Unterstützung des Publikums auf sicher haben, zumal mit Anna Kurnikowa ein weiterer Publikumsmagnet ausschied. Die Partie gegen die laufstarke Amanda Coetzer wurde für die 20-jährige Russin und ihre zahlreichen Fans im Schluefweg zu einer Achterbahnfahrt. Während der ersten 40 Minuten spielte Kurnikowa noch schlechter als am Vorabend Patty Schnyder. Kurnikowa gab ihr erstes Aufschlagspiel mit vier Doppelfehlern ab. In der Folge streute sie ihre Schläge in der ganzen Halle: Die Bälle landeten nicht Zentimeter neben oder hinter den Linien, sondern Meter. Der Zwischenstand von 0:6, 1:4 war die logische Konsequenz.

Kurnikowa bald ein Bond-Girl?

Im Gegensatz zu Schnyder konnte sich Kurnikowa aber aufraffen. Sie gewann mit druckvollem Spiel fünf Games hintereinander, holte den zweiten Satz mit 6:4 und stand im Entscheidungssatz bis zum Stand von 3:3 einem Break näher als Coetzer. Dann schlichen sich aber wieder die unnötigen Fehler vom Anfang ein, wenig später stand die fünfte Erstrundenniederlage in Folge fest.

Nach sieben Monaten Pause wegen eines Ermüdungsbruches im linken Fuss sucht Kurnikowa weiterhin den Anschluss. «Ich habe alle fünf Einzel seit der Verletzung in drei Sätzen verloren», so Kurnikowa, «aber ich habe keine konditionellen, höchstens mentale Probleme. Ich weiss, dass der Weg zurück in die Top-Ten lang ist. Im Moment bin ich einfach nur glücklich, dass ich wieder völlig gesund bin.»

Auch die Tenniswelt ist glücklich, dass Anna wieder spielt. Kurnikowa ist, selbst ausser Form, eine Belebung für jeden Event. Auch in Zürich tauchten Gerüchte um die Schönheit aus Moskau auf. Eines besagte, Hingis-Mutter Melanie Molitor sei Annas neuer Coach. «Das stimmt nicht», bestätigten sowohl Kurnikowa wie Molitor. Aus England stammte die Meldung, wonach die hübsche Anna das neue Bond- Girl für den nächsten 007-Film sei. Kurnikowa: «Auch dazu kann ich nichts anderes sagen, ausser dass ich diese Story am Montag auch im Internet gesehen habe. Der Job als Bond-Girl wäre vielleicht ganz interessant. Im Moment bin ich aber für diese Rolle nicht bereit.»

Schweizerin im Doppel topgesetzt

Jelena Dementjewa (Russ/7) war nicht die einzige Gesetzte, die am Dienstag ausschied. Die Qualifikantin Daniela Hantuchova aus der Slowakei sorgte mit einem 6:3, 6:4 über die als Nummer 6 gesetzte Meghann Shaughnessy (WTA 12) für eine weitere Überraschung. Für einen weiteren Schweizer Sieg sorgte im Doppel Kimberly Po- Messerli. Die mit einem Schweizer verheiratete Amerikanerin startet in Kloten unter der Schweizer Flagge, weil das in diesen Tagen sicherer sei, als für Amerika zu spielen. Po-Messerli gewann mit der Französin Nathalie Tauziat gegen Habsudova/Sidot 6:2, 6:1. Po- Messerli/Tauziat sind in Kloten topgesetzt.

(kil/sda)

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