«Carlton»-Affäre
Sex-Partys mit Strauss-Kahn - Prozessauftakt
publiziert: Montag, 2. Feb 2015 / 15:51 Uhr / aktualisiert: Montag, 2. Feb 2015 / 16:34 Uhr
Dominique Strauss-Kahn will nicht gewusst haben, dass es sich bei den Frauen um Prostituierte handelte.
Dominique Strauss-Kahn will nicht gewusst haben, dass es sich bei den Frauen um Prostituierte handelte.

Lille - Vor dem Strafgerichtshof von Lille hat am Montag der Prozess um illegale Sexpartys mit Dominique Strauss-Kahn begonnen. Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds muss sich mit 13 weiteren Angeklagten wegen organisierter Zuhälterei verantworten.

6 Meldungen im Zusammenhang
Begleitet von einem riesigen Medienrummel erschien der frühere französische Spitzenpolitiker am Nachmittag im dunklen Anzug im Gerichtssaal in Lille. Die zahlreichen Kameras vermied er, indem er sich direkt in die Parkgarage fahren liess.

Mit dem 65-Jährigen müssen sich Bordell- wie Hotelbesitzer verantworten. Darunter sind auch drei Manager des Luxushotels «Carlton» in Lille, nach dem die Affäre benannt ist. Ihnen wird vorgeworfen, wilde Sexpartys mit Prostituierten unter anderem in Paris und Washington organisiert zu haben.

«Wusste von nichts»

Der 65-jährige, der bis zum Jahr 2011 sogar als aussichtsreicher Kandidat der Sozialisten auf das Präsidentenamt in Frankreich galt, bestreitet seine Teilnahme an den Sexpartys nicht. Er will aber nicht gewusst haben, dass es sich bei den Frauen um Prostituierte handelte.

Die Anklage geht hingegen davon aus, dass die Partys mit den Callgirls rund um Strauss-Kahns Terminkalender herum organisiert wurden, darunter allein drei Reisen nach Washington zu einer Zeit, als Strauss-Kahn noch Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) und damit einer der einflussreichsten Männer der Welt war.

Auf «schwere gemeinschaftliche Zuhälterei» stehen in Frankreich bis zu zehn Jahre Gefängnis und 1,5 Millionen Euro Strafe. Zusammen mit Strauss-Kahn sind wegen Zuhälterei insbesondere ein Hotelmanager, ein Polizist, ein Anwalt, ein Zuhälter und Unternehmer angeklagt. Letztere sollen die Sexpartys bezahlt haben.

Antrag auf Ungültigkeit

Eine Aussage zur Sache war am ersten Prozesstag am Montag noch nicht vorgesehen. Vielmehr wollten Anwälte der Verteidigung das Verfahren generell in Zweifel ziehen. So lag dem Gericht ein Antrag zur Ungültigkeit des Verfahrens vor, weil vor Beginn der offiziellen Vorermittlungen im Februar 2011 bereits ab Juni 2010 «halbamtlich» ermittelt worden sei.

Vor dem Gericht würden somit acht Monate Ermittlungen «verborgen». Im Zusammenhang mit den Affären um «DSK», wie Strauss-Kahn in Frankreich genannt wird, war wiederholt die Vermutung geäussert worden, dass durch die Vorwürfe ein politischer Konkurrent aus dem Weg geräumt werden sollte.

Nach Angaben der Anwälte von Strauss-Kahn wollte der 65-Jährige, der derzeit als wirtschaftspolitischer Berater und Redner tätig ist, «gelassen» vor das Gericht treten.

Unter Verweis darauf, dass die Staatsanwaltschaft eine Einstellung des Verfahrens empfohlen hatte, hatte sein Anwalt Richard Malka den Untersuchungsrichtern «Versessenheit» vorgeworfen, denen es mehr um Moral als um juristische Tatsachen gehe.

(bert/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Lille - Im Prozess um Sexpartys mit Callgirls hat der frühere IWF-Chef Dominique ... mehr lesen
Dominique Strauss-Kahn.
Lille - Drei halbnackte Femen-Aktivistinnen haben unmittelbar vor der Fortsetzung des Zuhälterei-Prozesses gegen den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn für Aufregung gesorgt. mehr lesen
Lille - Im Zuhälterei-Prozess um den ... mehr lesen
Das Hotel Carlton de Lille. (Archivbild)
Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. (Archivbild)
Lille - In der Affäre um Sex-Partys mit ... mehr lesen
Lille - Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn kommt in der Affäre um einen ... mehr lesen
Strauss-Kahn bestreitet nicht, an den Sex-Partys in Luxushotels teilgenommen zu haben.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Strauss-Kahn wusste nicht, dass die Sex-Party-Frauen Prostituierte waren. (Archivbild)
Lille - Dominique Strauss-Kahn kann auf ein glimpfliches Ende seiner Affäre um illegale Sex-Partys mit Prostituierten hoffen. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Lille ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Buchhaltung: Digital oder in Papierform?
Buchhaltung: Digital oder in Papierform?
Das Ausstellen einer Rechnung ist in der Schweiz rechtlich genau geregelt. Besonders Jungunternehmer und Startups sehen sich zu Beginn mit einer grossen Zahl verschiedener Anforderungen in diesem Bereich konfrontiert. Dabei herrscht Unklarheit darüber, welche Fallstricke tatsächlich beachtet werden müssen, um ein gesetzlich gültiges Papier abzugeben. Wir haben den Fokus deshalb auf die wichtigsten Grundlagen gelegt, die es zu beachten gilt. mehr lesen 
Schiedsgericht-Entscheide nach UDRP bei der WIPO  Um unsere Kunden vor unliebsamen Überraschungen zu schützen, haben wir bei domains.ch begonnen ... mehr lesen  
Bildquelle: http://alphastockimages.com
Francesco Schettino: Weil er das Schiff verliess, wurde er als  «Käptain Feigling» verspottet.
Schiffsunglück  Florenz - Kapitän Francesco Schettino ist mehr als vier Jahre nach der Havarie der «Costa Concordia» auch in ... mehr lesen  
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für ... mehr lesen   3
Reaktionäre Kräfte schliessen sich für das Referendum zusammen, mit dabei auch EDU-Präsident Hans Moser.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 2°C 5°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Basel 4°C 7°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 2°C 2°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Bern 3°C 5°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt
Luzern 3°C 7°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Genf 5°C 7°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
Lugano 6°C 14°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten