Medizin
Siamesische Zwillinge in Bern erfolgreich getrennt
publiziert: Sonntag, 31. Jan 2016 / 09:50 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 31. Jan 2016 / 14:37 Uhr
Kinderchirurgen am Berner Inselspital gelang eine medizinische Sensation.
Kinderchirurgen am Berner Inselspital gelang eine medizinische Sensation.

Bern - Nur acht Tage nach ihrer Geburt sind Siamesische Zwillinge am Berner Inselspital erfolgreich getrennt worden. Die Ärzte sprechen von einer «medizinischen Sensation».

2 Meldungen im Zusammenhang
SHOPPINGShopping
Siamesische ZwillingeSiamesische Zwillinge
Die beiden Mädchen waren an der Leber zusammengewachsen und zusätzlich an Herzbeutel und Brustkorb verbunden. Sie besassen aber alle lebenswichtigen Organe.

Weil es den Säuglingen immer schlechter ging, sahen sich die Ärzte am 10. Dezember zur Notoperation gezwungen, wie das Inselspital und das mitbeteiligte Universitätsspital Genf am Sonntag berichteten. Sie bestätigten Angaben von «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche».

Den beiden Mädchen geht es soweit gut, wie Steffen Berger, Chefarzt für Kinderchirurgie, erklärte. «Sie werden inzwischen voll ernährt und wiegen nun das Doppelte vom Geburtsgewicht.» 1890 und 2120 Gramm bringen sie auf die Waage. Die Ärzte hoffen, dass die Schwestern in den nächsten Wochen die Intensivstation der Insel verlassen können.

In der Schweiz wurden in den letzten 30 Jahren bisher nur zweimal Siamesische Zwillinge geboren, die nach der Trennung überlebten. Den Unispitälern von Bern und Genf ist weltweit kein Fall bekannt, wo so kleine miteinander verwachsene Kinder getrennt wurden.

Wettlauf mit der Zeit

Normalerweise warten die Ärzte drei bis sechs Monate mit der Trennung, doch das war bei den beiden Mädchen in Bern aufgrund deren Zustand nicht möglich. Ihre Mutter hatte am 2. Dezember Drillinge zur Welt gebracht. Der Kaiserschnitt erfolgte in der 32. Schwangerschaftswoche.

Das dritte Mädchen war gesund, die beiden Winzlinge wogen zusammen nur 2200 Gramm. Sie hatten grosse Probleme, weil durch die Leber sehr viel Blut vom einen zum anderen Kind floss. Ein Kind hatte deshalb zu viel Blut und einen viel zu hohen Blutdruck, während das andere Kind bei zu niedrigem Blutdruck zu wenig Blut erhielt.

Medizinisches Neuland

Um die Kinder zu retten, beschloss das interdisziplinäre Behandlungsteam in Absprache mit den Eltern, bereits nach gut einer Woche notfallmässig die operative Trennung zu wagen. Die Kinderchirurgen betraten damit «medizinisches Neuland», wie die beiden beteiligten Spitäler schreiben.

Fünf Stunden dauerte die Operation. Die Lebern der beiden Mädchen waren grossflächig miteinander verbunden und darin verlaufende grosse Blutgefässe mussten getrennt werden. Daher wurde ein erfahrenes Genfer Kinder-Leberchirurgie-Team eingebunden. Auch ein Kinderherzchirurg war beteiligt.

«Die perfekte Teamarbeit der Ärzte und Pflegenden waren der Schlüssel zum Erfolg», erklärte Chefarzt Berger. «Wir sind sehr froh, dass es den Kinder und Eltern jetzt so gut geht.»

Glückliche Eltern

Die Familie stammt aus der Region Basel. «Wir sind sehr glücklich», zitiert die «SonntagsZeitung» den Vater der Kinder. «Aber es war nicht einfach. Wir haben darüber diskutiert, die Schwangerschaft bei den zwei verbundenen Mädchen nicht weiterzuführen und nur das dritte Kind zu behalten.»

Die Ärzte hätten ihnen dann gesagt, dass es eine Möglichkeit gäbe, die Zwillinge zu trennen. «Da war für uns klar: Wir lassen sie leben. Wir haben kein Recht, sie zu töten. Man kann sich nicht Kinder wünschen und dann, wenn es Probleme gibt, will man sie nicht mehr.»

Was die Zukunft bringe, sei offen. «Die Kinder könnten behindert sein. Aber für uns ändert das nichts. Wir werden sie immer lieben und so akzeptieren, wie sie sind.»

(asu/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Die Schlagzeilen der Sonntagspresse: mehr lesen
«NZZ am Sonntag»: Fast 40 Prozent aller Asyl-Gesuchsteller, welche die Schweiz wieder hätten verlassen müssen, sind im In- oder im Ausland abgetaucht. (Symbolbild)
Die Trennung von Siamesischen Zwillingen ist riskant. (Archivbild)
Zürich - Am Zürcher Kinderspital ... mehr lesen

Siamesische Zwillinge

Produkte passend zum Thema
BLU-RAY - Unterhaltung
BIG FISH - BLU-RAY - Unterhaltung
Regisseur: Tim Burton - Actors: Danny DeVito, Jessica Lange, Albert Fi ...
28.-
DVD - Unterhaltung
BIG FISH - DVD - Unterhaltung
Regisseur: Tim Burton - Actors: Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Cr ...
22.-
Nach weiteren Produkten zu "Siamesische Zwillinge" suchen
Hypnose und Hypnosetherapie in Baden / Aargau
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 19
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere Forschungsprojekte und einem grösseren Forscherkreis zur Verfügung.
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere ...
Medizinische Forschung  Bern - Das Inselspital nimmt mit der «Liquid Biobank Bern» das derzeit modernste Tiefkühllager für Blut und andere flüssige Bioproben in der Schweiz in Betrieb. Die Biobank soll zur wichtigen Forschungsressource für massgeschneiderte Medizin werden. mehr lesen 
Wegen Zika - Acht Wochen nur geschützt  Genf - Touristen sollen nach ihrer Heimreise aus Zika-Gebieten mindestens acht Wochen ... mehr lesen  
Zika wird hauptsächlich durch Mückenstiche verbreitet.
Experten: Europa muss sich auf die Zika-Epidemie vorbereiten Kopenhagen - «Die Zeit ist nicht auf unserer Seite. Das Zika-Virus zeigt nicht nur sein ...
Das Zika-Virus kann auch bei Erwachsenen schwerwiegende neurologische Erkrankungen auslösen.
Sorge bereite die Zunahme der Todesfälle wegen Überdosierungen in einigen Ländern.
98 neue, unbekannte und künstliche Rauschmittel  Lissabon - Immer mehr neue Rauschmittel halten Einzug in Europa. Der europäische ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 15°C 30°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Basel 18°C 32°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
St. Gallen 16°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Bern 17°C 30°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Luzern 17°C 30°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Genf 17°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Lugano 19°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten