Sieger und Verlierer 2006: Wirtschaft
publiziert: Montag, 25. Dez 2006 / 10:35 Uhr

Wenn es um Wirtschaft geht, führt im Moment kein Weg um das Internet rum. Schon gar nicht, wenn es um idiotisch anmutenden Beträge geht, die für Firmen bezahlt werden, die bis zum Verkauf hin NUR Verluste eingefahren haben.

Wer jetzt nicht weiss, worum es geht, hat vermutlich noch nie was von YouTube gehört, jener Website, auf die praktisch jeder alle möglichen Videos hoch laden und auch schauen kann. Von Heimvideos über Musikclips bis zu Hitler-Reden kann man darauf fast alles finden, was sich in ein 100 MB File von sub-VHS-Qualität hinein zwängen lässt.

Erst im Februar 2005 von den vormaligen PayPal-Mitarbeitern Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim gegründet und mit 11,5 Millionen US$ Risikokapital ausgestattet, kaufte Google das Videoportal im Oktober für fast 1,7 Milliarden US$ auf. Dabei hatte YouTube bis zu diesem Zeitpunkt nur Geld verbrannt.

Die Hoffnung Googles ist eindeutig, mit Anzeigengeldern die Popularität von YouTube zu Geld zu machen. Allerdings hängen dunkle Wolken über der Zukunft des Portals, denn Urheberrechtsklagen lagen schon vor der Übernahme an, und das, obwohl nicht mal Geld zu holen war.

Die Tatsache, das Schätzungsweise 90% der YouTube-Inhalte Urheberrechtlich geschützt sind, lässt einen ahnen, dass Google einiges von seiner Magie wird spielen lassen müssen, um aus YouTube eine Goldgrube und kein Minenfeld zu machen. Darauf deutet auch hin, das 200 Millionen Dollar des Kaufpreises für nicht näher benannte Risiken zurückgehalten wurden.

Trotzdem können die YouTube-Gründer eindeutig als die Wirtschafts-Gewinner des Jahres betrachtet werden: Aus so wenig dank der unentgeltlichen Arbeit anderer so viel zu machen, ist eine grosse Kunst, die gewürdigt gehört.

Die Verlierer des Jahres sind die ehrlichen Konsumenten von Musik und Filmen. Mit dem sogenannten DRM, dem Digital Right Management, versuchen die Medienkonzerne angeblich, ihre Rechte an der Verwertung der Musik zu wahren. Die Manager der Medienkonzerne, meist Anwälte und Buchhalter mit der Musikalität von Schraubstöcken, sehen in der ganzen Downloaderei vor allem eine lästige Behinderung, ohne Arbeit viel Geld zu machen.

Doch die Realität liess sich nicht mehr ignorieren und so wurden, als die Erfolge von Apple mit dem I-Pod zu offensichtlich waren, weitere Downloadportale eingerichtet, auf denen mit digitalen Schlüsseln versehene Musik zu überhöhten Preisen verkauft wird. Wer nun versucht, diese Musik für sich auf verschiedene MP3-Player rüber zu laden, wird womöglich gar nichts zu hören bekommen, da verschiedene Player verschiedene Verschlüsselungen nicht schlucken. Den Vogel hat dabei wieder mal Microsoft abgeschossen, die in den USA einen eigenen Player – den Zune – lanciert hat, der die von Microsoft bis anhin selbst verkauften Musikfiles nicht abspielen kann. Wer in der Folge versucht, seine erworbene Musik durch die Entfernung des Kopierschutzes zum Laufen zu bringen, macht sich zudem in vielen Ländern strafbar.

Doch unterdessen kann man sich ohnehin fragen, wofür man noch Musik kaufen soll, wird es wirklichen neuen Talenten immer schwieriger gemacht, mit etwas Neuem auf den Markt gebracht zu werden. Medienkonzerne wollen nur noch eines sehen: ROI. Wobei ROI nicht ein Afro-Amerikanischer DJ, sondern der Return on Investment ist. Was lediglich heisst, dass ein Musiker ein Produkt, genau so wie eine neue Zahnbürste ist: Wenn die Firma in die Entwicklung und Vermarktung investiert, muss das Produkt sich auch lohnen und Experimente sind nicht erwünscht. Das Risiko, voll daneben zu hauen, ist zu gross. Deshalb die unerträglichen Talentshows, wo niemals jemand gewinnen kann, der oder die mit mehr Talent und Persönlchkeit ausgestattet ist, als man in einer Box mit Feuchtklopapier finden kann. Ein langfristiger Aufbau eines Künstlers hingegen ist gleich häufig wie fliegende Pinguine.

Die einzige Chance der Musik wird es sein, wenn innovative Künstler sich auf unabhängigen Plattformen im Internet direkt dem Konsumenten präsentieren und ihre Musik dort verkaufen, ohne die Aasgeier der Medienmultis daran zu beteiligen. Wenn eine solche Plattform aber Erfolg haben sollte, droht natürlich die Gefahr, dass sie dann wieder von einem gierigen Grosskonzern aufgekauft wird... aber das Risiko sollte man eingehen, einfach der Musik zu liebe.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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