Silvio Berlusconi bestreitet seine Entschuldigung
publiziert: Freitag, 4. Jul 2003 / 23:55 Uhr

Brüssel - Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat den Streit um seinen Nazi-Spruch neu belebt. Er betonte, er habe sich beim deutschen Kanzler Gerhard Schröder gar nicht entschuldigt.

Berlusconi will sich nicht entschuldigen.
Berlusconi will sich nicht entschuldigen.
Im Telefonat mit Schröder habe er bloss sein Bedauern zum Ausdruck für den Fall, dass sein ironischer Witz missverstanden worden sei, sagte Berlusconi an einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EU-Kommissionspräsident Romano Prodi in Rom.

Zum Eklat war es am Mitwoch gekommen. Berlusconi hatte dem deutschen Europaabgeordneten Martin Schulz eine Filmrolle als KZ-Aufseher angetragen.

Der SPD-Abgeordnete habe Italien als autoritäres Land dargestellt, verteidigte sich Berlusconi. Der Witz habe sich aber hauptsächlich auf den Tonfall und die Gesten von Schulz bezogen.

Berlusconi denkt nach eigenen Worten nicht daran, sich wie verlangt beim Europaparlament zu entschuldigen. Im Gegenteil fühle er sich zutiefst beleidigt über die Art und Weise, wie er von Schulz angegriffen worden sei. Die deutsche Regierung hatte bekräftigt, nach dem Telefonat vom Donnerstag sei für sie die Angelegenheit erledigt.

Berlusconis Äusserungen fielen im Anschluss an ein Treffen der italienischen Regierung mit der EU-Kommission. Berlusconi, der seit dem 1. Juli für sechs Monate den EU-Ratsvorsitz führt, und Prodi betonten ihre Absicht, eng zusammenarbeiten zu wollen.

Man sei entschlossen, bis Jahresende die Arbeiten an der EU-Verfassung abzuschliessen, sagte Prodi. Die Zusammenarbeit wird nur positive Ergebnisse hervorbringen können, unterstrich Berlusconi.

Das Europaparlament betonte unterdessen, die Affäre um Berlusconis Spruch sei noch nicht bereinigt. Das Parlament erwarte weiterhin eine formelle Entschuldigung, erklärte der Sprecher von Parlamentspräsident Pat Cox.

(bert/sda)

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