Simon Ammann greift nach 6. Medaille
publiziert: Freitag, 27. Feb 2009 / 09:54 Uhr / aktualisiert: Freitag, 27. Feb 2009 / 12:15 Uhr

Ein Simon Ammmann an grossen Meisterschaften in Bestform hat bislang stets zwei Medaillen gewonnen. Nach Salt Lake City und Sapporo winkt dem Titelverteidiger am Freitag auf der Grossschanze in Liberec (Tsch) die Chance, diese Serie fortzusetzen.

Simon Ammann spürt nach seiner Bronzemedaille kaum Druck.
Simon Ammann spürt nach seiner Bronzemedaille kaum Druck.
Druck verspürt der Toggenburger keinen. «Was man hat, das hat man. Meine Medaillen kann mir niemand mehr nehmen», betonte der 27-Jährige nach seinem harmlos verlaufenen Sturz im Training vom Mittwoch.

Die Bronzemedaille am Samstag habe befreiend gewirkt. Und das Wort «Titelverteidiger» behagt ihm nicht sonderlich, weil er primär die Chance sieht, seine Erfolgsgeschichte um ein Kapitel zu erweitern.

Ammann war am vergangenen Sonntag in die Schweiz zurückgereist, hat sich in der vertrauten Umgebung regeneriert und sich analog zum Rhythmus im Weltcup mit Konditionseinheiten in Einsiedeln fürs Wochenende wieder fit gemacht.

«Das tat gut»

«Einfach in den Tag hineinleben, keine Verpflichtungen zu haben. Das tat gut», sagte der erfolgreichste Schweizer Skispringer aller Zeiten. Bloss eine heikle Situation hatte er zu überstehen. Als ihn in der Innerschweiz eine Gruppe Fasnächtler erkannte, wollten sie den prominenten Sportler gleich ans Fest mitnehmen. «Mir blieb nur die Flucht», sagte Ammann schmunzelnd.

Der Gewinner von fünf Weltcup-Springen in diesem Winter wirkte nach seinem wohl einzigen Training gelöst, locker und zu Spässen aufgelegt. Dies war nicht immer so. Während der Vierschanzentourneee oder in den intensiven Phasen des Weltcups drang die Anspannung des öftern durch. Er gab sich teilweise betupft, weil seine Leistung nach eigener Meinung falsch eingeordnet weurde, oder machte um die Medienschaffenden einen grossen Bogen, da er einfach seine Ruhe wollte.

In der zweiten WM-Woche in Liberec ist von all dem nichts mehr zu spüren. Geduldig und mit Witz erklärte er jedem, der es wissen wollte, warum er bei seinem letzten Probesprung gestürzt war.

Auch Küttel im Aufwind

«Die Schanze liegt mir», gibt sich Andreas Küttel zuversichtlich. Er verliess sich bei dieser Aussage mehr auf sein Gefühl als auf die Statistik. «Der enge Radius im Anlauf erzeugt einen höheren Druck. Dies kann ich mit meiner elastischen Muskulatur gut abfedern und dann beschleunigen.»

Auch die bisherigen Resultate in Liberec sprechen für den Einsiedler. Zweimal Rang 3 und je ein 5. und 6. Platz resultierten bei seinen vier Weltcup-Starts im WM-Ort. Erfolgreicher als am Bakken im Norden Tschechiens war Küttel bislang einzig in Lillehammer.

Längst hat Küttel aus seinem Zwischentief während der Neujahrstage herausgefunden und sich wieder an die Weltspitze herangekämpft. Von «Kampf» spreche er nie, sagt der Sieger von fünf Weltcup-Springen. Dies entspreche nicht seiner Philosophie vom Fliegen, wo alles leicht und flüssig gehen müsse. Er habe hart gearbeitet, um die ideale Materialabstimmung wieder zu finden.

Ständiges Anpassen, Ausprobieren und Verbessern

Weshalb eigentlich fallen im Skispringen derart oft erfahrene Athleten in ein Loch? «Theoretisch wissen wir alle, wie es geht. Die Kunst besteht darin, alles auf die Reihe zu bringen», erklärte der 29-Jährige. Seine Sportart verlange ein ständiges Anpassen, Ausprobieren und Verbessern.

An Titelkämpfen zählt anders als im Weltcup nur das Podest. Zweimal war Ammanns Teamkollege schon nahe dran, zweimal scheiterte er auf der Normalschanze. An den Olympischen Spielen 2006 in Turin beklagte er Pech mit dem Wind, vor zwei Jahren in Sapporo war es Eigenverschulden.

«An Weltmeisterschaften kann auch jemand aus der zweiten Reihe zum Zug kommen», umschrieb Küttel seine Chancen für den Freitag. Er kann bereits auf 20 Einzeleinsätze an Grossanlässen (Olympische Spiele, Skiflug-Weltmeisterschaften und Nordische Weltmeisterschaften) zurückblicken.

Drei Österreicher gegen den Rest der Welt

Die Favoritenrollen nehmen andere ein. Dem klaren Leader-Trio im Weltcup mit Gregor Schlierenzauer, Ammann und Wolfgang Loitzl gibt nicht bloss die Tatsache Zuversicht, dass sie 19 von 21 Springen in dieser Saison gewonnen haben.

Die drei können dank der Medaille von der Normalschanze befreiter auftreten und setzten ihre Zuversicht in entsprechende Trainingsresultate um: Weltmeister und Tourneesieger Loitzl wurde Fünfter, Zweiter und Erster, Schlierenzauer einmal Neunter und dreimal Erster, Ammann zweimal Zweiter und einmal Erster.

Zweikampf Olli gegen Morgenstern

Als praktisch ebenbürtig werden derzeit Thomas Morgenstern und der Finne Harri Olli eingestuft. Der Olympiasieger aus Österreich hatte am Samstag mit einem Verschneider bei der Landung den Dreifach-Erfolg der Austria-Adler vergeben. Die ersten beiden Flüge am Mittwoch missrieten ihm zwar. Doch als er im letzten Umgang nur einen halben Meter kürzer sprang als Ammann, jubelte er wie ein Sieger. Ollis Chancen steigen parallel zur Schanzengrösse.

Der Nordländer praktiziert allerdings einen wesentlich anfälligeren und risikoreicheren Sprungstil, als es die schweizerische und österreichische Schule lehrt. Der Finne sticht quasi kamikaze-artig zu Tal. Er investiert gleich nach dem Absprung viel mehr in die Vorwärtsgeschwindigkeit statt in die Flughöhe und hofft als begnadeter Flieger, unten den Sprung extrem in die Länge ziehen zu können, weil ihm der Schub nicht ausgeht.

Der 1. Durchgang beginnt um 16 Uhr.

(Hans Leuenberger, Liberec/Si)

 
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