Weltcup-Springen Engelberg
Simon Ammann sprang in Engelberg aufs Podest
publiziert: Sonntag, 16. Dez 2001 / 18:10 Uhr / aktualisiert: Montag, 17. Dez 2001 / 11:44 Uhr

Engelberg - Die Schweiz hat wieder einen Skispringer von internationalem Format. Nach dem 7. Rang am Samstag steigerte sich Simon Ammann am Sonntag beim Weltcup-Springen in Engelberg vor 6'000 Zuschauern auf den famosen 2. Rang, geschlagen nur vom souveränen Weltcup-Leader Adam Malysz.

Auf Rang 3 kam Martin Koch (Ö). Am Vortag war Ammann im Springen mit dem wohl knappsten Ausgang seit je unter den besten Sieben als Siebenter platziert gewesen. Der überraschende Stephan Hocke und Sven Hannawald hatten für einen deutschen Doppelsieg gesorgt.

Beste Schweizer Klassierung seit 1998

Das einzige Weltcup-Wochenende in der Schweiz wurde zum grossen Auftritt für Simon Ammann. Der 20-jährige Toggenburger, der am 6. Dezember die für 1,5 Mio. Franken umgebaute Sprungschanze in Engelberg "entjungfert" (Zitat Ammann) hatte, landete am Samstag nur 0,9 Punkte hinter dem Dritten Matti Hautamäki als Siebter erstmals unter den Top-Ten, nachdem er im 1. Durchgang wie der Amerikaner Alan Alborn (6.) im Final mit 137 m Schanzenrekord gesprungen war. Dies schaffte Ammann trotz einer nicht perfekten Landung.

Am Sonntag forderte er Ammann mit Weiten von 133,5 und 130,5 Metern den souveränen Weltcup-Leader Adam Malysz heraus, der nach dem 1. Durchgang hinter ihm Dritter war. Im Final, in dem die letzten zehn Springer Rückenwind hatten, hielt er dem grossen Erwartungsdruck stand und wurde herausragender Zweiter. Damit sorgte er für den ersten Schweizer Podestplatz seit dem 15. März 1998, als Bruno Reuteler hinter Primoz Peterka Zweiter geworden war. In Engelberg hat in bisher 24 Weltcup-Springen noch nie ein Schweizer gewinnen können. 1992 (nur 1 Durchgang) war mit Sylvain Freiholz (Zweiter hinter Ahonen) letztmals ein Schweizer auf dem Podest gestanden.

Einfach genial

"Ich war am Vortag nahe dran. Ich habe gespürt, dass es gehen kann", sagte Ammann, der seinen zweiten Platz "einfach genial" fand. Der Olympia-Teilnehmer von 1998, der nachher lange Zeit unten durch musste, war mit dem 30. Rang in Kuopio in die Saison gestartet. Nachher konnte er sich aber nicht steigern. Erst ein mehrtägiges Training in Engelberg und ein Schuhwechsel auf ein etwas weicheres Produkt hat ihn zur richtigen Technik zurückfinden lassen.

Nicht ganz optimal..

"Über meine Landung im Finaldurchgang kann man diskutieren", sagte Ammann noch am Samstag. Am Sonntag gelang ihm die vorab im ersten Durchgang (Durchschnittsnote 19,0) praktisch perfekt, im zweiten wieder etwas weniger gut. "Beide Sprünge waren aber nicht ganz optimal", blieb Ammann in der Stunde seines bisher grössten Triumphes, der ihn im Weltcup-Klassement auf den 16. Zwischenrang gebracht hat selbstkritisch. Auch vom Preisgeld von 1000 und 12 000 Franken wird er sich nicht verrückt machen lassen. "Ich muss jetzt einfach konsequent weiterarbeiten und dann komme ich auch ganz nach vorne." Der letzte Schweizer Weltcup-Sieger war Stefan Zünd, der am 13. Dezember 1992 in Ruhpolding gewann.

Andreas Küttel ebenfalls dabei

Neben Ammann fiel im Schweizer Team am Sonntag auch Andreas Küttel mit dem 17. Rang, der vierten Top-20-Platzierung in diesem Jahr positiv auf. Sylvain Freiholz wurde am Sonntag 44. nachdem er sich am Samstag ebenso nicht qualifiziert hatte wie Marco Steinauer, der auch am Tag danach in der Qualifikation scheiterte. "Diese beiden sind nahe dran. Sie haben im Training genau gleich gut gearbeitet wie Simon und Andreas", sagte dazu der Schweizer Nationaltrainer Berni Schödler, der den Podestplatz als "Belohnung für die Arbeit, die alle im Team geleistet haben", betrachtete.

Trotz dem Podestplatz darf nicht ausser acht gelassen werden, dass hinter den vier Weltcup-Springern im Schweizer Springerlager tiefe Nacht herrscht: Marco Däscher, Marc Vogel und Joël Morerod belegten in der Qualifikation am Sonntag geschlossen die letzten Plätze und sind weit davon entfernt, überhaupt weltcuptauglich zu sein.

Hocke immer stärker

Der erst 18-jährige Stephan Hocke wartet in diesem Winter mit einer unglaublichen Konstanz auf. Nach den Rängen 7, 3, 5, 5 reichte es dem Gymnasiasten aus Oberhof am Samstag erstmals auf das Podest. Dabei hatte er im Sommer noch dem B-Kader angehört und stieg erst im Herbst ins A-Kader auf. "Von meinem Erfolg bin ich auch überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass es so rasch geht", sagte Hocke, der sich am Sonntag mit Rang 22 begnügen musste. "Ich bin mit Rang 2 zufrieden", sagte Sven Hannawald, der in beiden Durchgängen mit rund einem Stundenkilometer langsamer anfuhr als Hocke. "Für mich ist wichtig, dass wir einen Doppelsieg gelandet haben", sagte der Skiflug-Weltmeister, der in diesem Winter in Neustadt gewonnen hatte. Auf Rang 3 kam der Finne Matti Hautamäki.

Weltcup-Leader Adam Malysz (Pol) musste sich mit dem für ihn ungewohnten 4. Rang bescheiden. Im Finaldurchgang fielen für den Weltmeister von Lahti die Stilnoten trotz der nicht ganz perfekten Landung doch etwas tief aus. "Das war für mich Motivation, um am Sonntag voll anzugreifen", sagte der Pole, der den 18. Sieg in seiner Karriere vor Ammann und Martin Koch (Ö) landete, der auch erstmals auf das Podest kam. Nach Rang 11 am Samstag musste der vierfache Weltmeister Martin Schmitt auch am Sonntag unten durch. Nachdem er die Qualifikation hatte auslassen müssen, weil im beim Anzug das elastische Schuhband riss, musste er im ersten Durchgang mit der Einstellung des Pendels (Kabel im Fersenkeil) pröbeln und kam in der Luft prompt nicht zurecht: Nur 105 Meter und Rang 48.

Nick Heidfeld fand es "geil"

Als Zuschauer stand auch der Sauber-Formel-1-Pilot Nick Heidfeld an der Schanze und war auf seinem Rundgang durch die Anlage von den Leistungen der Schanzenpiloten beeindruckt."Geil", sagte der Deutsche, der wie Sven Hannawald Werner Heinz als Manager hat, "es ist imponierend wie der Speed, den die Springer in der Luft haben, rüberkommt, wenn man an der Seite steht."

Die Resultate von Engelberg

Samstag:

1. Stephan Hocke (De) 280,2 (134 m/132,5 m). 2. Sven Hannawald (De) 278,9 (132/133,5). 3. Matti Hautamäki (Fi) 278,8 (132/134). 4. Adam Malysz (Pol) 278,7 (133,5/135,5). 5. Martin Höllwarth (Ö) 278,5 (132/133). 6. Alan Alborn (USA) 278,4 (128,5/137/Schanzenrekord). 7. Simon Ammann (Sz) 277,9 (131/137/Schanzenrekord). 8. Veli-Matti Lindström (Fi) 274,8 (134/129,5). 9. Andreas Goldberger (Ö) 272,2 (129/132,5). 10. Roberto Cecon (It) 272,2 (125/130,5). 11. Martin Schmitt (De) 256,8 (125,5/128). 12. Stefan Horngacher (Ö) 255,1 (126,5/128). 13. Jussi Hautamäki (Fi) 253,9 (127/126). 14. Jakub Janda (Tsch) 253,5 (127,5/125). 15. Hideharu Miyahira (Jap) 253,1 (125/127).

Stand nach dem 1. Durchgang:

1. Lindström 142,2 (134). 2. Hocke 141,7 (134). 3. Malysz 139,8 (133,5). 4. Hannawald 138,6 (132). 5. Höllwarth 137,1 (132). 6. Matti Hautamäki 137,1 (132). 7. Ammann 134,3 (131). 8. Goldberger 133,2 (129). 9. Alborn 130,8 (128,5). 10. Jakub 129 (127,5). -- Nicht für den 2. Durchgang qualifiziert: 43. Andreas Küttel (Sz) 105,4 (115.5). -- Nicht qualifiziert: 58. Marco Steinauer 89,4 (108). 66. Sylvain Freiholz (Sz) 82,2 (104). 72. Marc Vogel (Sz) 68,1 (97). 74. Marco Däscher (Sz) 57,3 (93,5). 75. Joel Morerod 54,1 (89,5).

Sonntag

Schlussklassement:

1. Adam Malysz (Pol) 281,7 (132/134,5). 2. Simon Ammann (Sz) 275,7 (133,5/130,5). 3. Martin Koch (Ö) 267,9 (134/126,5). 4. Alan Alborn (USA) 261,3 (130,5/125,5). 5. Roar Ljökelsöy (No) 257,6 (128/126,5). 6. Stefan Horngacher (Ö) 256,2 (129/125). 7. Matti Hautamäki (Fi) 255,9 (123,5/129,5). 8. Hideharu Miyahira (Jap) 252,3 (122/129). 9. Toni Nieminen (Fi) 251,6 (127/125). 10. Roberto Cecon (It) 251,3 (124/127). 11. Janne Ahonen (Fi) 249,0 (126/124). 12. Jussi Hautamäki (Fi) 247,1 (127/122,5). 13. Martin Höllwarth (Ö) 246,6 (120/129,5) und Anders Bardal (No) 246,6 (130/119,5). 15. Sven Hannawald (De) 245,3 (123/122,5). Ferner: 17. Andreas Küttel (Sz) 241,4 (123/122,5). 22. Stephan Hocke (De) 235,7 (123/121). 44. Sylvain Freiholz (Sz) 92,7 (109). 48. Martin Schmitt (De) 85,5 (105). -- U.a. nicht für den Wettkampf qualifiziert: Marco Steinauer, Joël Morerod, Marco Däscher und Marc Vogel (alle Sz).

Stand nach dem 1. Durchgang:

1. Koch 141,7 (134). 2. Ammann 141,3 (133,5). 3. Malysz 138,6 (132). 4. Alborn 135,9 (130,5). 5. Bardal 133,5 (130). 6. Horngacher 131,7 (129). 7. Ljökelsöy 129,9 (128). 8. Jussi Hautamäki 127,1 (127). 9. Nieminen 126,6 (127). 10. Ahonen 126,3 (126). Ferner: 17. Küttel 120,9 (123).

Weltcup-Zwischenklassemente

Einzel (nach 7 Prüfungen):

1. Malysz 610. 2. Hannawald 309. 3. Hocke 295. 4. Schmitt 256. 5. Funaki 245. 6. Höllwarth 241. 7. Jussilainen 230. 8. Matti Hautamäki 211. Ferner: 16. Ammann 117. 20. Küttel 80. -- 58 klassiert

Nationen (nach 8 Prüfungen):

1. Deutschland 1313. 2. Finnland 1302. 3. Österreich 1069. 4. Polen 938. 5. Japan 853. 6. Slowenien 298. 7. Norwegen 281. 8. USA 199. 9. Schweiz 197. -- 15 klassiert.

(sda)

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