Simon und Philipp «schochten» die Konkurrenz
publiziert: Donnerstag, 18. Jan 2007 / 00:03 Uhr

Für die Schoch-Brüder endete der Parallelslalom in Arosa mit dem totalen Triumph. Simon als klar konstantester Fahrer wurde dank dem Finalsieg gegen den mit Fortdauer des Tages immer handicapierteren Philipp Schoch Weltmeister.

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Heftiger hätte Simon Schochs Reaktion auf die Enttäuschung vom Dienstag (Out in der Qualifikation nach Bindungsbruch) nicht ausfallen können. Mit traumwandlerischer Sicherheit dominierte der derzeit beste Alpinfahrer der Welt die Konkurrenz nach Belieben. Keiner kombinierte Kraft und Technik derart geschickt, keiner mit Ausnahme seines körperlich angeschlagenen Bruders im Final kam ihm in Anbetracht der kurzen Fahrzeit (rund 20 Sekunden) nahe. «Es ist die Genugtuung für das Rennen vom Vortag. Dass Philipp Zweiter wurde, war das i-Tüpfelchen», freute sich der Weltmeister, der in Arosa seinen Medaillensatz komplettierte. In Kreischberg vor vier Jahren war er Zweiter (PGS) und Dritter (PSL) geworden.

Nur mitgefeiert hat der Rest des Schweizer Männerteams. Der Zürcher Marc Iselin schied in der ersten Runde gegen den zweifachen französischen Ex-Weltmeister Nicolas Huet nach einer «schwachen und zu wenig risikoreichen Leistung» aus, der nur im Parallelslalom eingesetzte Roland Haldi überstand die Qualifikation als 20. gar nicht.

Mit eisernem Willen

Ein Sturz von Philipp Schoch im ersten Finaldurchgang schien die familieninterne Endausmarchung früh zu Gunsten von Qualifikationssieger Simon zu entscheiden, doch in der Reprise rückte «Philu» nochmals bedrohlich heran. «Da hatte ich doch einen Moment Bedenken. Ich wusste, dass Philipp zuvor einen Maximalrückstand aufgeholt hat», gestand Simon Schoch. Und von einem geschenkten Titel, über den Vater Walter am Morgen des Renntages im Schweizer Radio im Fall einer Neuauflage des Olympia-Finals spekuliert hatte, wollten beide Athleten nichts wissen.

Neben Simon Schochs unglaublicher Präzision stach der unbändige Wille seines engsten Vertrauten aus dem Geschehen heraus. Trotz starker Schmerzen zwischen Schien- und Wadenbein und Rückenbeschwerden, die sich im Verlauf des Tages immer stärker akzentuierten, schonte sich Philipp Schoch zu keiner Zeit. Deshalb trugen sich schon nach dem ersten Achtelfinal-Lauf skurril anmutende Szenen zu. Der Schweizer Delegationschef Franco Giovanoli musste Schoch im Zielraum die Bindung öffnen, um den lädierten Rücken nicht noch mehr zu strapazieren. Die Bilder wiederholten sich nach jedem Run des 28-jährigen Tösstaler «Stiers».

Philipp Schoch hatte seinen renntechnisch wohl heikelsten Moment im Viertelfinal zu überstehen. Nach dem ersten Lauf wurde sein Vorsprung (0,46 Sekunden) in die so genannten «penalty time» (0,72 Rückstand) umgewandelt. Der zweifache Olympiasieger umfuhr das letzte Tor vor der Zielankunft nicht richtig, worauf die Entourage seines slowenischen Gegners Dejan Kosir erfolgreich und laut Delegationschef Giovanoli zu Recht Rekurs einlegte. Schoch reagierte im Stil eines Champions und nahm Kosir über 1,1 Sekunden ab. Er liess sich von den minutenlangen Diskussionen via Funkgerät nicht beirren. «Wieso reden die hier eigentlich? Ich gewinne ja sowieso», übermittelte Schoch seinem Trainer Christian Rufer -- und liess den Worten starke Taten folgen.

«Revanche» geglückt

Der Parallelslalom von Arosa, in dem die Schochs zum sechsten Mal (Bilanz 4:2 für Philipp) in einem internationalen Final aufeinandertrafen, war gewissermassen ein reziprokes Ergebnis des Olympia-Rennens von Bardonecchia. Damals führte Simon nach der Qualifikation, sein Bruder pflügte sich aber schneller durch das Haupttableau. Das Wort «Revanche» vermied Simon Schoch nach seinem wichtigsten internationalen Triumph indes bewusst; es existiert in seinem Wortschatz zwar, benützt wird es aber nie, wenn es im Zusammenhang mit Philipp steht.

Alpintrainer Christian Rufer, der die Siegfahrer aus dem Zürcher Oberland seit drei Jahren betreut, beleuchete den Doppelerfolg der Schochs aus der psychologischen Warte. «Sie mussten wie nun Marc Iselin lernen, mit Enttäuschungen umzugehen. Erst negative Erlebnisse an Grossanlässen machten sie mental derart stark. Dort haben sie gelernt, wie man mit Druck umgeht.» Die Triumpffahrten betrachtete er als «Teamwork in einer Einzelsportart». Die interessanteste Beschreibung der so verschworenen und eben doch unterschiedlichen Schochs lieferte Rufer, als er nach den Charaktereigenschaften gefragt wurde. «Ihre Fahrweise zeigt einiges über ihre Charaktere auf. Simon ist eher der Denker, Philipp vielleicht der burschikosere.»

Resultate:
Arosa. WM. Parallel-Slalom. Männer: 1. Simon Schoch (Sz). 2. Philipp Schoch (Sz). 3. Rok Flander (Sln). 4. Andreas Prommegger (Ö). 5. Mathieu Bozzetto (Fr). 6. Roland Fischnaller (It). 7. Dejan Kosir (Sln). 8. Nicolas Huet (Fr). 9. Marc Iselin (Sz). 10. Matthew Morison (Ka). 11. Alexander Belkin (Russ). 12. Adam Smith (USA). 13. Sigi Grabner (Ö) und Justin Reiter (USA). 15. Stanislaw Detkow (Russ). 16. Jasey Jay Anderson (Ka). -- In der Qualifikation ausgeschieden: 20. Roland Haldi (Sz). -- 59 klassiert.

Frauen: 1. Heidi Neururer (Ö). 2. Marion Kreiner (Ö). 3. Doresia Krings (Ö). 4. Nicolien Sauerbreij (Ho). 5. Jekaterina Tudigeschewa (Russ). 6. Doris Günther (Ö). 7. Isabella Laböck (De). 8. Stacia Hookom (USA). 9. Amelie Kober (De). 10. Caroline Calve (Ka). 11. Eri Yanetani (Jap). 12. Fränzi Kohli (Sz). 13. Alexandra Jekova (Bul). 14. Tomoka Takeuchi (Jap). 15. Jessica Eschgfaeller (It). 16. Ilona Ruotsalainen (Fi). -- In der Qualifikation ausgeschieden: 17. Patrizia Kummer (Sz). -- 52 klassiert.

(Stefan Baumgartner, Arosa/Si)

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