Sind Kosten und Nutzen bekannt, wird energetisch saniert
publiziert: Samstag, 14. Jul 2012 / 13:05 Uhr
Céline Ramseier ist Doktorandin in Volkswirtschaftlehre und Energiewirtschaftan der Professur für Nationalökonomie der ETH Zürich.
Céline Ramseier ist Doktorandin in Volkswirtschaftlehre und Energiewirtschaftan der Professur für Nationalökonomie der ETH Zürich.

Wer ist bereit, in Energieeffizienz von Gebäuden zu investieren? Und was bedeutet das für die Energiepolitik? Diesen Fragen sind wir in einem sogenannten Choice-Experiment nachgegangen. Dabei mussten sich Umfrageteilnehmer zwischen verschiedenen Renovationsprojekten entscheiden. Aus den Antworten konnten wir ableiten, nach welchen Entscheidungskriterien Umfrageteilnehmer «energetische» Erneuerungen auswählen oder diese ablehnen.

Es erstaunt nicht, dass wir herausgefunden haben, dass der durchschnittliche Einfamilienhausbesitzer
  • Renovationsprojekte mit günstigeren Investitionskosten bevorzugt,
  • lieber höhere Förderbeiträge bezieht,
  • eine Verbesserung des Wohnkomforts schätzt und
  • gerne über längere Zeithorizonte mehr Heizkosten einspart.

Soweit sind die Resultate wie erwartet ausgefallen. Die Studie hat jedoch auch einige besonders interessante Resultate hervorgebracht.

Das Wissen, mit einer energetischen Erneuerung einen Beitrag zu Klima- und Umweltschutz zu leisten, ist wichtig

So stimmt mich die Erkenntnis positiv, dass Personen, welche eine Erneuerung der Gebäudehülle aus Gründen des Klima- und Umweltschutzes machen würden, eher bereit sind, energetische Erneuerungsprojekte durchzuführen. Das Resultat scheint logisch zu sein. Es ist aber deshalb interessant, weil diese Personen bereit sind, für das Allgemeingut «Umweltqualität» persönlich in die Tasche zu greifen. Daraus schliessen wir: Es ist wichtig, dass die Leute wissen, dass sie mit einer energetischen Erneuerung einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten.

Zwei weitere empirische Resultate sind ebenso spannend:

  • «Unter vollständiger Information investiere ich gerne in Energieeffizienz»: Oft wird argumentiert, dass sich Hausbesitzer gegen eine energetische Erneuerung entscheiden würden, weil sie nicht bereit seien, lange Zeit zu warten - sagen wir mehrere Jahrzehnte lang - bis sich die zusätzliche Investition rechnet. Im Experiment hat sich das Gegenteil gezeigt: Die Hausbesitzer sind nicht ungeduldig, sondern investieren bereitwillig in Energieeffizienz. Möglicherweise hat das mit der klaren Entscheidungssituation zu tun: Der Hausbesitzer wusste im Experiment genau, welche Kosten und Nutzen die energetische Erneuerung mit sich bringen würde. Unsicherheiten wurden minimiert: Die Hausbesitzer erhielten dazu klare Informationen zu den genauen Investitionskosten, Förderbeiträgen, möglichen Komfortverbesserungen und den erwarteten Einsparungen bei den Heizkosten.
  • «Bin ich überzeugt, dass Energiepreise künftig steigen, so wähle ich eher energetische Erneuerungsprojekte»: Wir haben auch herausgefunden, dass persönliche Erwartungen über künftige Energiepreise für den Entscheid eine äusserst wichtige Rolle spielen: Personen, die überzeugt sind, dass Energiepreise in den nächsten 20 Jahren signifikant steigen werden, wählen mit höherer Wahrscheinlichkeit energetische Erneuerungsprojekte. Personen hingegen, die angeben, dass sie keine Ahnung von künftigen Energiepreisen haben, lehnen energetische Erneuerungsprojekte der Gebäudehülle häufig ab.

Fördergelder und Information sind ausschlaggebend, um energetische Erneuerungen erfolgreich zu fördern

Die Resultate unserer Studie zeigen, dass Hausbesitzer grundsätzlich positiv eingestellt sind gegenüber energetischen Renovationen - insbesondere aufgrund der Vorteile bei Kosten und Komfort. Auch ist ein grösserer Teil bereit, einen persönlichen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten. Die meisten befragten Personen entscheiden sich für eine energetische Erneuerung, wenn sie umfassende Informationen zu Kosten und Nutzen haben und davon ausgehen, dass Energiepreise künftig steigen. Informationskampagnen und Fördergelder setzen an diesem Punkt an und können einen entscheidenden Beitrag zu energetischen Erneuerungen leisten.

(Doktorandin Céline Ramseier/ETH-Klimablog)

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