Singer habe sich aus der WJC-Kasse bedient
publiziert: Donnerstag, 22. Mrz 2007 / 10:03 Uhr

Zürich/Bern - Israel Singer hat sich laut dem Präsidenten des Jüdischen Weltkongressen (WJC) Edgar Bronfman «aus der WJC-Kasse bedient». Dies sei der Hauptgrund für die Entlassung des langjährigen WJC-Führungsmitgliedes gewesen.

Edgar Bronfman: «Die Entscheidung ist nicht mehr rückgängig zu machen.»
Edgar Bronfman: «Die Entscheidung ist nicht mehr rückgängig zu machen.»
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In einem Brief an den Präsidenten des Europäischen Jüdischen Kongresses Pierre Besnainou, der in der Online-Ausgabe der «Neuen Zürcher Zeitung» abgedruckt ist, zeigt sich Bronfman tief enttäuscht von seinem einstigen engen Freund und Mitstreiter.

Singer habe ihm gegenüber niemals angedeutet, dass er zu wenig verdiene beim WJC. Stattdessen habe er sich über eine sehr lange Zeit mit Geld des WJC-Büros bedient - «mit meinem Geld», schreibt Bronfman.

Offenbar habe Singer sich dazu berechtigt gefühlt. Versteuert habe er die Gelder nie.

Dasselbe Spiel habe er in Israel gespielt. Im dortigen Büro habe er ebenfalls Gelder für sich abgezweigt, ohne dies zu verbuchen. Schiesslich habe man entdeckt, dass er auch Hotelrechnungen in Jerusalem nicht reglementsgemäss verbucht habe.

Viele Tränen gekostet

Die Entdeckung, von einem langjährigen Freund hintergangen worden zu sein, habe ihn viele Tränen gekostet, schreibt Bronfman.

Aber seine Entscheidung (zu Singers Entlassung) sei nicht mehr rückgängig zu machen. Er werde erst von der WJC-Führung abtreten, wenn die ganze Sache bereinigt worden sei.

Bronfman war für seinen einsamen Entscheid zur Entlassung Singers innerhalb des WJC heftig kritisiert worden. Im Brief räumt er ein, dass er vielleicht zuvor die ganze Führungspitze hätte konsultieren sollen.

Mitglieder zur Ruhe und Besonnenheit aufgerufen

«Ich wusste aber, dass viele Führungsmitglieder ein Problem gehabt hätten, mit der 'Krankheit' Singers und der Dringlichkeit eines Säuberungsprozess konfrontiert zu werden», schreibt der WJC-Präsident.

Er ruft die Mitglieder zur Ruhe und Besonnenheit auf.

Der in der NZZ online publizierte Brief Bronfmans an den Vorsitzenden der europäischen Juden datiert vom 14. März. An diesem Tag hatte Bronfman die Entlassung Singers bekannt gegeben, ohne Gründe dafür zu nennen.

(rr/sda)

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