Ski alpin: Cuche 2., Kernen 5. im Training
publiziert: Freitag, 26. Dez 2003 / 19:04 Uhr

Die Schweizer Speed-Fahrer zeigten im ersten Training zur letzten Weltcup-Abfahrt des Jahres in Bormio ein starkes Lebenszeichen: Didier Cuche erzielte hinter Fritz Strobl (Ö) die zweitbeste Zeit, Bruno Kernen die fünftbeste.

Die Schweizer Hoffnungen für die Abfahrt liegen in Didier Cuche.
Die Schweizer Hoffnungen für die Abfahrt liegen in Didier Cuche.
Das ist der erste "Podestplatz" eines Schweizers in dieser Saison, auch wenn es sich nur um ein Training handelt. Didier Cuche zeigte eine praktisch identische Fahrt wie Fritz Strobl, auf dem letzten Abschitt verlor er aber mit einem Umweg um ein Tor noch über eine Sekunde. "Bei einer Welle hat es mich abgehoben, sonst gelang mir eine gute Fahrt", meinte der Neuenburger.

Auch Bruno Kernen bewies auf dieser anspruchsvollen Strecke, die in diesem Zustand die wohl schwierigste der Welt ist, seine gute Verfassung. In Val Gardena wäre er, die technische Abschnitte zusammengezählt, Zweiter geworden, in den Gleiterpassagen war er aber nur 44. (und im Endklassement 12.).

Salomon-Piloten mit neuen Ski...

Den grössten Sprung nach vorne machte jedoch Olympiasieger Fritz Strobl. Der Österreicher aus Robert Trenkwalders -- Atomic-loser -- so genannter "Dinosaurier"-Truppe, die wie die Schweizer im November und Dezember zu den Verlierern gehörten, fuhr einen brandneuen Salomon-Ski und meinte: "Die Franzosen (er meinte die Salomon-Crew, die Red.) mussten heuer auf das Weihnachten-Feiern verzichten und dafür arbeiten. Endlich haben auch Ingenieure gemerkt, was auf den Pisten abgeht."

Im Sog von Fritz Strobl glückte auch dessen Markenkollege Tobias Grünenfelder, ebenfalls auf einem nagelneuen Ski, die bisher beste Speed-Fahrt in diesem Winter (18.).

Die ultraschwere Stelvio-Abfahrt (Strobl: "Ich kann mich nicht erinnern, dass sie jemals so brutal war") trug das ihre dazu bei, dass die Materialkomponente weniger wichtig war als bei andern Rennen. Von Atomic, die in den ersten Speed-Rennen Fünf- und Sechsfach-Triumphe gefeiert hatten, war nur noch einer (Cuche) unter den ersten fünf vertreten. Doch das kann sich bald wieder ändern: Auf das Wochenende ist Schneefall angesagt.

... und Schweizer mit alten Anzügen

Trotzdem: Noch selten ist über Weihnachten materialmässig derart intensiv gearbeitet und getestet worden. Die Schweizer befassten sich vor allem mit den Anzügen, die als einer der Hauptgründe für die Schlappen in den vergangenen Rennen betrachtet werden. Auf Montag war ein (Anzugs-)Testprogramm in St. Moritz angesetzt, dass dann wegen schlechten Wetters abgesagt werden mussten.

Darauf testete eine Gruppe mit Ex-Rennfahrer Steve Locher oberhalb Verbier. Dort wurde festgestellt, wie die Westschweizer Zeitung "Le Matin" aufdeckte, dass die Schweizer Anzüge auf einer Fahrzeit von 27 Sekunden bis zu drei Zehntel langsamer waren als andere.

Bekannt ist auch, dass der Anti-Gleiter Marco Büchel, der mit seinem Liechtensteiner Anzug auf den Gleitpassagen den Schweizern um die Ohren gefahren ist, sein Rennkombi den Schweizern zu Testzwecken zur Verfügung stellte. Eine erste Konsequenz: Einige Schweizer fuhren das Bormio-Training mit alten Anzügen.

Noch immer tragen die Athleten und (auch die Trainer) einen Maulkorb. "Ich lese keine Zeitungen mehr und versuche mich abzuschotten", sagt Bruno Kernen, "trotzdem spürt man, dass es um uns herum rumort". Er fühle sich gut drauf, sagt der Berner Oberländer, aber zur Materialfrage will er sich nicht äussern: "Fragt doch bitte Gian Gilli". Der Chef Leistungssport ist extra nach Bormio gekommen, um sich zur delikaten Situation zu äussern und "den Druck von den Athleten und Trainern zu nehmen".

Materialschlacht ist voll im Gang

An einer Pressekonferenz bestätigte Gilli, dass "alles hinterfragt werde", hielt aber fest, bezüglich des Materials liege die Verantwortung nicht beim Verband: "Die Athleten schliessen Verträge direkt mit der Skifirma ab". Die Tests mit den Anzügen seien "noch nicht interpretierbar", doch hoffe er, dass die Tests in "eine positive Richtung gehen. Man muss sehr vorsichtig sein, um nicht falsche Schlüsse zu ziehen".

Gewiss sei auch die Stimmung nicht optimal, "aber wenn die Ergebnisse nicht stimmen, drückt das auch auf die persönliche Stimmung". Ein Problem sind zuweilen auch die langen Wege, nicht nur im Bezug auf die Ski (ausser bei Stöckli). Der Stoff der Abfahrtsanzüge stammt wohl aus der Schweiz, die "Veredelung" erfolgt aber in Japan. Auch Cheftrainer Karl Frehsner sagt: "Die Anzüge sind nur ein Aspekt. Einige Fahrer haben auch Abstimmungsprobleme. Bis wir diesbezüglich verlässliche Ergebnisse haben, nehme ich halt die Schuld auf mich..."

Resultate

1. Training Weltcup-Abfahrt Männer

1. Fritz Strobl (Ö) 2:00,48. 2. Didier Cuche (Sz) 1,15. 3. Hannes Trinkl (Ö) 1,63. 4. Peter Rzehak (Ö) 1,68. 5. Bruno Kernen (Sz) 1,71. 6. Christoph Gruber (Ö) 1,85. 7. Stephan Eberharter (Ö) 1,86. 8. Werner Franz (Ö) 2,93. 9. Andreas Schifferer (Ö) 2,10. 10. Vorjahressieger Daron Rahlves (USA) 2,12.

Ferner 12. Michael Walchhofer (Ö) 2,19. 13. Hermann Maier (Ö) 2,28. 15. Hans Knauss (Ö) 2,37. 16. Didier Défago (Sz) 2,45. 18. Tobias Grünenfelder (Sz) 2,49. 19. Val-Gardena-Sieger Antoine Dénériaz (Fr) 2,54. 20. Marco Büchel (Lie) 2,57. 22. Bode Miller (USA) 2,82. 25. Ambrosi Hoffmann (Sz) 2,97. 27. Beni Hofer (Sz) 3,20. 23. Paul Accola (Sz) 3,45. 40. Rolf von Weissenfluh (Sz) 3,87. 48. Daniel Albrecht (Sz) 4,57. 53. Jürg Grünenfelder (Sz) 4,83. 57. Silvan Zurbriggen (Sz) 5,42. 62. Olivier Brand (Sz) 7,09.

(von Richard Hegglin, Bormio/Si)

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