Ski alpin: Der neue Frauenchef ist eine Chefin
publiziert: Dienstag, 2. Mrz 2004 / 15:49 Uhr

Marie-Theres "Maite" Nadig wird Chefin des Schweizer Frauen-Teams und löst damit Angelo Maina ab, der künftig im Skiverband für die Ausbildung zuständig sein wird. Ein Männer-Chef wird noch gesucht.

Marie-Theres Nadig.
Marie-Theres Nadig.
Die Flumserin, die in einer Woche 50-jährig wird, ist -- nach zehn Jahren in Liechtenstein -- seit 1994 bei Swiss-Ski tätig und trainierte in den letzten fünf Jahren das Speed-Team der Frauen. Als zweifache Olympiasiegerin von Sapporo 1972, Weltcup-Gesamtsiegerin und 24-fache Weltcupsiegerin zählt sie zu den erfolgreichsten Athletinnen aller Zeiten.

Damit setzt der Skiverband, der auch mit verschiedenen ausländischen Trainern in Kontakt stand, auf eine Schweizer Lösung und auf die Karte Kontinuität. "Marie-Theres Nadig verfügt über ein grosses strategisches und fachliches Wissen sowie über einen immensen Erfahrungsschatz", sagt Leistungssportchef Gian Gilli über die neue Cheftrainerin, mit der eine langfristige Zusammenarbeit angestrebt wird.

30 Gespräche mit über 20 Kandidaten

In stundenlangen Diskussionen mit Nadig reifte die Überzeugung, dass ihre Ernennung zur Cheftrainerin eine sehr gute Lösung sei: "Marie-Theres beging den klassischen Ausbildungsweg und hat klare strategische Vorstellungen, vor allem auch bezüglich Bildung von Disziplinen- und Trainingsgruppen." Gilli, der mit über 20 Kandidaten gegen 30 Gespräche führte, betont, dass Nadig alles andere als eine Notlösung sei: "Ich stehe 100prozentig hinter ihr."

Auch Marie-Theres "Maite" Nadig sagt, sie fühle sich nicht als "Notnagel", obwohl sie wisse, dass Gilli auch mit vielen andern Anwärtern auf diesen Posten gesprochen habe. "Das Sondieren und Evaluieren ist schliesslich Gillis Aufgabe und Pflicht", ergänzt Nadig. "Ob ich jetzt zweite, dritte oder sechste Wahl bin, ist für mich kein Thema. Wichtig ist zu spüren, dass Gilli hinter dem Entscheid steht und mir den Rücken deckt."

Als Gilli auf sie zugekommen sei, hätte sie sich eine Woche Bedenkzeit ausbedungen, um mit sich ins Klare zu kommen: "Will ich das und kann ich das?" Sie hätte viele Ideen, wisse aber auch, dass es schwierig werden könne: "Doch ich stelle mich der Herausforderung und gehe vorwärts." Zuerst möchte sie die Vorstellungen ihren Trainern mitteilen, sie fragen, ob sie überhaupt weitermachen wollen, und dann die neue Betreuercrew zusammenstellen: "Wir müssen harmonieren. Es kommt weniger auf den einzelnen an als auf das Team. Ich bin offen für neue Sachen. Gefragt ist vor allem Fingerspitzengefühl."

Als erste Frau Cheftrainerin

Den letzten Eklat im Schweizer Frauen-Team hatte sie hautnah miterlebt. Als sich Peter Müller 1999 schon nach wenigen Monaten mit der Mannschaft überworfen hatte, war sie an seiner Stelle von der Nachwuchs- zur Speed-Trainerin der Nationalmannschaft befördert worden. Seither betreut sie die Abfahrerinnen und führte unter anderem Corinne Rey-Bellet an den Weltmeisterschaften in St. Moritz zur Silbermedaille.

Unter Nadig kamen auch Corinne Imlig und Sylviane Berthod zu ihren ersten Weltcupsiegen. Die grosse Erfolgswelle blieb aber aus. Dafür baute Nadig ein kompaktes Team mit zahlreichen hoffnungsvollen Fahrerinnen auf. Dieses Team konnte sogar verletzungsbedingte Ausfälle wie die von Imlig, Monika Dumermuth, der Junioren-Weltmeisterin Tamara Wolf und der Europacup-Zweiten Fabienne Suter eingermassen verkraften.

"Ich weiss, dass Spitzenresultate fehlen", gibt Nadig unumwunden zu, "aber es gibt auch Erklärungen dafür. Wenn in anderen Nationen eine Gerg, Ertl, Götschl oder Meissnitzer nicht mehr starten, würden auch Lücken entstehen." Ziel sei es nun, die Platzfahrerinnen sukzessive an die Spitze heranzuführen. Im Leistungssport gehe es letztlich "immer nur um den Erfolg". Das gilt auch für Nadig, die als erste Frau im alpinen Skisport Cheftrainerin wird.

Noch vier Kandidaten bei den Männern

Noch keinen Nachfolger kann Gian Gilli im Moment für Karl Frehsner präsentieren: "Ich hoffe aber, dass es in 10 bis 14 Tagen soweit sein wird." Bis zum Weltcup-Finale in Sestriere sollten die letzten Details mit jenen vier Kandidaten besprochen werden, die aus der grossflächigen Evaluation übrig geblieben sind. Darunter befindet sich mit dem einst von Direktor Jean-Daniel Mudry "abgeschossenen" Frauen-Chef Hans Pieren auch noch ein Schweizer. Sicher nicht mehr dabei ist indessen Werner Margreiter, der Wunschkandidat Nummer 1, der in Deutschland bleibt. Gemäss Gilli hätte man ihn aus einem langfristigen Vertrag herauskaufen müssen.

In diesem Zusammenhang erläutert Gilli seine Gesprächs- und Verhandlungstaktik: "Zuerst habe ich mal den Markt abgetastet und mich in ersten Gesprächen mit möglichen Kandidaten nach deren Ideen und Strategien erkundigt. In einer zweiten Runde fühlte ich ihnen schon intensiver auf den Zahn." In solchen Sondierungsgesprächen wuchs auch die Erkenntnis: DEN Supermann gibt es nicht. Überall wird nur mit Wasser gekocht.

(Richard Hegglin/Si)

 
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