Ski alpin: Kjus 28 cm vor Eberharter
publiziert: Donnerstag, 22. Jan 2004 / 16:30 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 22. Jan 2004 / 18:14 Uhr

Mit einer Hundertstelsekunde oder 28 Zentimetern Vorsprung gewann Lasse Kjus die erste Hahnenkamm-Abfahrt vor Stephan Eberharter. Ambrosi Hoffmann erzielte als Sechster das beste Schweizer Abfahrtsresultat in diesem Winter, Bruno Kernen wurde 10.

Lasse Kjus: Im Training noch verhalten, im Rennen top.
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Die Routiniers prägten das Rennen. Mit Kjus, Eberharter und Daron Rahlves standen nur ehemalige Streif-Sieger auf dem Podest, und vor Hoffmann klassierten sich lauter gestandene Weltcup-Veteranen, die alle (zum Teil weit) über 30 Jahre als sind.

Lasse Kjus ist eben 33 geworden. Stephan Eberharter wird im März 35 und hätte Leonhard Stock als ältesten Weltcupsieger abgelöst, wenn er eine Hundertstelsekunde schneller gefahren wäre.

Daron Rahlves, der die Wiederholung des Vorjahressieges um 0,20 Sekunden verpasste, wird 31-jährig, Hermann Maier (4.) ist im 32. und Hans Knauss (5.) im 33. Altersjahr. Auch Maier und Knauss trugen sich schon in die Siegerliste der Hahnenkamm-Abfahrt ein.

Geburtstagsgeschenk für Firmenchef Beni Stöckli

Unter diesen Senioren und Ex-Siegern nimmt sich Ambrosi Hoffmann mit seinen 26 1/2 Jahren fast wie ein Junior aus. Der Bündner, der sich in dieser Saison so schwer tat, bescherte seinem Firmenchef Beny Stöckli, der 55 wurde, das wohl schönste Geburtstagsgeschenk. Dessen Top-Fahrerin Fabienne Suter fiel mit einem Kreuzbandriss aus.

Daniel Züger, die Nummer 2, ist mit einem Handbruch für den Rest der Saison ausser Gefecht. Und die Nummer 1, Ambrosi Hoffmann, kam vor allem auf weichen Pisten nicht vom Fleck -- und jetzt am 22. Januar dieser verblüffende Exploit.

Noch am Vortag hatte es nicht danach ausgesehen. Still und leise schlich Hoffmann nach einem 35. Trainingsrang aus dem Zielraum: "Was hätte ich erzählen sollen? Meine Moral und mein Selbstvertrauen befanden sich auf dem Tiefpunkt. Ich glaubte, das Skifahren verlernt zu haben."

Eine kleine Änderung am Material bewirkte die wundersame Wende. Er liess einen Teil der Bindungsplatte abmontieren. "Eine kleine Änderung", wie Hoffmann sagt, "aber sofort fühlte ich mich sicherer und spürte auf der Piste auch wieder den Gegendruck."

Wie im letzten Jahr wurde der Stöckli-Pilot auf der Streif Sechster, "aber", so Hoffmann, "das Resultat in diesem Jahr ist viel wertvoller". Nicht nur für ihn, sondern für das gesamte Team. Diese Saisonbestleistung ist so etwas wie ein Signal, dass es doch allmählich wieder aufwärts geht. "Wir werden jetzt von Rennen zu Rennen stärker", ist Hoffmann überzeugt, "so gut kann ich auch meine Kollegen einschätzen."

Kernen und Cuche "unterbezahlt"

Bruno Kernen klassierte sich als zweiter Schweizer in den Top Ten, nichts Spektakuläres, und "kein Grund zum Jubel", wie Kernen selber sagt, "aber doch ein Zeichen, dass wir nicht mehr abseits stehen und uns schämen müssen."

Und er legt auch Wert auf eine statistische Feststellung: "Ausser bei einem Sprintrennen, in dem ich Vierter wurde, war ich am Hahnenkamm nie besser klassiert." Verschiedene kleine Fehler verhinderten ein noch besseres Resultat.

"Unterbezahlt" wurde vor allem Didier Cuche, der sich auf dem Weg zu einem Podestplatz befand und die gleiche letzte Zwischenzeit aufwies wie Hoffmann.

"Ein 4. Rang wäre möglich gewesen", sagt Cuche, der im Schlussteil, der ihm sonst besonders liegt, einen schweren Ausritt beklagte und auf den 17. Rang zurückfiel. Auch Didier Défago zeigte zumindest abschnittsweise steigende Tendenz (3. in der Mausefalle).

2. Kitz-Triumph trotz Schnallen-Defekt

Das Phänomen Lasse Kjus feierte nach 1999 seinen zweiten Kitz-Triumph. "Damals gewann ich ein Sprintrennen", sagte der Norweger. "Deshalb ist dieser Tag noch schöner. Eine richtige Hahnenkamm-Abfahrt zu gewinnen ist etwas vom grössten -- und erst noch mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung."

So knappe Entscheidungen sind zwar im Abfahrtssport gar nicht so selten (schon 9 x!), aber in Kitzbühel kam das erst einmal vor. 1975 siegte Franz Klammer 1/100 (oder genau 3/1000) vor Gustav Thöni. Heutzutage werden die Tausendstel nicht mehr gemessen, auch inoffiziell nicht.

Kjus behielt auch die Ruhe, als 30 Sekunden vor dem Start eine Schuhschnalle kaputt ging und ausgewechselt werden musste. Zum dritten Mal in diesem Winter durchbrach er die Phalanx der Atomic-Fahrer, die sonst alle übrigen Podestplätze in den neun Speed-Rennen für sich beanspruchen. Kjus war bis vor zwei Jahren selber Atomic-Pilot, wechselte dann zu Dynastar, wo er bis zur WM in St. Moritz nichts auf die Reihe brachte, bis er wieder einen Teilwechsel zu Atomic zurück (Schuhe) machte.

Ausser ihm heizten aber in Kitzbühel noch einige andere der übermächtigen Atomic-Armada ein, die die Ränge 2 bis 5 belegte. Mit Stöckli (Hoffmann), zweimal Rossignol (erstmals musste Kernen Markenkollege Miller/7. den Vortritt lassen), Head (Trinkl/8.) und Salomon (Strobl/9.) waren die Top-Ten durchmischt wie noch nie.

Spitze des Klassements

1. Lasse Kjus NOR 1'58"78 2. Stephan Eberharter AUT 1'58"79 3. Daron Rahlves USA 1'58"98 4. Hermann Maier AUT 1'59"26 5. Hans Knauss AUT 1'59"28 6. Ambrosi Hoffmann SUI 1'59"43 7. Bode Miller USA 1'59"62 8. Hannes Trinkl AUT 1'59"63 9. Fritz Strobl AUT 1'59"83 10. Bruno Kernen SUI 1'59"84 11. Christoph Gruber AUT 1'59"86 12. Roland Fischnaller ITA 1'59"93 13. Antoine Deneriaz FRA 2'00"02 14. Peter Rzehak AUT 2'00"07 15. Michael Walchhofer AUT 2'00"17

Weltcup-Abfahrt der Männer in Kitzbühel. Stand nach 36 Fahrern:
1. Lasse Kjus No Dynastar 1:58,78 2. Stephan Eberharter Ö Atomic 1:58,79 0,01 3. Daron Rahlves USA Atomic 1:58,98 0,20 4. Hermann Maier Ö Atomic 1:59,26 0,48 5. Hans Knauss Ö Atomic 1:59,28 0,50

6. Ambrosi Hoffmann Sz Stöckli 1:59,43 0,65 7. Bode Miller USA Rossignol 1:59,62 0,84 8. Hannes Trinkl Ö Head 1:59,63 0,85 9. Fritz Strobl Ö Salomon 1:59,83 1,05 10. Bruno Kernen Sz Rossignol 1:59,84 1,06

11. Christoph Gruber (Ö), Atomic, 1,08 zurück. 12. Roland Fischnaller (It), Atomic, 1,15. 13. Alessandro Fattori (It), Fischer, 1,20. 14. Antoine Dénériaz (Fr), Atomic, 1,24. 15. Peter Rzehak (Ö), Salomon, 1,29.

16. Michael Walchhofer (Ö), Atomic, 1,39. 17. Didier Cuche (Sz), Atomic, 1,41. 18. Kristian Ghedina (It), Fischer, 1,49. 19. Kurt Sulzenbacher (It), Rossignol, 1,58. 20. Klaus Kröll (Ö), Head, 1,65.

21. Andreas Schifferer (Ö), Atomic, 1,68. 22. Benjamin Raich (Ö), Atomic, 1,80. 23. Tobias Grünenfelder (Sz), Salomon, 1,93. 24. Josef Strobl (Ö), Fischer, 2,06. 25. Johann Grugger (Ö), Head, 2,10.

26. Bryon Friedman (USA), Atomic, 2,18. 27. Vincent Lavoie (Ka), Atomic, 2,33. 28. Didier Défago (Sz), Atomic, 2,37. 29. Paul Accola (Sz), Stöckli, 2,45. 30. Patrik Järbyn (Sd), Atomic, 2,45. 31. Rolf von Weissenfluh (Sz), Head, 2,49.

Ferner: 40. Marco Büchel (Lie), Head, 3,07. 54. Silvan Zurbriggen (Sz), Fischer, 5,30. -- Ausgeschieden: Nicolas Burtin (Fr).

(von Richard Hegglin, Kitzbühel/Si)

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