Ski alpin: Pirmin Zurbriggen über die Ski-Misere
publiziert: Freitag, 16. Jan 2004 / 07:34 Uhr / aktualisiert: Freitag, 16. Jan 2004 / 23:36 Uhr

Pirmin Zurbriggen, Olympia-Sieger und einer der erfolgreichsten Schweizer Skifahrer aller Zeiten, äussert sich im Interview mit news.ch besorgt über den Schweizer Skisport. Er ortet grundsätzliche Probleme im System des Verbandes "Swiss Ski".

Pirmin Zurbriggen vermisst bei "Swiss Ski" die Persönlichkeiten.
Pirmin Zurbriggen vermisst bei "Swiss Ski" die Persönlichkeiten.
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Auch wenn Pirmin Zurbriggen 1990 seinen Rücktritt vom aktiven Skisport erklärt hat, verfolgt er das Geschehen nach wie vor mit Interesse und das Schweizer Ski-Debakel löst bei ihm Emotionen aus. "Es beschäftigt mich sehr, wenn die Schweiz - welche in den 80-er Jahren noch eine grosse Skination war - heute derartig hinter den anderen herfährt."

Trotzdem beurteilt er die Situation nicht so drastisch, wie sie teilweise in den Medien dargestellt wurde. "Man muss ein wenig differenzieren. Die Abfahrer sind sicher eine grosse Enttäuschung, aber Silvan Zurbriggen zeigt bei den Technikern teilweise gute Leistungen."

Zurbriggen ärgert sich auch nicht über die Art und Weise wie die Medien mit dem Thema umgehen, eine Kritik die bei "Swiss Ski" offen geäussert wird. "Wenn im Sport die Erfolge ausbleiben, muss darüber gesprochen werden und die aktuelle Situation ist eine gute Gelegenheit, aus den Fehler zu lernen."

Keine Überraschung

Zurbriggen ist nicht überrascht, dass die Schweizer heute im Skisport hinterherfahren. Er hatte bereits als Aktiver in der Saison 1989/90 die Verantwortlichen auf Missstände im Verband hingewiesen.

"Der Hauptgrund für die Probleme liegt im System. Man hat als Trainer und Athleten keine Persönlichkeiten zugelassen, sondern alle in ein Schema gepresst, wo sie links und rechts nicht ausschlagen durften. Damit wurde der Durchschnitt gepflanzt."

Selbst Sonja Nef wurde einst ebenfalls aus dem Kader geworfen, ehe sie auf Intervention des Ostschweizer Skiverbandes noch eine Chance erhielt und sie auch nutzte.

"Aus diesem Grund fehlen heute die Persönlichkeiten im Kader. Bode Miller ist ein solches Beispiel. Er ist seinen Weg gegangen und hat sich nicht beirren lassen. So wurde er zu einer Persönlichkeit und diese Eigenschaft zeichnet alle Spitzenathleten aus."

Problematischer Föderalismus

Ein weiteres Problem sieht Zurbriggen im Föderalismus. "Trainer und Athleten wurden nach Regionen ausgewählt, nicht nach Fähigkeiten. Aber im Sport muss die Leistung entscheidend sein", sagt er.

Auf Grund seiner Erfolge und seiner Erfahrung drängt sich in einem Interview mit Pirmin Zurbriggen eine Frage auf: Was würde er ändern, wenn er Chef Leistungssport bei Swiss Ski wäre? "

"Ich würde die Trainerausbildung anpassen und wieder gezielt Persönlichkeiten fördern." Doch kaum hat er die Frage beantwortet, sagt er ebenso offen, dass dies an der aktuellen Situation wenig ändern würde. "Selbst dann dauert es sicher fünf bis zehn Jahre, ehe die Schweiz wieder mit den anderen, grossen Skinationen mithalten kann."

(von Thomas Riesen/news.ch)

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