Ski alpin: Schmaler Grad zwischen Top und Flop
publiziert: Dienstag, 18. Nov 2003 / 11:51 Uhr

Das Schweizer Skiteam steht im "Zwischenwinter" 2003/04 ohne WM und Olympia vor einer schwierigen Aufgabe. Nach den Rücktritten von Michael von Grünigen und Corinne Rey-Bellet ist der Grat zwischen Top und Flop schmal geworden.

Eine klare "Benchmark" gibt es für die alpinen Skifahrer nicht. Die Benchmark ist in der Wirtschaft der Begriff für einen Orientierungswert. Was ist gut, was schlecht? Im Skisport sind sich die Experten seit einiger Zeit nicht mehr einig, welche Leistungen welche Qualifikation verdienen.

Die Medienwelt ist seit der Rückkehr des polarisierenden Karl Frehsner fast wie durch einen Röschti-Graben in zwei Fraktionen geteilt: in eine wohlwollende und eine überkritische. Das macht Frehsners Aufgabe nicht leichter.

Cuche, Défago und Zurbriggen

Der erste "Match" Ende Oktober in Sölden endete unentschieden. Der Einschätzung der Frehsner-Gegner ("Grösste Schlappe seit 1993" - Bester Schweizer nur 13.) standen die aufmunternden Kommentare der "Frehsnianer" gegenüber, die drei persönliche Bestleistungen würdigten.

In der Tat ist das Männer-Team in den technischen Disziplinen zu unausgeglichen und fragil, um spektakuläre Top-Resultate in Serie liefern zu können. Läuft es Didier Cuche und Didier Défago im Riesenslalom nicht nach Wunsch (wie in Sölden) oder fällt Silvan Zurbriggen im Slalom aus, versinken die Schweizer in der Anonymität der Masse.

Eindeutige Ausgangslage

Bei den Frauen ist die Ausgangslage eindeutiger. Weiter als auf den 6. Platz, den sie noch knapp vor dem One-Woman-Team Janica Kostelic aus Kroatien halten konnten, können die Schweizerinnen in der Teamwertung kaum mehr abrutschten. Geplant ist eine Steigerung auf Platz 3. Bei den Männern gilt dagegen - auch ohne MvG - die Verteidigung des 2. Platzes hinter Österreich als Pflicht.

Am Wochenende nehmen in der Olympia-Station Park City oberhalb Salt Lake City die Männer mit einem Slalom und einem Riesenslalom die zweite Etappe der Weltcup-Saisons 2003/04 in Angriff.

Eine Woche später erfolgt am gleichen Ort der "Restart" für die Technikerinnen. Und gleichzeitig geben dann auch die Speed-Fahrer im kanadischen Lake Louise ihren Einstand. Derart gestaffelt hat noch nie eine Saison begonnen.

Mehr Zuschauer als Federer

Der alpine Skisport erfreut sich einer ungebrochenen Popularität. So lockte das Gletscher-Opening in Sölden an einem Oktober-Weekend mehr Zuschauern vor den Bildschirm als Roger Federer, teilweise in der Prime-Time, auf dem Weg zu seinem phantastischen Triumph in Houston. Keine Sportart hat ein treueres Stammpublikum. Und diese Unterstützung können die Schweizer Skifahrer und Skifahrerinnen brauchen.

So schmal war die Spitze noch nie: Erstmals seit Urzeiten befindet sich im Slalom nur noch ein Schweizer (Silvan Zurbriggen als Nr. 10) unter den ersten 30 der Weltrangliste. Und erstmals überhaupt ist im Riesenslalom keiner mehr in den Top Ten klassiert. Die Absenz von Michael von Grünigen wird schmerzhaft spürbar.

MvG allein erzielte mehr Weltcupsiege (23) als der Rest der verbliebenen Mannschaft zusammen. Diese verteilen sich auf den unverwüstlichen Paul Accola (7), der im 37. Altersjahr als Speed-Fahrer eine weitere Saison in Angriff nimmt, Didier Cuche (4), Bruno Kernen (3) und Didier Défago (1).

Bei den Frauen gilt nach dem Rücktritt von Corinne Rey-Bellet, die vor wenigen Tagen Mutter eines Knaben geworden ist, nur noch Sonja Nef (12) als Siegfahrerin. Sonst waren lediglich Sylviane Berthod, Marlies Oester, Lilian Kummer und Corinne Imlig je einmal erfolgreich.

Wer rückt nach?

Für die Jungen wie die beiden Junioren-Weltmeister Daniel Albrecht und Marc Berthod (mit verstauchtem Fuss aus Übersee zurückgereist) wird es jeweils bereits ein Erfolg sein, wenn sie sich für den zweiten Lauf qualifizieren.

Als Quervergleich: Beide weisen je einen 9. Platz als Europacup-Bestresultat auf, die nächstbesten Klassierungen sind 19. und 20. Ränge. Von ihnen darf man heuer sicher noch keine Wunder erwarten. Sie sind bestenfalls die Symbolfiguren eines Neuaufbaus, der Zeit und Geduld erfordert - und zuweilen auch etwas Nachsicht.

(Richard Hegglin/Si)

 
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