Ski alpin: Schnelle Schweizer in Garmisch
publiziert: Samstag, 31. Jan 2004 / 12:17 Uhr / aktualisiert: Samstag, 31. Jan 2004 / 16:04 Uhr

Die Schweizer konnten in der zweiten Garmischer Weltcup-Abfahrt nicht mehr so gross auftrumpfen wie 24 Stunden zuvor. Dennoch enttäuschten sie nicht: 3 Fahrer kamen in die Top 10, und Didier Défago verpasste als 4. das Podium um nur 17 Hundertstel.

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Im zweiten Anlauf am Samstag nahmen die Österreicher wieder ihre angestammte Position als Abfahrts-Nation Nummer 1 ein: Stephan Eberharter feierte nach den Erfolgen von Chamonix und Kitzbühel II seinen dritten Saisonsieg, indem er Olympiasieger Fritz Strobl um neun Hundertstel hinter sich liess. Den dritten Platz auf dem Podest nahm der Italiener Alessandro Fattori ein, der es vor Garmisch nie in die ersten 10 geschafft hatte.

Bruno Kernen (8.) und Vortagessieger Didier Cuche (9.) kamen nicht ohne Fehler durch, wie auch Ambrosi Hoffmann (18.) und Paul Accola (19.). Deshalb das Erfreulichste aus Schweizer Sicht vorneweg: Der Walliser Didier Défago, der vor Garmisch eine Enttäuschung nach der anderen erlebte, meldete sich eindrücklich zurück. Vor dem Garmischer Wochenende hatte sich der 26-Jährige, der letzte Saison im Super-G von Val Gardena zum Siegfahrer avanciert war, kein einziges Mal in den ersten 15 klassiert. Und nun liess er dem 14. Platz vom Freitag eine Steigerung auf Rang 4 folgen, seinem besten Abfahrts-Resultat überhaupt. Fünfter war er im März 2001 in Kvitfjell geworden.

Défago sieht wieder Licht im Tunnel

"Endlich ist mir wieder einmal eine Fahrt aufgegangen", durfte Didier Défago im Ziel sagen. Endlich sieht er wieder Licht im Tunnel. Im letzten Winter hatte er nach hervorragendem Beginn gegen Ende der Saison kräftemässig stark abgebaut. Vor allem deshalb setzte er vor dem aktuellen Winter auf vermehrtes Krafttraining. Doch das zahlte sich nicht aus. "Ich habe keinen gezielten Formaufbau auf einen späteren Zeitpunkt vorgenommen. Gewiss wollte ich den Winter nicht ganz so forsch angehen wie im Jahr zuvor, aber so war das bestimmt nicht geplant. Es war vielmehr so, dass der schlechte Saisonbeginn zu einer immer grösseren Verunsicherung geführt hat", meinte Défago.

Didier Cuche, der Sieger vom Freitag, meisterte den obersten Streckenabschnitt mit dem Tröglhang nicht mehr so brillant wie in der ersten Abfahrt: "Das war es dann schon, so konnte ich im Kampf um die Podestplätze nicht mehr mitreden." Am Vortag war er hier der klar Schnellste, doch am Samstag lag er nach dem Startabschnitt auf Platz 15. Am Ende reichte es immerhin zu Rang 9, und wäre er nur 18 Hundertstel schneller gefahren, hätte es ihm zu Platz 5 gereicht.

Ähnliches konnte Bruno Kernen sagen: "Ich beging einen Fehler im Tröglhang und dann fuhr ich auch noch unteren Teil schlecht." Im mittleren Abschnitt gehörte er zu den Allerbesten. Ihm fehlten gar nur sechs Hundertstel zu Platz 5. "Heute wäre es möglich gewesen, aufs Podest zu fahren", haderte der Berner mit sich selbst. Als Achter kam er zum vierten Mal in dieser Saison in die Top 10. Das sei zwar recht gut, "aber doch noch nicht das, was ich will."

Eberharter: "Heute wars irrsinnig schwer"

In einem waren sich die Fahrer einig: Die Garmischer Abfahrten zählten zu den schwierigsten des ganzen Winters. Für Bruno Kernen war die mit vielen Schlägen durchsetzte zweite Abfahrt die schwerste des ganzen Winters, "noch anspruchsvoller als Kitzbühel", für den fünftplatzierten Österreicher Hannes Trinkl, den Weltmeister von 2001, gar die "Zähste der Karriere". Selbst der Sieger sah sich gefordert. "Heute wars irrsinnig schwierig", meinte Stephan Eberharter, "da hatten offensichtlich alle Probleme. Ich selber habe bei der Zieldurchfahrt nicht daran geglaubt, dass es für den Sieg reichen würde."

Eberharter tat mit dem 28. Weltcupsieg seiner Karriere einen wichtigen Schritt dazu, zum dritten Mal in Serie Weltcupsieger in der Abfahrt zu werden. Als einziger Fahrer im Feld hat er schon mehr als einen Saisonsieg in der Sparte Downhill verbucht. Drei Rennen vor Schluss beträgt sein Vorsprung auf den Amerikaner Daron Rahlves nun immerhin 138 Punkte.

Für einmal wurde in Garmisch dank den Plätzen 2 und 3 von Fritz Strobl (Salomon) und Alessandro Fattori (Fischer) auch die Dominanz der Atomic-Piloten etwas gebrochen. In den acht ersten Abfahrten hatten es als einzige Nicht-Atomic-Fahrer Lasse Kjus (Dynastar) und Ambrosi Hoffmann (Stöckli) aufs Podest gebracht. Nicht weniger als 21 der 24 möglichen Podiumsplätze waren an Atomic gegangen.

Garmisch-Partenkirchen (De). Weltcup-Abfahrt Männer, Schlussklassement: 1. Stephan Eberharter (Ö) 1:58,70. 2. Fritz Strobl (Ö) 0,09 zurück. 3. Alessandro Fattori (It) 0,45. 4. Didier Défago (Sz) 0,62. 5. Hermann Maier (Ö), Christoph Gruber (Ö) und Hannes Trinkl (Ö) 0,79. 8. Bruno Kernen (Sz) 0,85. 9. Didier Cuche (Sz) 0,97. 10. Klaus Kröll (Ö) 1,21. 11. Patrik Järbyn (Sd) 1,25. 12. Johann Grugger (Ö) 1,35. 13. Andreas Schifferer (Ö) 1,62. 14. Daron Rahlves (USA) 1,64. 15. Hans Knauss (Ö) 1,71.

16. Michael Walchhofer (Ö) 1,76. 17. Marco Büchel (Lie) 1,78. 18. Ambrosi Hoffmann (Sz) 1,89. 19. Paul Accola (Sz) 1,93. 20. Yannick Bertrand (Fr) und Kristian Ghedina (It) 2,48. 22. Kurt Sulzenbacher (It) 2,52. 23. Marc Bottollier (Fr) 2,54. 24. Antoine Dénériaz (Fr) 2,57. 25. Vincent Lavoie (Ka) 2,74. 26. Pierre-Emmanuel Dalcin (Fr) 2,76. 27. Bryon Friedman (USA) 2,97. 28. Bode Miller (USA) 3,16. 29. Tobias Grünenfelder (Sz) 3,23. 30. Erik Seletto (It) 3,34.

Ferner 33. Rolf von Weissenfluh 3,72. 36. Jürg Grünenfelder 4,55. -- 44 Fahrer gestartet, 37 klassiert; ausgeschieden u.a. Peter Fill (It), Florian Eckert (De), Gregor Sparovec (Sln), Roland Fischnaller (It) und Bjarne Solbakken (No).

Technische Daten: Piste Kandahar, 3455 m, 960 m HD, Kurssetzer Helmuth Schmalzl (FIS), 46 Tore.

Männer. Abfahrt (nach 9 von 12 Rennen): 1. Stephan Eberharter (Ö) 591. 2. Daron Rahlves (USA) 453. 3. Hermann Maier (Ö) 408. 4. Michael Walchhofer (Ö) 405. 5. Hans Knauss (Ö) 336. 6. Fritz Strobl (Ö) 323. 7. Lasse Kjus (No) 316. 8. Antoine Dénériaz (Fr) 259. 9. Andreas Schifferer (Ö) 252. 10. Didier Cuche (Sz) 236. 11. Ambrosi Hoffmann (Sz) 211. 12. Bruno Kernen (Sz) 198. 13. Hannes Trinkl (Ö) 193. 14. Klaus Kröll (Ö) 190. 15. Johann Grugger (Ö) 168.

Ferner: 21. Didier Défago 106. 26. Franco Cavegn 74. 28. Paul Accola 70. 36. Rolf von Weissenfluh 29. 45. Tobias Grünenfelder 14.

Gesamtwertung (nach 27 von 40 Wertungen): 1. Benjamin Raich (Ö) 918. 2. Stephan Eberharter (Ö) 842. 3. Lasse Kjus (No) 824. 4. Hermann Maier (Ö) 822. 5. Bode Miller (USA) 758. 6. Daron Rahlves (USA) 654. 7. Michael Walchhofer (Ö) 653. 8. Kalle Palander (Fi) 624. 9. Hans Knauss (Ö) 607. 10. Andreas Schifferer (Ö) 532. 11. Didier Cuche (Sz) 455. 12. Bjarne Solbakken (No) 439. 13. Rainer Schönfelder (Ö) 404. 14. Fritz Strobl (Ö) 366. 15. Ambrosi Hoffmann (Sz) 352.

Ferner: 21. Bruno Kernen 272. 26. Silvan Zurbriggen 236. 31. Didier Défago 199. 46. Paul Accola 125. 51. Tobias Grünenfelder 96. 60. Franco Cavegn 74. 90. Rolf von Weissenfluh 29. 99. Marco Casanova 21. 106. Urs Imboden 16. 125. Konrad Hari 6.

Nationenwertung (nach 51 von 75 Wertungen): 1. Österreich 11977 (Männer 7374+Frauen 4603). 2. Schweiz 3566 (1881+1685). 3. Italien 3490 (2123+1367). 4. USA 3394 (1749+1645). 5. Frankreich 2878 (1205+1673). 6. Deutschland 2815 (212+2603). 7. Norwegen 2217 (1828+389). 8. Schweden 2075 (664+1411). 9. Kanada 1170 (522+648). 10. Finnland 1093 (691+402). 11. Slowenien 446 (316+130). 12. Kroatien 374 (271+103). 13. England 197 (58+139). 14. Spanien 196 (0+196). 15. Liechtenstein 182 (175+7).

16. Tschechien 175 (42+133). 17. Japan 89 (65+24). 18. Slowakei 87 (0+87). 19. Russland 26 (26+0). 20. Andorra 12 (12+0). 21. Australien 10 (10+0). 22. Belgien 3 (0+3).

(rr/news.ch mit Agenturen)

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