Ski alpin: Schweizer Abfahrer erneut ohne Exploit
publiziert: Samstag, 10. Jan 2004 / 14:02 Uhr / aktualisiert: Samstag, 10. Jan 2004 / 17:45 Uhr

Die Schweizer Abfahrer blieben auch in der fünften Weltcup-Abfahrt des Winters hinter den Erwartungen zurück. In Chamonix erreichten Bruno Kernen und Didier Cuche die Plätze 9 und 10, der Rest klassierte sich auf Rängen über 20.

Stephan Eberharter war eine halbe Sekunde schneller als Lasse Kjus.
Stephan Eberharter war eine halbe Sekunde schneller als Lasse Kjus.
Es dominierten einmal mehr die Österreicher, die mit Stephan Eberharter den Sieger stellten und auf den ersten acht Rängen gleich mit sieben Mann vertreten waren. Einzig der zweitplatzierte Norweger Lasse Kjus verhinderte den totalen Triumph des Austria-Teams.

Kernen und Cuche schafften beide ihr bisher bestes Saisonergebnis in der Abfahrt. Dank ihnen klassierten sich auch erstmals in diesem Winter zwei Schweizer in den Top 10. Aber als gewichtigen Schritt nach vorne durfte man dieses Ergebnis dennoch nicht werten.

Im Gegenteil: Nachdem Kernen und Ambrosi Hoffmann im Abschlusstraining vom Donnerstag gemeinsam Bestzeit aufgestellt hatten, hoffte man auf den ersten Exploit des Winters -- vergeblich. Hoffmann, offensichtlich auch nicht mit dem schnellsten Ski unterwegs, wurde letztlich gar nur 26.

Tiefe Nummer als Vorteil

Es war eben einiges anders als im Training vom Donnerstag. Nach den Regenfällen von Freitag war die Piste feucht, der Schnee weich und zudem bildeten sich vor allem im oberen Streckenabschnitt schon bald Löcher. Fahrer mit tiefen Nummern waren gewiss nicht benachteilt.

Die tiefste trug Eberharter, der sich im Abschlusstraining etwas verschätzt und genau auf Platz 30 gefahren war. Das war usprünglich nicht ganz im Sinne des Tirolers, doch die veränderten Bedingungen spielten ihm den Vorteil in die Hände.

Keiner kam mehr an Eberharters Zeit heran. Kjus (Nummer 19), der erstmals seit zwei Jahren in der Abfahrt wieder aufs Podest fuhr, kam ihm am nächsten, der im Abfahrts-Weltcup führende Michael Walchhofer (Nummer 31) büsste als Dritter aber schon 75 Hundertstel ein.

Zufrieden durfte der Salzburger trotzdem sein: Von den mit einer hohen Nummer gestarteten Akteuren war er mit Abstand der Beste. Und er bewies, dass beispielsweise auch für Kernen (Nummer 29) mehr möglich gewesen wäre.

Der Druck auf die Schweizer wird nicht kleiner

Als "weder enttäuschend noch gut" wertete Kernen seine Fahrt. Doch er sah auch Positives: "Ich habe ein paar kleine Fehler begangen, aber ich spüre, dass nicht mehr so viel fehlt."

Auch Didier Cuche fuhr ein ansprechendes Rennen bei Bedingungen, die er nicht sonderlich mag. "Mit meiner Nummer 11 hätte ich aber ein besseres Resultat machen müssen", übte er Selbstkritik.

Neben Kernen und Cuche verdiente sich indes nurmehr der Berner Oberländer Rolf von Weissenfluh ein zufrieden stellendes Ergebnis. Mit Nummer 52 kam er noch auf Rang 23, von so weit hinten stiess ansonsten keiner mehr so weit nach vorne.

"Schade, dass ich im Training keinen besseren Startplatz herausgeholt habe", ärgerte sich Von Weissenfluh hinterher. Die Leistung im Rennen war angesichts der schlechten Bedingungen gut.

Die übrigen Schweizer verpassten die Weltcuppunkte deutlich. Speziell enttäuschend war einmal mehr das Abschneiden von Didier Défago, der völlig von der Rolle scheint und abgeschlagen 44. wurde.

Für die Heimrennen am Lauberhorn ist der auf den Schweizer Abfahrern lastende Druck gewiss nicht kleiner geworden. Kernen bekannte, dass er am Start eine gewisse Belastung verspürt habe: "Es ist verboten zu versagen." Das macht die Aufgabe umso schwerer.

Eberharter auf der Höhe von Klammer

Mit dem letztjährigen Weltcup-Gesamtsieger Stephan Eberharter gab es in der fünften Abfahrt den fünften verschiedenen Gewinner. Der 34-jährige Tiroler, der zu Beginn der Saison gekränkelt hatte und rund zwei Monate von einem äusserst langwierigen Husten geplagt worden war, feierte seinen ersten Sieg in diesem Winter. Zweiter war er in Beaver Creek geworden, dazu stand er im Super-G schon zweimal auf dem Podest.

Sein Triumph von Chamonix war indes ein ganz spezieller, nicht deshalb, weil er erstmals mit Nummer 1 eine Abfahrt gewann. Eberharter feierte seinen insgesamt 26. Weltcupsieg, womit er die Marke von Franz Klammer einstellte: "Klammer war in meiner Jugend der grosse Mann, mit ihm gleich zu ziehen, ist schon etwas ganz Spezielles."

1. Stephan Eberharter (Ö) 1:59,08. 2. Lasse Kjus (No) 0,31 zurück. 3. Michael Walchhofer (Ö) 0,75. 4. Andreas Schifferer (Ö) 0,91. 5. Hannes Trinkl (Ö) 0,92. 6. Fritz Strobl (Ö) 0,98. 7. Johann Grugger (Ö) 1,07. 8. Christoph Gruber (Ö) 1,23. 9. Bruno Kernen (Sz) 1,28. 10. Didier Cuche (Sz), Antoine Dénériaz (Fr) und Bryon Friedman (USA) 1,32. 13. Hermann Maier (Ö) 1,33. 14. Benjamin Raich (Ö) 1,37. 15. Daron Rahlves (USA) 1,38.

16. Josef Strobl (Ö) 1,55. 17. Hans Knauss (Ö) und Klaus Kröll (Ö) 1,57. 19. Norbert Holzknecht (Ö) 1,60. 20. Patrik Järbyn (Sd) 1,62. 21. Kristian Ghedina (It) und Marco Büchel (Lie) 1,66. 23. Rolf von Weissenfluh (Sz) 1,68. 24. Luca Cattaneo (It) 1,73. 25. Kurt Sulzenbacher (It) 1,76. 26. Ambrosi Hoffmann (Sz) 1,88. 27. Yannick Bertrand (Fr) 2,00. 28. Werner Franz (Ö) 2,06. 29. Johan Clarey (Fr) und Alessandro Fattori (It) 2,10.

Ferner: 34. Bode Miller (USA) 2,31. 42. Jürg Grünenfelder (Sz) 2,59. 44. Didier Défago (Sz) 2,79. 52. Paul Accola (Sz) 3,34. 54. Tobias Grünenfelder (Sz) 3,51. 56. Silvan Zurbriggen (Sz) 3,70. 57. Beni Hofer (Sz) 3,72. -- 74 Fahrer gestartet, 71 klassiert.

Technische Daten: Piste Verte Kandahar, 3343 m Länge, 870 m HD, 47 Tore; Kurssetzer Helmuth Schmalzl (FIS/It).

Männer. Gesamtwertung (nach 16 von 40 Wertungen): 1. Hermann Maier (Ö) 535. 2. Lasse Kjus (No) 518. 3. Benjamin Raich (Ö) 487. 4. Stephan Eberharter (Ö) 458. 5. Hans Knauss (Ö) 454. 6. Kalle Palander (Fi) 449. 7. Michael Walchhofer (Ö) 436. 8. Andreas Schifferer (Ö) 421. 9. Bjarne Solbakken (No) 383. 10. Bode Miller (USA) 337. 11. Daron Rahlves (USA) 316. 12. Aksel Lund Svindal (No) 219. 13. Davide Simoncelli (It) 216. 14. Didier Cuche (Sz) 206. 15. Manfred Pranger (Ö) und Giorgio Rocca (It) 200. 17. Antoine Dénériaz (Fr) 193. 18. Christoph Gruber (Ö) 191. 19. Frédéric Covili (Fr) 190. 20. Massimiliano Blardone (It) 186. 21. Ivica Kostelic (Kro) 176. 22. Patrik Järbyn (Sd) 175. 23. Fritz Strobl (Ö) 171. 24. Rainer Schönfelder (Ö) 169. 25. Arnold Rieder (It) 159. 26. Heinz Schilchegger (Ö) 153. 27. Johann Grugger (Ö) 149. 28. Erik Guay (Ka) 135. 29. Ambrosi Hoffmann (Sz) 133. 30. Bruno Kernen (Sz) und Klaus Kröll (Ö) 127.

Ferner: 38. Silvan Zurbriggen 86. 40. Didier Défago 76. 44. Franco Cavegn 74. 50. Tobias Grünenfelder 64. 68. Paul Accola 36. 72. Rolf von Weissenfluh 29. 80. Marco Casanova 21. 87. Urs Imboden 16. 110. Konrad Hari 6.

Abfahrt (nach 5 von 12 Rennen): 1. Michael Walchhofer (Ö) 330. 2. Stephan Eberharter (Ö) 251. 3. Hermann Maier (Ö) 239. 4. Daron Rahlves (USA) 215. 5. Hans Knauss (Ö) 199. 6. Antoine Dénériaz (Fr) 193. 7. Lasse Kjus (No) 192. 8. Andreas Schifferer (Ö) 191. 9. Johann Grugger (Ö) 140. 10. Fritz Strobl (Ö) 138.

Ferner: 14. Bruno Kernen 84. 19. Franco Cavegn 74. 21. Ambrosi Hoffmann 66. 22. Didier Cuche 57. 28. Rolf von Weissenfluh 29. 30. Didier Défago 27. 42. Paul Accola 7. 46. Tobias Grünenfelder 2.

Nationen (nach 31 von 75 Wertungen): 1. Österreich 7505 (Männer 4503+Frauen 3002). 2. Italien 2216 (1403+813). 3. Schweiz 1892 (874+1018). 4. USA 1875 (874+1001). 5. Frankreich 1799 (804+995). 6. Norwegen 1552 (1249+303). 7. Deutschland 1551 (122+1429). 8. Schweden 1413 (388+1025). 9. Finnland 793 (472+321). 10. Kanada 568 (299+269). 11. Kroatien 251 (176+75). 12. Slowenien 235 (128+107). 13. Spanien 136 (0+136). 14. Tschechien 133 (0+133). 15. Liechtenstein 123 (123+0). 16. England 108 (37+71). 17. Slowakei 63 (0+63). 18. Japan 38 (22+16). 19. Australien 10 (10+0).

(von Werner Eisenring, Chamonix/Si)

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