Ski nordisch: Die Nordischen streben die Rückkehr zum Erfolg an
publiziert: Donnerstag, 13. Nov 2003 / 18:25 Uhr

Er sehe keinen Grund, wieso die Nordischen der Schweiz nicht zu den Besten zählen sollten. Mit diesen Worten prägte Leistungssportchef Gian Gilli die Saison-Präsentation der Nordischen von Swiss-Ski in Biel.

Leistungssportchef Gian Gilli versucht in seiner Aufgabe mit vollem Engagement den Kurs Richtung Weltspitze einzuschlagen.
Leistungssportchef Gian Gilli versucht in seiner Aufgabe mit vollem Engagement den Kurs Richtung Weltspitze einzuschlagen.
Dass Gilli Mittelmass nicht behagt und er von sich und seinen Mitarbeitern stets alles abverlangt, liess der Bündner bei seinen Ausführungen zum Konzept "Ski Nordisch 2010" ohne Hemmungen durchblicken. Gilli, in der Öffentlichkeit noch bekannt als Koordinater der alpinen Ski-WM 2003 in St. Moritz, versucht in seiner neuen Aufgabe seit diesem Frühjahr mit vollem Engagement den Kurs Richtung Weltspitze einzuschlagen.

"Es macht mich immer rasend, wenn mir einer sagt, die Nordischen würden in der Schweiz halt im Schatten der Alpinen stehen", erklärte Gilli. "Wir haben eine gute Infrastruktur, wir haben die Höhenläge, wir haben Schnee, wir haben erstklassige Veranstalter, wir haben Sponsoren: Ja, was braucht es denn noch, um Weltklasse zu sein?"

Die Antworten gab der ehemalige Langläufer, Trainer, OK-Verantwortliche von Veranstaltungn und derzeitige Präsident des Skiclubs Alpina St. Moritz gleich selbst durch die Präsentation von Grundsatzideen, denen eine klare Orientierung an der Weltspitze zu Grunde liegt. Über all den Massnahmen wie Ausbildungsqualität, breit abgestütztem Förderungssystem in Richtung nationale Leistungszentren (Davos, Andermatt, Einsiedeln), Verbesserung der Infrastruktur oder Aufwertung der Disziplin Sprint im Langlauf steht der Gedanke, aus dem Mittelmass herauszufinden. Dies erfordere ein Umdenken in vielen Köpfen. "Schliesslich werden unsere Leistungen auch mit den Resultaten der Besten verglichen."

Einen wichtigen Impuls, den Stellenwert des nordischen Skisports in der Schweiz zu heben, könnte die Kandidatur und Durchführung von nordischen Weltmeisterschaften in der Schweiz provozieren. "Träumen ist erlaubt", so Gilli.

Kombinierer mit grösstem Potenzial

Beim Blick des Leistungssportchefs auf die einzelnen Disziplinen schnitten die Nordisch Kombinierer am besten ab. In dieser Sparte sieht Gilli eines seiner Hauptanliegen, dass mehr international konkurrenzfähige Athleten an die Spitze herangeführt werden, erfüllt. Acht mehrheitlich junge Athleten haben schon Top-30-Platzierungen im Weltcup erreicht.

Düsterer sieht es im Langlauf aus, wo derzeit Reto Burgermeister als einziger die Kastanien aus dem Feuer holen kann. Bei den Frauen steht die Ampel sogar auf Rot. Die Skispringer stellen mit Andreas Küttel, der gegenüber Doppel-Olympiasieger Simon Ammann im Training derzeit die Nase vorne hat, sowie Marco Steinauer ein weltcuptaugliches Trio. Nachwuchs, der zur Spitze drängt, ist hingegen noch nicht in Sicht. Der Biathlon, der wohl bald definitv Swiss-Ski einverleibt werden wird, dürfte erst langfristig den Anschluss schaffen.

Wer von wem was erwartet...

Skispringen

Schon vor dem Winter ist aus dem Weltcup-Quartett ein Trio geworden. Der 22-jährige Einsiedler Marc Vogel genügt höheren Ansprüchen nicht und beginnt die Saison im Continental-Cup. Weil Andreas Küttel einen Weg aus der Krise fand, hat Simon Ammann auch intern wieder einen Gradmesser. Für beide Athleten müssen die Top 10 das Ziel sein. Klassierungen in diesem Bereich werden gemäss Disziplinen-Chef Gary Furrer insbesondere an den Highlights Engelberg, Vierschanzentournee und Skiflug-WM angestrebt. Als dritte Kraft soll Marco Steinauer für zusätzliche Weltcup-Punkte sorgen.

Langlauf

Die Hoffnung im Langlauf hat einen Namen: Reto Burgermeister. Der Zürcher erhofft sich durch die Zusammenarbeit mit Tobias Angerer in Ruhpolding ähnliche Exploits wie den überraschenden Podestplatz am Weltcup-Rennen in Oberhof Anfang Jahr. Mit Patrik Mächler und Beat Koch bereiteten sich auch die Nummern 2 und 3 ausserhalb des Teams von Neo-Nationaltrainer Erwin Lauber auf die Saison vor. Ihnen traut Michel Antzemberger, bei Swiss-Ski verantwortlich für die Sparte Langlauf, Rangierungen in den ersten 15 zu. David Romer und Christian Stebler als Vertreter der jungen Garde müssen sich zuerst auf höchster Stufe etablieren. Wenig Grund zur Zuversicht liefern die Frauen. Natascia Leonardi Cortesi und Andrea Huber kämpf(t)en mit gesundheitlichen Problemen; die Hoffnungen ruhen zu Saisonbeginn auf Laurence Rochat und der nicht minder talentierten Davoserin Seraina Mischol.

Nordische Kombination

Hippolyt Kempf setzt mit Fernsicht auf die WM 2005 in Oberstdorf in allen Bereichen auf Kontinuität und will mit seiner Crew den Abstand zur Spitze verringern. Hoffnungsschimmer gibt es einige. Ronny Heer, Jan Schmid, Andreas und Seppi Hurschler beginnen die Saison im A-Weltcup und sollen sich dort zumindest vereinzelt in den Top 10 klassieren. Von Andy Hartmann werden nach Jahren der Stagnation endlich Fortschritte erwartet. Der Bündner muss sich wie Schweizer Meister Ivan Rieder zunächst in den A-Weltcup zurückkämpfen.

Die nordischen Kader von Swiss-Ski

Langlauf

Männer. Nationalmannschaft: Reto Burgermeister (28/Pfäffikon ZH), Beat Koch (31/Andermatt), Patrik Mächler (30/Davos), Christoph Eigenmann (24/Wattwil), Peter von Allmen (25/Heimenschwand). -- A-Kader: David Romer (25/Mols), Christian Stebler (22/Wolfenschiessen). -- B-Kader: Thomas Diezig (22/Blitzingen), Remo Fischer (22/Adetswil), Toni Livers (20/Trun), Rafael Ratti (20/Madulain), Andreas Zihlmann (24/Marbach).

Frauen. Nationalmannschaft: Andrea Huber (28/La Punt), Laurence Rochat (24/Le Pont). -- A-Kader: Natascia Leonardi Cortesi (32/Poschiavo), Seraina Mischol (21/Davos). -- B-Kader: Ursina Badilatti (20/Poschiavo), Seraina Boner (21/Klosters), Nicole Kunz (21/Lengnau).

Nordische Kombination

A-Kader: Andy Hartmann (23/Klosters), Ronny Heer (22/Trachslau), Andreas Hurschler (26/Trachslau), Seppi Hurschler (20/Grafenort), Pascal Meinherz (22/Grabs), Jan Schmid (19/Tiller/No). -- B-Kader: Ivan Rieder (26/Kandersteg), Lucas Vonlanthen (22/St. Gallen).

Skispringen

Nationalmannschaft: Simon Ammann (22/Unterwasser). -- A-Kader: Andreas Küttel (24/Einsiedeln), Marco Steinauer (27/Einsiedeln). -- B-Kader: Rémi Français (14/Lausanne), Bruno Hauswirth (19/Gstaad), Christoph Höss (14/Hinwil), Marco Staub (16/Unteriberg), Marc Vogel (22/Einsiedeln).

Die wichtigsten Termine

Dezember. 13./14.: Langlauf, Weltcup Davos. -- 20./21.: Skispringen, Weltcup Engelberg. -- 29. - 6. Januar: Skispringen, Vierschanzentournee (Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck, Bischofshofen).

Februar. 7./8.: Skifliegen, Weltcup Oberstdorf. -- 13. - 15.: Nordische Kombination/Langlauf, Weltcup Oberstdorf (Hauptprobe WM 2005). -- 20. - 22.: Skifliegen, WM in Planica.

März. 5./6.: Nordische Kombination, Weltcup-Final in Lahti. -- 12. - 14.: Langlauf, Weltcup-Final in Pragelato (2006 Austragungsort der olympischen Langlauf-Rennen). -- 14.: Skispringen, Weltcup-Final in Oslo.

(von Hans Leuenberger, Biel/Si)

 
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