Ski nordisch: Frauenstaffel bewahrt die Schweizer vor Totalausfall
publiziert: Sonntag, 8. Dez 2002 / 16:50 Uhr

(Si) Rang 6 und Qualifikation für die Weltmeisterschaften im Val di Fiemme (It): Die Frauenstaffel sorgte an den Weltcuprennen in Davos für das einzige Highlight einer aus Schweizer Sicht verpatzten Heimveranstaltung.

Das Schweizer Team mit Andrea Senteler, Andrea Huber, Laurence Rochat und Natascia Leonardi Cortesi freuen sich über ihre WM-Qualifikation.
Das Schweizer Team mit Andrea Senteler, Andrea Huber, Laurence Rochat und Natascia Leonardi Cortesi freuen sich über ihre WM-Qualifikation.
Im Einzel über 15 respektive 10 km in der freien Technik waren Gion Andrea Bundi als 35. und Laurence Rochat als 42. beste Vertreter von Swiss-Ski. Die Männerstaffel verpasste den für eine WM-Teilnahme geforderten 8. Rang deutlich. Nach dem 11. und vorletzten Platz müssen sich die Schweizer über Einzelleistungen für die WM-Staffel qualifizieren. Norwegen gewann beide Teamwettbewerbe und stellte mit Bente Skari eine dritte Siegerin. Der 29-jährige Schwede Mathias Fredriksson komplettierte den skandinavischen Triumph.

Flaggschiff bleibt auf Kurs

Seit Brigitte Albrecht Loretan, Natascia Leonardi Cortesi, Laurence Rochat und Andrea Huber im Februar in Salt Lake City Olympia-Bronze gewannen, gilt die Frauenstaffel als Flaggschiff der nationalen Langlauf-Szene. In Davos schaffte das auf einer Position veränderte Team (Andrea Senteler an Stelle der zurückgetretenen Brigitte Albrecht Loretan) die WM-Norm, weil drei der vier Läuferinnen überzeugten. Einzig die als Spätstarterin bekannte Leonardi Cortesi (31) kam erneut nicht auf Touren. Die Tessinerin wurde von ihrem Trainer Erich Sterchi aus taktischen Gründen im zweiten Klassisch-Abschnitt eingesetzt, obwohl sie im Skating deutlich stärker ist. "Das Risiko hat sich ausbezahlt", hielt ein erleichterter Sterchi fest.

Startläuferin Andrea Huber war im Einzel geschont worden, was die erhofften Zinsen abwarf. Dank der Engadinerin lagen die Schweizerinnen beim ersten Wechsel an zweiter Stelle unter neun A-Teams. Laurence Rochat stellte auf dem ersten Skating-Abschnitt die viertbeste Zeit auf. Schlussläuferin Andrea Senteler gelang eine für ihre Verhältnisse gute Vorstellung. Die 25-Jährige musste zwar die Kasachinnen passieren lassen, hielt die weiteren Verfolgerinnen aber sicher in Schach.

Trio statt Quartett

Männer-Coach Ulf Morten Aune hatte rasch eine Erklärung für das schwache Abschneiden seiner Schützlinge bereit. "Uns fehlt einfach ein zweiter Klassisch-Läufer von Format -- und das schon seit Jahren." So musste mit Christoph Schnider einer laufen, der keinem Swiss-Ski-Kader mehr angehört, im Einzel als 42. aber überrascht hatte. Gegen die starke direkte Konkurrenz (unter anderen Frode Estil, Andrus Veerpalu, Lukas Bauer und Vincent Vittoz) büsste Schnider viel Terrain ein.

Dass Reto Burgermeister die Schmach vom Vortag (lediglich 82.) eindrücklich korrigierte und die Schweiz dank ihm nach einem Viertel an fünfter Stelle lag, nützte da wenig. Wie Teamleader Burgermeister fand auch Patrick Mächler die richtige Antwort auf das Debakel im Einzelrennen. Auf den letzten 10 km waren mit den zeitgleichen Thomas Alsgaard und Cristian Zorzi nur die Schlussläufer der beiden Topteams schneller. Gion Andrea Bundi (am Samstag 35.) lief ebenfalls ansprechend.

Bis zur WM in Topform?

Da die Schweizer am 19. Januar nationale Titelkämpfe austragen, werden sie die letzte Möglichkeit zur WM-Qualifikatin nicht wahrnehmen können. Erfüllen allerdings vier (oder mehr) Athleten die Kriterien für eine Teilnahme im Einzel, wird aus diesen eine Staffel gebildet.

Zieht man in Betracht, dass den Heimrennen als zweitem grossen Saisonhöhepunkt neben den WM viel Bedeutung beigemessen wurde und im Sinne einer gezielten Vorbereitung auf die Wettkämpfe in Kuusamo verzichtet wurde, ist die Ausbeute der Swiss-Ski-Delegation bedenklich mager. Sollte das Vorhaben, sich der Topform bis im Februar Schritt für Schritt zu nähern, gelingen, wird wohl grosszügig über die Enttäuschung hinweggesehen. Andernfalls aber müssten sich die Verantwortlichen wohl grundsätzliche Fragen gefallen lassen.

Der Liechtensteiner Markus Hasler klassierte sich am Samstag als Sechster schon zum zweiten Mal in dieser Saison in den Top-Ten und zeigte seinen Schweizer Kollegen, was möglich wäre. Nach der Auflösung des liechtensteinischen Weltcup-Teams ist der 31-Jährige seinem Trainer Emil Hoch ins Lager der Österreicher gefolgt.

Klassischkönigin und Kaiserwetter

"Davos Nordic" war dank vier hochstehenden Rennen und Kaiserwetter trotz schwacher Schweizer Bilanz ein Erfolg. Ein atemberaubender Schlussspurt in der Männer-Staffel und der 30. Weltcupsieg von "Klassischkönigin" Bente Skari standen im Zentrum. Skari wiederholte ihren Sieg aus dem Vorjahr und gewann zum ersten Mal in der freien Technik.

(Philipp Bärtsch/sda)

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