Ski nordisch: Küttels Stern steigt wieder
publiziert: Donnerstag, 19. Feb 2004 / 19:03 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 19. Feb 2004 / 19:34 Uhr

Planica - Gemessen am aktuellen Weltcup-Klassement ist Andreas Küttel besser als Simon Ammann. Trotzdem bleibt Küttel im Schatten des Doppelolympiasiegers nur die Nebenrolle. Selbst ein Exploit an der Skiflug-WM in Planica würde daran nur kurzfristig etwas ändern.

Kuettel wird im Ziel manchmal auch mit "Simi" angesprochen.
Kuettel wird im Ziel manchmal auch mit "Simi" angesprochen.
Herr und Frau Schweizer - an wen denken sie beim Wort Skispringen? Kaum jemand wird diese Frage mit "Andreas Küttel" beantworten. Für den bald 25-jährigen Einsiedler kein Grund zur Klage.

Sauer kann er höchstens werden, wenn ihn Zuschauer oder Journalisten im Auslauf allen Ernstes mit "Simi" ansprechen. "Wenn ich gut drauf bin, nehme ich das aber mit Humor", sagt Küttel.

Mitte Januar hatten die Schlagzeilen für einige Tage Küttel gehört. Als Dritter war er in Liberec (Tsch) erstmals im Weltcup auf das Podest gesprungen. Dass seine Leistung von grossen Tageszeitungen auf der Titelseite gewürdigt wurde, freute ihn; dass er es als erster (männlicher) Swiss-Ski-Vertreter des Winters in die Top 3 geschafft hatte, machte ihn auch ein wenig stolz.

Allerdings halten die Reaktionen dem Vergleich mit dem Rummel nach den Olympischen Spielen in Salt Lake City in keiner Weise stand. Damals war Küttel als Sechster von der Grossschanze in den Sog der Euphorie um "Gold-Simi" geraten.

Obwohl die Begeisterung nur zu einem kleinen Teil ihm galt, fand er den Empfang am Flughafen "wahnsinnig toll". Nach Salt Lake habe sich etwas verändert, nach Liberec hingegen nicht. "Wir fuhren im Bus nach Hause und zwei Tage später ging das Training auf der Schanze wieder los."

Fulminanter Einstieg

Für Furore hatte Küttel auch in seinem ersten vollständigen Weltcup-Winter (1995/1996) gesorgt. Im vierten Wettkampf platzierte sich der damals 16-Jährige in Planica erstmals in den ersten zehn.

Dem 6. Platz liess er einen 4. in Chamonix folgen -- die persönliche Bestmarke sollte mehr als acht Jahre Bestand haben. Nach dem Medaillengewinn an der Junioren-WM 1996 in Asigao ging´s mit dem Talent bergab.

Der Stern war am Verglühen, der Hoffnungsträger repräsentierte Mittelmass. "Mein Hang zum Perfektionismus stand mir im Weg, ich verrannte mich in Details", glaubt Küttel.

Keinen positiven Einfluss auf die Entwicklung des jungen Athleten hatten auch die vielen Trainerwechsel. Als gründlich misslungen möchte er aus jener Zeit allerdings nur den Olympia-Winter 1998 bezeichnen.

Schödlers Einfluss

Einen Wendepunkt in Küttels Karriere markiert Berni Schödlers Aufstieg zum Cheftrainer. "Wir haben in Sachen Skispringen die gleiche Philosophie. So ist die Gefahr gering, vom richtigen Weg abzukommen."

Da lässt man sich von einer verpatzten Saison wie der letzten nicht aus dem Konzept bringen. Auch Verschiebungen und Absagen machen dem Routinier nicht viel aus. Um die gestern (vergebens) aufgebaute Spannung abzustreifen, stieg er auf halbem Weg aus dem Bus und joggte zum Hotel.

Mit welchen Erwartungen steigt Küttel heute in den wichtigsten Wettkampf des Winters? Der Sportstudent spricht von den Top 6. "Einmal auf das Podest springen und sich dann gleich eine Medaille wünschen -- das wäre wohl etwas vermessen." Sein Motto: Mit Herz springen, den Kopf beiseite lassen. Der Rest ergibt sich.

(bsk/Si)

 
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